Nobelpreisträgerin gegen Queerbeauftragten

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Vor einigen Jahren verlor der US-amerikanische Molekularbiologe James Watson, der maßgeblich an der Entdeckung der Molekularstruktur beteiligt war, seine Ehrentitel, weil er erbliche Unterschiede zwischen den IQs verschiedener Rassen besprochen hatte. Er hatte eine der roten Linien überschritten, die ich auch kürzlich in einer Kolumne angesprochen habe: All unsere Sozialpolitik basiere auf der Annahme, dass die Intelligenz von Afrikanern dieselbe sei wie unsere – obwohl alle Tests sagen, dass dies nicht wirklich so ist. Die Folge: völlige Diskreditierung im akademischen Sektor und ein Quasi-Berufsverbot. Warum er sowie auch alle IQ-Studien, die jemals durchgeführt wurden, falsch lagen, erfuhren wir leider nicht, wohl aber, was für ein böser Mensch er sei und dass man ihm nie wieder zuhören dürfe.

Ein ähnliches Schicksal könnte nun auch der ebenfalls Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard drohen, die eine erst neuerlich gezogene rote Linie überschritten hat: Sie sagte der „Emma“ diesen Montag, der Queerbeauftragte Sven Lehmann habe wohl den Grundkurs Biologie verschlafen, weil er die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als „quasi-kreationistische Behauptung“ hinstellte. All das ist immer noch ein Nachbeben des Beitrags von fünf Experten in der „Welt“, in dem sie der ARD die Indoktrinierung von Kindern in die Buchstaben-Sekte vorwarfen und der inzwischen knapp drei Monate zurückliegt.

Zum Thema der „Geschlechtsangleichung“ sagte Nüsslein-Volhard: „Der Gesetzgeber kann gar keine Geschlechtsumwandlung ermöglichen. Er sagt nur: Diese Frau darf ab jetzt behaupten, sie sei ein Mann. Und umgekehrt. Die biologischen Grundlagen sind absolut nicht zu ändern.“ Das Verwirrspiel mit dem „Gender“, also dem sozialen Geschlecht als eigener Kategorie, geht sie für meinen Geschmack aber noch etwas zu bereitwillig mit; sie unterschied strikt zwischen „biologischem Geschlecht“ und sozialem. Wie man sich fühle, lasse sich zwar durch soziale und psychologische Umstände ändern. Aber: „Das biologische Geschlecht eben nicht. Das ist dort, wo wirklich Wissenschaft betrieben wird, auch völlig unstrittig.“ Es hat seinen Grund, dass wir nicht davon sprechen, jemandes „biologische Tierart“ sei aber Mensch, wenn er sich für einen Wolf hält: Schon diese Unterscheidung in „biologische“ und „soziale Tierart“ stellt diese Eigenwahrnehmung auf ein absurdes Podest. Sie lässt die umnachteten Fantasievorstellungen davon, eigentlich ein anderes Tier zu sein, valider und legitimer erscheinen und lädt zu genau dem Verwirrspiel ein, das unsere Medien- und Politikerkaste inzwischen durchgespielt haben: Am Ende ersetzt das „soziale“ Geschlecht das richtige, kurz und knackig von Lehmann auf den Punkt gebracht: Transfrauen sind Frauen, und alles andere ist „menschenfeindliche Hetze“.

Die Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht mitzugehen, ist ein Fettnäpfchen, in das gerne getappt wird, und das, denke ich, auch nicht einmal aus Angst oder Einschüchterung. Diese Unterscheidung wurde uns nur so lange in den Kopf gemeißelt, insbesondere in einem Akademikerumfeld, dass viele sie schon als selbstverständlich ansehen, ohne je näher darüber nachgedacht zu haben. Ansonsten fand Nüsslein-Volhard mehr als harte Worte: Dass 14-jährige Kinder in Zukunft ihren Geschlechtseintrag ändern können sollen, nannte sie „Wahnsinn“. „Mit 14 sind ganz viele Mädchen in der Pubertät unglücklich. Ich kenne das ja selbst. Ich war mit 14 auch unglücklich und wollte lieber ein Junge sein.“ Mehr als genug Stoff für eine Hexenjagd, scheint mir. Ob Nüsslein-Volhard nun wirklich dasselbe Schicksal blüht wie ihrem Kollegen Watson, bleibt abzuwarten. Die rote Linie ist ja noch frisch, die Farbe kaum getrocknet, und auf der rund um Rasse und IQ haben wir, wie Watson richtig sagte, ja quasi unsere Gesellschaft aufgebaut. Und eine Gesellschaft aufgebaut auf der Nichtexistenz von Geschlechtern, die hätte nicht lange Bestand.

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