Mit dem Gegner auf der selben Seite des Tresens

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Neulich in einer Bar. Ein athletischer Mann mit Vollbart fragt mich, zu welchem MC ich gehöre. „Zu keinem“, versichere ich ihm lachend, klopfe ihm auf die Schulter und stelle ihm die gleiche Frage. Auch er gehört keinem Motorradclub an. Er ist Deutschrusse und kürzlich aus dem Krieg zurückgekehrt. Dreieinhalb Monate war er an der Front. Mit den Tschetschenen. Bei der Einnahme Mariupols sei er dabei gewesen. Stolz präsentiert er mir die Spuren einer Verwundung, die er durch einen Granatsplitter davongetragen hat. Nun sind die deutschen Behörden hinter ihm her. Man dürfe zwar im Ukrainekrieg kämpfen, aber nur für die Ukraine.

Ich überlege, ob ich ihm sagen soll, dass ich ebenfalls vor kurzem an der Front gewesen bin, als Journalist. Ich sage es ihm, zeige ihm Bilder auf meinem Smartphone. Auch aus meiner Sympathie für die ukrainische Seite mache ich keinen Hehl. Dabei lasse ich den Kämpfer nicht aus den Augen, rechne damit, dass er mir seine Bierflasche über den Kopf zieht. Dann das Unerwartete: Als ich ihm ein Video zeige, das ich von einem gut gelaunten britischen Freiwilligen gemacht habe, lächelt er und ruft: „Was für gute Jungs! Auf beiden Seiten! Wer kämpft, hat meinen Respekt.“

Er hat verdammt nochmal Recht und er ist mir in diesem Augenblick sympathischer als all die Landsleute, die die russischen Soldaten entmenschlichen, indem sie sie Orks nennen, aber selbst nie auf die Idee kämen, zur Waffe zu greifen und der Ukraine beizustehen. Natürlich ist Russland der Aggressor in diesem Krieg, doch für mein Gegenüber ist Mütterchen Russland (neben Deutschland) eben auch das Vaterland.

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