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Privatstädte auf dem Mars?

16. Juni 2021

Elon Musk könnte ihn sich als letzte Ruhestädte vorstellen, die Amerikaner haben mehrere Rover dort gelandet, die Chinesen haben sich dieses Jahr angeschlossen und selbst die zumindest zur Zeit ihrer Hochkultur Astronomie verliebten Araber haben erfolgreich einen Satelliten in seine Umlaufbahn gebracht. Die Rede ist von unserem Nachbarplaneten Mars.

Seit dem 19. Jahrhundert regt die Idee von Leben außerhalb unseres Staubkorns im Weltall die Menschheit zu fantastischen Träumen an. Die jungen Erwachsenen dieser Tage dürften den anfänglichen Übergang der Science-Fiction zur Realität miterleben. Nachdem die Staaten in den 1950er und 60er Jahren mehr schlecht als recht ums Weltall eiferten (und ich nicht weiß, ob „wir“ je auf dem Mond waren), war man spätestens zu Beginn der 1970er Jahre wieder weg.

Diese Zeiten sind nun allerdings vorbei. Angepeitscht durch zahlreiche, schwerreiche Technikpioniere und Anleger, überwiegend aus den englischsprachigen Ländern (Musk, Bezos, Branson…) erlebt die Menschheit aktuell geradezu ein internationales Weltraumfieber. Dieses Mal dürften jedoch Privatiers als auch Staaten die Sache wirklich ernst meinen – sie kommen, um zu bleiben. Genau wie unsere Fachkräfte.

Das neue Weltraumfieber lässt erneut zahlreiche Träume hochleben, wie etwa die sagenhaften Gewinne aus dem sogenannten Weltraumbergbau (Space mining) als auch manchen politischen Überoptimismus. Gerade Libertäre träumen gerne von der Allheillösung des Auswanderns in exotische Freiheitsgefilde.

Mal will man auf Bohrinseln in den internationalen Gewässern neue Steueroasen errichten, mal versucht man auf einem vermeintlich herrenlosen Stück Sumpfland zwischen Serbien und Kroatien einen neuen High-Tech Staat aus dem Boden zu stampfen. All dieses Projekte endeten, wie sie leider enden mussten. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Gerade der teilprivate Charakter der neuen Raumfahrt hat die Fantasie wiederbelebt.

Nur, wie hieß es beim NATO-Gipfel am 14. Juni in Brüssel plötzlich? Das Militärbündnis des Kalten Krieges will seine Beistandsgarantie für die einzelnen Mitgliedstaaten auf das Weltall ausdehnen. Schließlich verfügen sowohl die USA als sogar Frankreich über eigene Weltraumabteilungen innerhalb ihrer Generalstäbe. Dies übrigens ungeachtet, der gegenteiligen Bestimmungen des „Outer Space Treaty“ von 1967.

Warum überrascht das nicht? Die Art der Besiedlung des Weltraums ist ein Spiegelbild der politischen Verhältnisse auf der Erde. Eine anarchisch geprägte Besiedlung des Weltraums riskiert schon deswegen zu scheitern, weil die dafür notwendige Ressourcenakkumulation, sich auf der Erde niemals ohne die Zustimmung diverser Staaten organisieren ließe.

Bei der Errichtung von urfreiheitlichen Gebilden auf erdnahen Himmelskörpern handelt es sich wahrlich um einen schönen, aber am Ende doch nur einen Traum. Wenn Individuen sich nach erfolgter Auswanderung über die gleichen Probleme beklagen, wie in ihrem Heimatland, teilt man ihnen bisweilen mit: du hast dich halt auch selbst mitgenommen. Wie die Coronazwangsmaßnahmen gezeigt haben, gelten die gleichen Vorbehalte auch gesamtgesellschaftlich.

Das Thema Weltraumbesiedlung wird der Menschheit während der nächsten Jahrzehnte eine Unzahl an spannenden Erlebnissen bereiten. Den notwendigen Freiheitskampf auf der Erde kann sie jedoch nicht ersetzen. Einen Freiheitsgewinn im Zuge der neuen Wanderungsbewegungen wird es auf dem Heimatplaneten und den neuen Siedlungsgebieten geben, oder überhaupt nicht.

Unabhängig davon, sollten Sie diesen Moment des Übergangs von der Science-Fiction zur Realität, soweit wie irgendwie möglich, genießen.

Libertäre Eule

Mit freiheitlichem “Schuhu” fliegt das Federvieh durch die kollektivistische Nacht.


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