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Unknown author – Comet Photo AG (Zürich), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fussball-Weltmeisterschaft_1954_(Com_M03-0108-005-0010).jpg

Magere Prämie für den WM-Sieg

1. November 2021

2.500 Mark betrug die Siegprämie für die deutschen Nationalspieler bei der WM 1954

Am frühen Abend des 4. Juli 1954 herrscht in den Wohnzimmern und Kneipen der Bundesrepublik angespannte Stille. Hier wird leise gemurmelt, dort stellt die Wirtin sachte ein Bierglas auf den Tisch. Alle starren sie wie gebannt auf den kleinen Holzkasten mit den stoffbespannten Lautsprechern, aus dem Hebert Zimmermanns sonore Stimme schließlich über das Rauschen und Kratzen hinwegpeitscht: „Drei zu zwei führt Deutschland fünf Minuten vor dem Spielende. Halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt. Ich glaube, auch Fußball-Laien sollten ein Herz haben und sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft und an unserer eigenen Begeisterung mitfreuen und sollten jetzt Daumen halten.“

Ich habe mich in der Vergangenheit kein einziges Mal des Fußball-Enthusiasmus‘ verdächtig gemacht, das weiß der geschätzte Leser meiner WM-Berichte (Anm. d. Red.: EM, Fechter, EM!!!). Aber 1954 ist etwas anderes. Hier lief weder Werbung für TikTok noch für Coca Cola über die Banden irgendeiner postmodernen Gladiatorenarena, während sich 22 aalglatte Lurche ins Gras warfen. Nein, hier spielten echte Kerle für die Ehre ihrer Nationen. Ungarn gegen Deutschland, der Favorit gegen die Gurkentruppe, David gegen Goliath. Das ist eine Geschichte, die jedem einleuchtet, selbst solchen Sportmuffeln wie mir.

Einen erheblichen Anteil am „Wunder vom Bern“ trägt natürlich der eingangs erwähnte Herbert Zimmermann. Nach heutigen Maßstäben unvorstellbar – oder um es mit Merkel zu sagen: „unverzeihlich“ – ist die Karriere des Reporters, der bis 1942 im Panzer saß und erst über eine Kriegsverletzung beim Rundfunk landete. Aber solche Lebensläufe waren 1954 eher gewöhnlich. „Gewöhnlich“ ist auch das Stichwort zu dieser Zahl der Woche: 2.500 Mark, ein Koffer und ein Fernseher – das war die Prämie eines deutschen Nationalspielers im Schicksalsjahr 1954. Klingt etwas ernüchternd, oder? Natürlich, damals war das nicht wenig Geld und der Fernseher war fast unerschwinglich – kein Wunder, dass die WM ein Radioereignis war. Dank Zimmermann war das aber durchaus zu verkraften. Aber im Vergleich zu heutigen Prämien waren die Geld- und Sachleistungen von damals ein Witz.

Jedenfalls, darauf will ich mit der dieswöchigen Zahl hinaus, bannt uns die WM von 1954 wie kein anderes Fußballereignis, weil wir den Eindruck haben dass es hier um etwas wesentliches ging. Der Ball war rund, das Spiel dauerte neunzig Minuten, der Reporter schwafelte keine politische Scheiße, sondern hielt seine Landsleute in der Heimat auf dem Laufenden, man schwenkte keine Regenbogenflaggen, die Schuhe von Adidas taugten noch etwas und unsere Elf schlug sich, trotz 2:0 Rückstand zum Sieg. Was will man mehr?

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."

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