Quelle: Karen Kondazian, CC BY-SA 3.0, http://www.thewhipnovel.com/blog/?attachment_id=2223

Der wahre CHAD: Lex Barker

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Am 11. Mai 1973 bricht mitten in Manhatten an der Kreuzung Lexington Street Ecke 61. Straße ein Mann zusammen. Passanten eilen herbei, alle Versuche zur Wiederbelebung scheitern. Auch die Sanitäter können nur noch den Tod feststellen. Vielleicht ein Herzinfarkt? Man weiß es nicht. Aber wer ist der Mann? Seine Taschen durchwühlt man vergebens nach Papieren. Auf seiner goldenen Armbanduhr findet man schließlich eine Gravur: Lex Barker.

Wer ist Lex Barker? Ratlosigkeit bei den Passanten. Auf dem Gehweg liegt bloß ein Mann im Anzug. Groß, gutaussehend, mitte 50 vielleicht. Tragisch, aber so ist das Leben. Tage später erst die Gewissheit. Tarzan ist tot. Tarzan? Ja, da war was in den 50ern. Ja doch, Lex Barker, na klar. Lange her, was hat er denn in den letzten Jahren getrieben? In Amerika zuckt man mit den Achseln. Wäre der Mann eine echte Nummer, dann hätte man ihn nicht erst anhand seiner Armbanduhr identifizieren müssen.

Anders in Europa, anders in Deutschland. Hier ist Barker in dem Moment eine Legende, als er 1962 zusammen mit Piere Briece in “Der Schatz im Silbersee“ auftritt. Winnetou und Old Shatterhand. Das ist Magie, selbst heute noch, selbst 58 Jahre nach der Kinopremiere. Als Horst Wendlandt Anfang der 1960er Jahre mit der Verfilmung der Karl May-Romane beginnt, passiert etwas in der Bonner Republik. BRAVO, Hype, kreischende Mädchen. Das volle Programm eben. Na jedenfalls folgen in den nächsten Jahren zahlreiche weitere Filme, in denen Lex Barker als Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi oder Dr. Sternau gegen miese Gauner, skrupellose Unternehmer und aufgehetzte Wilde antreten muss.

Barker war der richtige Mann für die richtige Rolle. Athletisch, gutaussehend und aus reichem Hause, hätte er in Amerika alles erreichen können. Sportler etwa oder Bauunternehmer, wie sein Vater. Für den Kriegseinsatz meldet er sich aus Überzeugung freiwillig und geht fast drauf, zeitlebens trägt er eine Metallplatte im Schädel. Er hat Mumm und zurück in Amerika stehen charmanten Kriegshelden wie ihm alle Türen offen. Die Schauspielerei soll es sein. Barker wird Tarzan und Wildtöter. Als sich aber in den 50ern abzeichnet, dass er im amerikanischen Film keine weitere Zukunft haben wird, geht er nach Europa. Hier weiß man jemanden wie Barker schnell zu schätzen. Groß, blond, “deutscher als alle Deutschen“. Seine Rolle ist gesetzt, der Erfolg vorprogrammiert.

Lassen wir mal den Starkult und das BRAVO-Gedöns rund um Barker außen vor. Das ist was für kleine Mädchen. Ein paar Jahre später werden die den Beatles hinterhelaufen. Nein, die Rollen von Barker in den Karl May-Verfilmungen, also Old Shatterhand, Dr. Sternau und Kara Ben Nemsi, werden prägend für eine ganze Generation von Jungs. Das ist der entscheidende Punkt. Was die Bengels im Kino sehen, spielen sie in ihrer Freizeit nach. Sie fesseln sich an Bäume, raufen sich, schwören sich ewige Blutsbrüderschaft. Eine ganze Generation verinnerlicht durch die Winnetou-Filme genau die Dinge, auf die es im Leben ankommt: Einen klaren Wertekompass, Freundschaft, Durchhaltevermögen. Jeder weiß: Indianer kennen keinen Schmerz. Und Old Shatterhand, Freund der Apachen, tut das auch nicht.

Wir sind heute ja Filme eines ganz anderen Kalibers gewohnt. Über Winnetou lächelt man müde und blamiert sich schließlich mit einer räudigen Neuverfilmung. Ja klar, man kann von den Kostümen halten was man will, von den kroatischen Apachen, den schwarzhaarigen Perrücken und dem ständigen in-die-Luft-Geballere. Aber Jungs sind solche Sachen egal. Wenn sie die Abenteuer nachspielen, dann wird der kleine Wald hinter der Siedlung zur undurchdringlichen Wildnis, der Bach zum reißenden Strom, das Gartenhaus zum Präriefort. Gewaltige Vorstellungskraft entzündet sich an kleinen Funken. Wer wir heute sind, hat sich in den unzähligen Abenteuern unserer Kindheit entschieden.

Und Barker? Nun, es endet eben, wie es enden muss. Depression, gescheiterte Ehen, lange Nächte und leere Gläser. Zeitlebens bleibt er unzufrieden. Was hätte er alles spielen können? Was hätte er alles erreichen können? Drei Tage nach seinem 54. Geburtstag hört sein Herz auf zu schlagen, mitten im Trubel von Manhatten. Ein einsamer Tod in der Fremde. Dort hat man eben andere Helden und andere Geschichten. Das ist in Ordnung. Old Shatterhands wahre Heimat ist hier bei uns in Deutschland.

In loser Reihenfolge stellen wir die wahren CHADS vor. Helden, Einzelgänger, Krawallmacher, ganz egal. Echte Männer eben. Echte Alphas, echte CHADs. Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, dann werfen Sie doch mal ein Blick in unser Magazin. Da gibt’s noch viel mehr von dem Stoff!

2 Comments

  1. Nichts gegen Männer, die kämpfen möchten.

    Aber es dauert etwas, bis man begreift, dass der verwundbareste Punkt gar nicht unbedingt der eigene Körper ist. Und während der Körper heilt, heilen die schweren psychologischen Traumata nicht oder nur sehr langsam (Epigenetik ist ein Fluch und ein Los und eine große Chance), also denkt ja nicht, ihr könntet über diesen Punkt hinwegsehen, weil euch der Überschuss an Kraft missleitet und Eure Sinne trübt.

    Und wenn ihr an dem oben besagten Puntk ankommt, dann hilft ein Trick:

    "Wenn es ganz schlimm wird, und ich glaube, dass ich nicht mehr weiter kann, dann versuche ich es noch schlimmer zu machen.
    Ich zwinge mich, an etwas Schönes zu denken.
    Und wenn ich sicher bin, dass ich es nicht mehr aushalten kann, dann mache ich noch einen Moment weiter.
    Dann weiß ich, dass ich fähig bin, alles zu ertragen."

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