Doppeldenk

4. April 2021
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Aus dem 9. Kapitel von Odin, Nietzsche und der Pfad zur linken Hand.

Weggucken kann uns die Kenntnisnahme von unangenehmen Wahrheiten ersparen. Unangenehme Wahrheiten bringen oft einen Handlungsdruck mit sich – und den wollen wir vermeiden. Deswegen verschlieรŸen Menschen so oft die Augen vor dem Unrecht, das direkt vor ihrer Nase stattfindet.

Die Angst vor der Verantwortung des Mitwissens ist stรคrker als das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Aber was tun, wenn wir das Unrecht bereits wahrgenommen haben? Was wenn die unangenehme Wahrheit bereits in unser Bewusstsein eingedrungen ist? Was wenn wir Mitwisser sind, aber Angst vor den Konsequenzen des Widerstandes haben? Dann bleibt uns nur noch die Abspaltung, das Dissoziieren.

Fehler in der Matrix

Wenn wir wissen, dass das von uns erwartete Verhalten sinnlos oder schรคdlich und damit falsch ist, wir aber bestraft werden, wenn wir uns nicht wie erwartet verhalten, dann mรผssen wir in unserem Geist Schleichwege finden, wie wir unser falsches Verhalten aus Angst vor Strafe mit unserem Selbstbild eines guten Menschen vereinbaren kรถnnen.

Die einfachste Form davon ist, Dinge wissentlich nur zu tun, um ร„rger zu vermeiden und Autoritรคten zufrieden zu stellen. So lange dieser Vorgang dem Individuum bewusst ist, hรคlt sich der Schaden noch in Grenzen. Das Individuum sagt sich zwar, dass es zu schwach oder รคngstlich ist, um gemรครŸ seinen รœberzeugen zu handeln – es ist sich jedoch sowohl des Kontexts als auch der Handlung bewusst und kann das Verhalten bewusst als taktisches Manรถver verbuchen.

Nur weil jemand in einer bestimmten Situation eine Maske trรคgt, muss er noch lange nicht uneingeschrรคnkt an die offizielle Corona-Story glauben. Hier liegt noch keine Abspaltung im engen Sinne vor und der psychische Schaden ist relativ gering.

Dissoziation

Viel schรคdlicher ist Abspaltung im engen Sinne, echtes Dissoziieren. Hier bewegen wir uns im Unterbewusstsein und richten erhebliche Schรคden an. Das Unterbewusstsein ist wesentlich stรคrker als das Bewusstsein – entsprechend schwer wiegen hier Stรถrungen und Schรคdigungen. Unser Unterbewusstsein ist stets darauf bedacht, unseren Selbstwert zu bewahren.

Niemand will sich als schlechten Menschen, als Feigling, als Mitlรคufer, als Schwรคchling sehen. Wenn unser Verhalten allerdings genau das aussagt, wenn wir uns schwach, feige und schlecht verhalten – dann ist unser Unterbewusstsein versucht, genau das auszublenden.

Durch Dissoziierung gelingt es Menschen auch, gleichzeitig an zwei sich gegenseitig widersprechende „Wahrheiten“ zu glauben. Das ermรถglicht Menschen beispielsweise, auf gesellschaftlicher Ebene an die Gefรคhrlichkeit eines Virus zu glauben, sich persรถnlich aber gegenteilig zu verhalten. Durch Abspaltung kรถnnen gleichzeitig staatliche MaรŸnahmen „zum Schutz vor dem Virus“ verteidigt und ganzen Herzens befรผrwortet werden, wรคhrend man sich selbst aber nur dann an die MaรŸnahmen hรคlt, wenn die ร–ffentlichkeit zuschaut.

So vermeidet der Dissoziierende den Konflikt mit dem vorherrschenden Narrativ, ohne sich im Privaten einzuschrรคnken. Es existieren also gleichzeitig zwei sich gegenseitig ausschlieรŸende Wahrheiten in der Psyche des Betroffenen: Das Virus ist sehr gefรคhrlich und rechtfertigt alles, was der Staat sich „zum Schutz der Bevรถlkerung“ einfallen lรคsst – und gleichzeitig ist das Virus ungefรคhrlich und erfordert keinerlei SchutzmaรŸnahmen im Privaten.

Der Nutzwert des Dissoziierens liegt auf der Hand – doch die Nebenwirkung ist fatal: Das abspaltende Individuum verliert seinen Sinn fรผr die Realitรคt und kognitive Dissonanz wird das neue Normal.

Doppeldenk

Kognitive Dissonanz ist praktisch synonym mit Doppeldenk bzw. Doublethink. Wikipedia erklรคrt Doppeldenk wie folgt:

„Doppeldenk (engl. doublethink; in รคlteren รœbersetzungen: Zwiedenken) ist ein Neusprech-Begriff aus dem dystopischen Roman 1984 von George Orwell und beschreibt eine Art widersprรผchlichen Denkens, von dem gesagt wird, dass zu seinem Verstรคndnis Doppeldenk selbst die Voraussetzung bilde.

Durch dieses propagierte Denken, bei dem zwei widersprรผchliche oder sich gegenseitig ausschlieรŸende รœberzeugungen aufrechtzuerhalten und beide zu akzeptieren sind, setzt die herrschende Kaste die Gesetze der Logik auรŸer Kraft. Dadurch wird das Denken der Parteimitglieder schwammig und in Zweideutigkeit gehalten, wodurch schnelle Kurswechsel des Regimes auf eigentรผmliche Weise sofort akzeptiert werden kรถnnen, auch wenn es sich dabei um das genaue Gegenteil der zuvor noch โ€žgรผltigen Wahrheitโ€œ handelt, etwa bei abrupten Wechseln der Feindbilder oder der politischen Losungen.

Das schlieรŸt mit ein: Absichtlich Lรผgen zu erzรคhlen und aufrichtig an sie zu glauben; jede beliebige Tatsache zu vergessen, die unbequem geworden ist, und dann, falls es wieder nรถtig ist, sie aus der Vergessenheit zurรผckzuholen; so lange wie nรถtig die Existenz einer objektiven Realitรคt zu leugnen und gleichzeitig die Realitรคt zu akzeptieren, die man verleugnet.“

Was dem abspaltenden Individuum psychische Entlastung in der Gegenwart verschafft, zerstรถrt seine Zukunft – und die Zukunft seiner Mitmenschen. Doppeldenk zerstรถrt die Fรคhigkeit, sich auf seinen eigenen Verstand zu verlassen und macht das doppeldenkende Individuum abhรคngig von einer Autoritรคt, die ihm sagt, welche Wahrheit wahr und damit maรŸgeblich fรผr sein Verhalten ist.

Langfristig zerstรถrt Doublethink so das Leben des Einzelnen – und die Gesellschaft, in der die Abspaltung Alltag und die kognitive Dissonanz das neue Normal wird. Umso mehr Menschen in einer Gesellschaft ihre geistige Gesundheit derart zerstรถren, desto normaler wird der Wahnsinn und desto grรถรŸer wird der Anpassungsdruck, der auf die verbleibenden geistig gesunden wirkt.

Wenn die Mehrheit geisteskrank ist, wird sie unter demokratischen Verhรคltnissen mittels ihrer Mehrheit die Krankheit zur Gesundheit und die Gesundheit zur Krankheit umdeuten. So entsteht und verfestigt sich dann eine Gesellschaft, in der man geisteskrank sein muss, um akzeptiert zu werden. Dieser Prozess ist im Deutschland der Gegenwart bereits weit fortgeschritten.

Doppeldenk und Narzismus

An dieser Stelle ist es wichtig, den Zusammenhang zwischen Doppeldenk und Narzissmus zu verstehen. Sowohl auf Seite des Narzissten als auch auf Seite seiner Opfer ist Doppeldenk essentiell. Dem Narzissten selbst ermรถglicht es, gleichzeitig unfehlbar und fรผr die Fehler, die er macht, nicht verantwortlich zu sein.

Dem Narzissmus-Opfer ermรถglicht Doppeldenk, sich gleichzeitig als unschuldiges Opfer zu sehen und dem Narzissten seinen Machtmissbrauch nachzusehen. So kann der Narzisst sein zur รœberkompensation seines Minderwertigkeitsgefรผhls aufgeplustertes Ego aufrechterhalten und das Narzissmus-Opfer kann dem Druck entgehen, sich krรคftezehrend aus der zwar kranken, aber immerhin gewohnten Missbrauchsbeziehung frei zu kรคmpfen.

Beide Seiten vermeiden mittels Doppeldenken also Verantwortung und schรผtzen ihr Selbstwertgefรผhl. Eine verfรผhrerische Kombination.

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