Hat dein Leiden einen Sinn? – Predigt zur Passionszeit und Karwoche

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Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind und hilft denen die ein zerschlagenes Gemüt haben“ Ps. 34,19

Der Mensch heutzutage leidet. Besonders der konservative oder libertäre Mensch. Er leidet an hohen Steuern, an der Angst vor Enteignung, an der Umwälzung der Werte, an einer Politik die in seinen Augen absolut fehlgeleitet ist und an vielem mehr.

Von daher müsste ihm ein zentraler Aspekt der Passionszeit sehr vertraut sein, denn Passion kommt vom lateinischen „passio“ was nichts anderes als Leiden bedeutet. Allerdings geht es in der Passionszeit nicht hauptsächlich um unser Leiden, sondern um das Leiden Jesu.

Man könnte nun fragen: „Was hab ich mit den Leiden dieses antiken Zimmermansohnes zu tun, ich hab schließlich selbst genug zu leiden?“ Aber genau hier ist der springende Punkt: Durch das Leiden von Jesus Christus bekommt unser Leiden einen Sinn und eine Perspektive. Es bekommt eine Hoffnung.

Der christliche Glaube nimmt das Leiden sehr ernst. Im Gegensatz zu Muslimen glauben Christen an einen Gott der selbst gelitten hat. Gott ist im Christentum kein weit entferntes Wesen, dass durch nichts affiziert werden kann, sondern er wurde in Jesus Christus Mensch.

Er litt, wie wir leiden und starb wie wir sterben. Er erlebte ein ungerechtes politisches System und wurde sogar das Opfer eines Justizmordes inklusive Folter und öffentlichem Hass. Wir haben es also mit einem Gott zu tun der dies alles verstehen kann, weil er es selbst erlebt hat.

Doch der Tod von Jesus Christus war mehr als eine historische Ungerechtigkeit. Der Mann, der sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, starb nicht nur wegen dieser schlechten Welt, sondern gerade für diese schlechte Welt mitsamt ihren schlechten Menschen. Sein Leiden war sinnvoll, weil in diesem Leiden die Möglichkeit eröffnet wurde, dass wir alle Anteil bekommen an einem ewigen Leben ohne Leiden.

Dies ist der Gedanke um den es in der Karwoche geht: Das Sühneleiden Jesu Christi. Sühne bedeutet, dass Jesus mit seinem Leiden die Strafe für eine Schuld bezahlt. Für unsere Schuld.

Dem Konservativen müsste der Schuldbegriff eigentlich vertraut sein. Wenn es ein Königreich gibt, dessen Bewohner er ist und das einen würdigen, gerechten und fähigen König hat, dann lädt er Schuld auf sich, wenn er die Gesetze dieses Königreiches bricht.

Gott ist durch seine Beschaffenheit als allmächtig, allweiße und allgütig durch Fähigkeit und Würde der natürliche König der Schöpfung und hat auch deren Gesetze eingerichtet: sowohl physikalische als auch moralische. Da der Konservative sich der moralischen Unvollkommenheit der Menschen und damit auch seiner selbst bewusst ist, gesteht er ein vor diesem gerechten König nicht gerecht dazustehen, also schuldig gegenüber ihm zu sein.

Dem Libertären muss der Schuldbegriff vielleicht anders nahegebracht werden. Wenn es jemanden gibt der alles aus dem nichts aufgebaut hat müsste ihm dann nicht das Werk seiner Hände gehören?

Wenn er nun Leute anstellt um sein Eigentum zu bepflanzen und zu bewahren und Regeln auf seinem eigenen Grundstück aufstellt und diese Regeln werden von vorne bis hinten nicht eingehalten und die Arbeitsverträge gebrochen, wird dann nicht das Recht dieses Self-made-Gottes gebrochen? Hat er nicht ein Recht auf Schadenersatz für alles was die Menschen der Schöpfung und sich gegenseitig zufügen?

Es braucht also Strafe für Schuld und Bezahlung für Schaden. Da der Mensch gegen Gott ohnehin weder moralisches noch physisches Eigentum anführen kann und die Strafe für das Übertreten der Gebote des ewigen und perfekten Gottes ein ewiger Tod wäre, braucht er jemanden mit einem vollen Konto und ewigem, unendlichem Leben der mit diesem für ihn bezahlt.

Dafür kommt natürlich nur einer infrage: Gott selbst bezahlt in Jesus mit seinem Leben für uns Menschen. Er leidet aus Liebe für uns, damit wir nicht kriegen was wir verdienen, sondern Teil seines kommenden Reiches werden können, in dem es weder Trauer, noch Leiden gibt. Darum geht es in der Karwoche und in der Passionszeit.

Bleibt noch eine Frage: Was hat das mit uns zu tun und mit unserem Leiden? An der Stelle kommt der Glaube ins Spiel. Nur wer die Sühnetat Jesu für sich in Anspruch nimmt und daran glaubt, dass er für unsere Sünden gestorben ist dessen Schuld wird effektiv dadurch vergeben.

Darum gehört zur Passionszeit auch unser Leiden und unser „zerbrochenes Herz“, weil wir uns unserer Sündhaftigkeit, unserer Schuld und unserer Errettungsbedürftigkeit erinnern. Wir sehen einen Sinn im Leid unseres Lebens, weil es uns darauf hinweist, dass diese Welt nicht alles ist, dass sie mangelhaft und vergänglich ist und wir mit ihr.

Gleichzeitig bekommen wir aber auch Hoffnung und Perspektive im Leid, weil wir wissen, dass unsere Schuld bezahlt wurde und diese schlechte Welt nicht die Endstation ist, sondern wir uns im Glauben auf das kommende Reich Gottes, eine Welt ohne Leid und Übel freuen dürfen. Im Reich Gottes gibt es einen gerechten und fähigen König und keine Steuern. Warum sollte man sich das entgehen lassen?

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