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Der Layla ihre Metaebene

19. Juli 2022
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Um an Layla vorbeizukommen mรผsste man sich wohl in ein georgisches Kloster oder den sรผdamerikanischen Dschungel zurรผckziehen. Kein Mobiltelefon, kein Internetz, kein Radioempfang. Leider keine Option fรผr uns Redakteure und kurz vor dem letzten Wochenende kam es dann, wie es kommen musste: Die Gretchenfrage โ€žWie hรคlst Du’s mit Laylaโ€œ entfachte in der Redaktion beinahe eine handfeste Auseinandersetzung. Damit das direkt klar ist: Natรผrlich sind Malle-Hits degenerierter Abfall, aber wir werden im Laufe des Artikels noch feststellen, dass selbst diese Gewissheit auf einem sandigen Fundament steht.

Die kulturpolitische Elite der Bundesrepublik hat sich spรคtestens seit dem propagandistisch inszenierten Auftritt des Travestiten Thomas Neuwirth auf dem Eurovision Song Contest 2014 offen zum Kulturmarxismus bekannt. Was noch an persรถnlicher Scham bestand, was als gesellschaftliches Tabu das jahrzehntelange Dauerfeuer aus Pornographie und โ€žSex-sellsโ€œ-Logik รผberstanden hatte, wird seitdem endgรผltig eingerissen. Eine klebrige Mischung aus exzessiver Zuschaustellung von Perversion und verbissener Humorlosigkeit beherrscht seit Jahren den kulturpolitischen Betrieb. Wer hรคtte es vor noch zehn Jahren fรผr mรถglich gehalten, dass die Art, wie wir sprechen und schreiben (und damit natรผrlich auch denken) einem matriarchalen Diktat unterworfen wird? Wer hรคtte einem Zeitreisenden geglaubt, dass es bald ein drittes Geschlecht geben wรผrde? Es ist, als ob eine Rakete ihre nรคchste Stufe gezรผndet hรคtte. Aber statt rauf, geht es runter. Akzelerierende Degeneration, sozusagen.

Es sind verrรผckte Zeiten und der Verfallsprozess ist nicht leicht in Worte zu fassen. Auch aus diesem Grund hat sich das Meme etabliert. Hier lรคsst sich noch als popkulturelles Gleichnis das ausdrรผcken, was auf anderem Wege nicht mehr artikuliert werden kann. Kein Wunder also, dass die Meme-Kultur in erheblichem MaรŸe von rechter und reaktionรคrer Ideologie geprรคgt ist.

Und es war dann auch eine Meme, an dem sich die Meinung unserer Redaktion spaltete. Denn lรคsst sich der Streit rund um Layla wirklich so leicht mit dem beliebten โ€žIQ Bell Curveโ€œ-Meme ikonisieren? Reichen sich hier wirklich der Low-IQ-Partypรถbel und der reaktionรคre Einsiedler รผber den kreischenden Midwitt hinweg die Hรคnde? Feiert der Eine also in Ruhe seine Fete und der Andere seinen metapolitischen Erfolg? Ist das Abfeiern eines obszรถnen Schlagers รผberhaupt ein Erfolg? Oder mรผssten die Rollen nicht eher vertauscht werden โ€“ gebt dem Low-IQler blaue Haare und lasst den Midwitt weinen, weil man ihm seine geliebte Party versauen will.

Ja, wahrscheinlich muss man einen am Keks oder im Tee haben, um diese Debatte derart aufzuladen โ€“ aber hey, genau dafรผr sind wir da! Ein Teil der Redaktion pflegte am Wochenende deutsches Brauchtum, lieรŸ sich also im Bierzelt volllaufen und hรถrte โ€“ sehr, sehr oft โ€“ Layla. Warum auch nicht? Deutsches Liedgut dreht sich nicht erst seit diesem Sommer um Schweinekram, und da nimmt sich der Text von Layla noch nicht mal so viel heraus.

Die Sache ist die: Wir Deutschen sind ein komisches Volk. Wir machen in der Regel alles, was man uns sagt โ€“ vor allem dann, wenn es zu unserem Schlechtesten ist. Das zeigt die Migrationspolitik, die Energiepolitik, die Europolitik, die Coronapolitik sowieso. Die meisten Leute, die laut Layla grรถlen, haben das alles entweder aktiv oder passiv mitgetragen. Aber mit dem angedachten Abspielverbot des Liedes wurde dann einer dieser undefinierbaren Grenzen รผberschritten. Plรถtzlich ist dagegen sein wieder cool. Der DJ wird zum Einpeitscher. Seht her, wir lassen uns nichts verbieten.

Damit kommt Layla eine Ventil-Funktion zu: Was sich an ร„rger im Zuge der letzten Jahre oder an ร„ngsten mit Blick auf die nรคchste Zeit angestaut hat, das kann bei wummenden Boxen endlich herausgebrรผllt werden. Wir sind jetzt in den seichten Gewรคssern der „Staatsdelegitimierung“ angekommen. Da landet man dieser Tage schnell, denn dafรผr sorgt die Ampel-Koalition vehement. Sie hat dafรผr auch ihre guten Grรผnde, denn anders, als mit massiver Repression, lรคsst sich die angestrebte Transformation der restdeutschen Gesellschaft hin zur klimaneutralen, durchgeimpften und geschlechtsfluiden Verfรผgungsmasse nicht bewerkstelligen. Das ist ein Thema, dass sich in den Bierzelten der Republik bei steigendem Alkohol- und konstantem Lรคrmpegel erรผbrigt. Es ist heiรŸ, da soll man viel trinken. Jaja, die Layla – ungeimpft noch geiler…

Warte, was?

Was?

Ach, nichts.

ABOS

Bรผcher

SPIELE