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Sechs Freunde sprengen Nord Stream

15. Mรคrz 2023
in 2 min lesen

Wisst Ihr noch, wie in den Medien vor einem halben Jahr schnell die Rede davon war, nur ein staatlicher Akteur wรคre in der Lage gewesen, die Nord-Stream-Pipelines zu sprengen? Tja, offenbar tunโ€˜s auch sechs mit niemandem von Bedeutung verknรผpfte Leute auf โ€˜ner kleinen Segeljacht. Was man nicht alles als Normalsterblicher so schaffen kann, und das ohne irgendwelche strafrechtlichen Konsequenzen! Wahrlich inspirierend. Ich spreng am Wochenende dann mal eben den dicken fetten Damm von den Chinesen. Hat zufรคllig jemand noch was von Silvester รผbrig? Das Tischfeuerwerk langt, legt mir einfach mal ein paar Knallerbsen und einen Ladyknaller zur Seite, und schwupps kriegen die blรถden Hundefresser nasse FรผรŸe. Oder kennt ihr noch diese knisternden grรผnen โ€žPower Ballsโ€œ, das wahrscheinlich Beste aus dem โ€žAb 14โ€œ-Feuerwerk? Eine Google-Suche verrรคt mir aber, dass die Firma Keller, die sie herstellte, leider bereits Pleite gemacht hat.

Sechs Freunde auf einem Bรถtchen sind also verantwortlich dafรผr, die betonummantelten Pipelines im Wert von an die 20 Milliarden Euro unbemerkt in 70 bis 80 Metern Tiefe gesprengt zu haben, um anschlieรŸend ein halbes Jahr lang damit davonzukommen. Ob Timmy der Hund auch seine Pfoten mit im Spiel hatte, bleibt ungewiss. Die Nationalitรคt der Tรคter ist unbekannt. Die einzige nรคhere Information zu ihnen, abgesehen von ihren Rollen in der Crew (bestehend aus zwei Tauchern, zwei Tauchassistenten, einem Kapitรคn und einer ร„rztin), ist, dass sie zwar pro-ukrainisch gesinnt, aber nicht in Kontakt mit ukrainischen Regierungsvertretern sein sollen.

Verhaftet wurde, eigenartigerweise, noch niemand. Anderthalb Tonnen Sprengstoff haben die Lausbuben dafรผr stibitzt und durch Polen und Deutschland gefahren, bevor sie von Rostock aus auf der โ€žAndromedaโ€œ damit in See stachen. Der Rest ist Geschichte, so die US-Geheimdienste, die vergangene Woche, also genau einen Monat nach Seymour Hershs Enthรผllungsstory, ihre eigene Version der Geschehnisse verรถffentlichten. Ob ein Zusammenhang damit besteht, dass gerade erst einer der bekanntesten Investigativjournalisten der Welt ihre Regierung bezichtigte, in Zusammenarbeit mit Norwegen diesen Terroranschlag auf die zivile Infrastruktur ihrer eigenen Verbรผndeten durchgefรผhrt zu haben, ist natรผrlich unklar. Sagen wir so: Der beste Look ist diese zeitliche Abfolge nicht.


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Im โ€žFocusโ€œ debunkt man unterdessen eine Beteiligung Amerikas wie auch der Ukraine an den Sprengungen mit demselben Argument: Eine solche Aggression hรคtte die Zusammenarbeit mit Deutschland zu sehr gefรคhrdet. Zack, Akte geschlossen, die Russen waren es: โ€žDenn nun ist klar: Wenn [s]ie in der Lage sind, ihre eigene Pipeline in die Luft zu jagen, dann kรถnnen sie das auch mit anderen Pipelines machen โ€“ beispielsweise mit der โ€šBaltic Pipeโ€˜, die norwegisches Gas nach Polen transportiert.โ€

Wir halten es also auch sechs Monate spรคter immer noch mit der These: โ€žSchieรŸ dir selbst ins Bein, damit der Feind weiรŸ, dass du des SchieรŸens fรคhig bist.โ€œ Dabei sehen wir hier recht anschaulich genau das Szenario, welches Leute wie ich fรผr den Fall einer amerikanischen Tรคterschaft damals schon vorgezeichnet haben: An der harmonisch geeinten Front gegen den Iwan dรผrfen bei der Allgemeinheit keinerlei Zweifel aufkommen, also belassen wir es bei stรผmperhaften Scheinversuchen, den Tรคter zu ermitteln (wie vor fรผnf Monaten, als die Bundespolizei bei ihrer Untersuchung des Tatorts geeignetes Tauchequipment vergaรŸ und einfach wieder nach Hause schipperte), einer Menge Rumgedruckse und Mahnungen, keine MutmaรŸungen anzustellen, und letztlich dann eigenen MutmaรŸungen darรผber, dass die Russen es waren, grรถรŸtenteils basierend darauf, dass die Amis dafรผr viel zu nett sind.

Daher will ich zuletzt noch einmal folgende Frage in den Raum stellen: Was ist wahrscheinlicher: dass der brisanteste Sabotageakt seit dem Zweiten Weltkrieg westlichen Militรคrs und Sicherheitsbehรถrden einfach so durchgeflutscht ist und fรผr sรคmtliche Geheimdienste daraufhin ein halbes Jahr lang nicht zu lรถsen war, bis man auf die sechs Freunde und ihre Jacht stieรŸ (obwohl es in Wirklichkeit aber dann doch wieder die Russen waren), oder dass man intern sehr wohl schon lange Bescheid weiรŸ, wer hinter dem Anschlag steckt, man es uns aber nicht sagen will, weil die Antwort, mit de Maiziรจre, โ€ždie Bevรถlkerung verunsichernโ€œ kรถnnte?

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