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Mein Gott! Nicht doch!

22. Oktober 2019
in 11 min lesen

Unser Autor Hubert Döring hat sich Gedanken über Gott und Religion gemacht. Hat eine Macht im Staat seine Berechtigung? Warum kann man eine Kirche gebrauchen? Was verlangt sie und was gibt sie? Was bedeuten eigentlich die täglichen Begriffe, die man ohne nachzudenken verwendet?

Wenn der Herbst sich einstellt, wenn es trüb wird, wenn der Sommer abgefeiert ist…

…wenn man wegen Dauerregens nicht nach draußen will, sinnierend über dem Rechner hängt…

…und mittels diesem durch die unendlichen Weiten des Netzes streift…

Wenn man dabei noch das Glück hat nicht in einen Fluss zu geraten der nur dahin führt, sich durch lustige youtube Videos die Laune aufzuhellen…

…sondern sich stattdessen an den Wunsch zur eigenen Vervollkommnung, zur Schließung von Wissenslücken erinnert…

Klick!

Was ich immer schon mal fragen wollte…

Was ist der exakte Unterschied zwischen einem säkularen und einem laizistischen Staat?

…und wie verhält es sich eigentlich genau, mit dem Verhältnis eines Staates – zu den in ihm praktizierten Religionen?

Vor dem Rechner sitzend, habe ich zur Linken immer noch ein Lexikon parat…

Der Brockhaus erklärt: „Säkularisation: 1.) Verweltlichung, 2.) Verstaatlichung des geistlichen Besitzes.“

Na, Gott sei Dank nur des geistlichen, nicht des geistigen Besitzes…

(Die Hoheit über geistigen Besitz zu haben, wäre für Regierende schon recht praktisch…

Nun kann man aber geistigen Besitz nicht über Steuern abschöpfen – und auch sonst schlecht rauben. Aus dieser Erkenntnis heraus können Machthaber zu dem Schluss kommen, in den Erwerb von Wissen dergestalt eingreifen zu müssen…

…dass ausschließlich ihnen genehmes Wissen vermittelt wird.

Das vermindert zwar die Wissensmenge insgesamt, ergibt für sie aber wenigstens einen kommerziellen Nutzen…

…weil sich für einen Zeitraum von nicht gerade 1000, aber von immerhin 12 oder auch mal 40 Jahren, ihre Anhängerschaft erhöht…)

Zu „Laizismus“ finde ich im Brockhaus nur die Erklärung „Laienkultur (kath. Kirche).“.

(Der Brockhaus war die „Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände.“ So ein Ding aus Papier, zum Blättern…

…gibt’s nicht mehr neu zu kaufen, alte Exemplare können aber vererbt werden!)

Bei der Nutzung eines Onlinelexikons fehlt mir das Haptische, die Sinnlichkeit des Blätterns – Informationen finde ich aber auch hier. Wikipedia: „Als Säkularisation wird ursprünglich die staatliche Einziehung oder Nutzung kirchlicher Besitztümer (Land oder Vermögen) bezeichnet.“…

…„Im engeren Sinne versteht man darunter die Säkularisation während des napoleonischen Zeitalters“

…„In einem weiteren Sinn versteht man unter Säkularisation allgemein die Abwendung von der Religion und von religiösen Werten als gesellschaftliche Entwicklung; dafür ist jedoch die Bezeichnung Säkularisierung üblich.“.

…und der Verweis zu „Säkularisierung“ bringt noch etwas über die Wortherkunft: „von lateinisch saeculum ‚Zeit‘, ‚Zeitalter‘; auch: ‚Jahrhundert‘“.

Formulierungen wie „ursprünglich“, „im engeren Sinne“, „in einem weiteren Sinn“, offenbaren mir Schwammigkeit, fehlende Präzision in der Definition.

…zumal die Wortherkunft keinen Zusammenhang mit einem Handlungsablauf ergibt, sondern bestenfalls das Tempus beschreibt.

Auch zu Laizismus finde ich bei Wiki zunächst etwas Sprachliches: „Laizismus (genauer: Laizität) geht auf das altgriechische Wort λαϊκός laïkós „der Ungeweihte, Laie (im Gegensatz zum Priester)“ zurück.“.

…„Der Begriff laïcité wurde 1871 vom französischen Pädagogen und späteren Friedensnobelpreisträger Ferdinand Buisson geprägt“…

…„Im heutigen Sprachgebrauch beschreibt der Begriff „Laizität“ die religionsverfassungsrechtlichen Modelle, denen das Prinzip strenger Trennung zwischen Religion und Staat zugrunde liegt. In einigen Staaten ist der Begriff „Laizismus“ inzwischen in der Verfassung verankert.

…„Laizismus ist ein Verfassungsprinzip. Religion ist ausschließlich Privatangelegenheit, woraus folgt, dass Religion nicht nur keine staatliche, sondern auch keine öffentliche Funktion hat.“

Die Beschreibung des Laizismus empfinde ich, trotz der Formulierung „im heutigen Sprachgebrauch“, als präziser gegenüber dem Säkulargedöns.

„Laizismus“ ist mir, im Zusammenhang mit der französischen Verfassung, auch schon mal untergekommen…

Wiki tut kund: „Im heutigen französischen Verständnis ist Laizismus zu einem politischen Ideal geworden, das die Grundsätze der Neutralität des Staates gegenüber den Religionen, deren Gleichbehandlung sowie die Glaubensfreiheit zum Ziel hat.“

Kann es wirklich eine Neutralität des Staates gegenüber Religionen geben?

Zu den Religionen die wir kennen?

Zu den Religionen, mit denen wir täglich konfrontiert werden?

Ist „Neutralität“ gleichbedeutend mit „gewähren lassen“?

Was ist überhaupt eine Religion?

Bei Wikipedia findet man unter diesem Stichwort, ausdrücklich auch als solche bezeichnet, nur „Versuche“ zu einer Definition…

Um eine eigene Definition, kurz und knackig, habe ich mich schon öfters bemüht. Irgendwie leide ich bei diesem Thema aber an Wortfindungsstörungen…

…aus denen mir auch mein Brockhaus nicht heraushilft. Unter Religion finde ich darin „1) das Verhältnis des Menschen zu Gott. 2) Glaube, Glaubensbekenntnis … “

Immerhin bringt mich der Brockhaus zum Schmunzeln, weil direkt unter „Religion“ „Relikt“ zu finden ist, mit der Erklärung „Überbleibsel, Rest“…

Der Bezugspunkt einer Religion ist ein Glaube – und ihre Aufgabe mit „Lebenshilfe“ wohl am besten beschrieben.

Der Gläubige erkennt eine imaginäre Ma
cht an – und unterwirft sich dem dieser Macht unterstellten Willen.

Daraus ergeben sich für den Gläubigen zu beachtende Verhaltensweisen. So circa zehn Gebote, oder auch noch ein paar mehr…

Gebote, welche in ihrer Mehrzahl nichts anderes darstellen, als Vorgaben zum persönlichen Verhalten…

Das Entwickeln einer Religion ist eine kulturelle Leistung, welche auf Erfahrungswerten des Lebens – und des Zusammenlebens, beruht. Genau in diesem Punkt liegt das Konfliktpotential zu einem Staat, der ja seine eigene, weltliche Gesetzgebung betreibt, also die ihm eigenen Verhaltensvorgaben formuliert…

Die Lebenshilfe einer Religion besteht zwar auch darin, sich selbst eine Erklärung für unbeantwortbare Fragen geben zu können; oder darin, in ausweglosen Situationen Trost schöpfen zu können, oder auch…

…aber in der Praxis besteht Religion aus dem Ausleben gebotener Verhaltensweisen, welche zwar transzendent begründet sind, aber eben im Hier und Jetzt stattfinden!

Das „Hier und Jetzt“ läuft öffentlich ab – womit der dem Laizismus innewohnende Wunsch, Religionen keine öffentliche Funktion einräumen zu wollen, sich schon erledigt hat!

Man kann dazu einwenden, dass die Verbindung einer Religion zur Öffentlichkeit rein visueller Natur sein kann, zum Beispiel durch das Tragen ulkiger Kopfbedeckungen – und dass Religionsinhalte nur selbstbezüglich auf den Ausübenden wirken…

…was aber, wenn Gebote einer Religion mit der Gesetzgebung eines sich säkular oder laizistisch nennenden Staates kollidieren?

Muss ein Staat nicht konsequent gegen alles vorgehen, was im Widerspruch zu seinen eigenen Regeln steht?

Müsste „Religionsfreiheit“ für einen Staat nicht heißen, sich „frei von Religionen“ zu halten?

Welchen Wesenskern hat denn ein Staat? Doch den Willen zum eigenen Werden – und dann seinen Selbsterhalt.

(Wenn jemand meint, das gelte für Deutschland nicht…

…dann sage ich: Doch! Gilt! Wie für jeden anderen Staat auch!

Den Nationalstaatsfeinden halt zum Ärgernis – die sich etwas anderes aber nur wünschen dürfen!)

Die Anerkennung von „Werden“ und „Selbsterhalt“ als die Natur eines jeden Konstruktes, lassen keinen anderen Schluss zu, als dass eine Religion innerhalb eines Staates immer auch dessen Gegenspieler ist!

…denn den Wunsch vom Werden und Selbsterhalt trägt nicht nur der Staat, sondern auch eine Religion in sich.

Also: wehret den (zersetzenden) Anfängen?

Wie?

Als Schnittstelle, als Berührungspunkt zur Umwelt betreiben Religionen institutionalisierte Glaubensträger – umgangssprachlich „Kirchen“, bei uns auch „Amtskirchen“ genannt.

Muss der Staat diesen nicht zunächst einmal die Formulierung eines Staatskirchenrechts…

…oder mehr noch, jedes Gespräch und jede Konferenz verweigern?

Das wäre logisch, denn wie könnte man auch Regelungen mit einer Institution vereinbaren, ihr also einen Raum geben, wenn man mit ihr, ganz laizistisch, nichts zu tun haben will?

…und sich zudem auch noch über deren gefährdenden Charakter im Klaren ist?

Das sollte passieren, bevor sich eine Religion ihr eigenes Kirchenrecht verpasst…

…(was mit den großen Volksreligionen in unserem Land natürlich nicht funktioniert, weil, wie gerade gelernt, bei uns eine „Säkularisierung“ abläuft – und keine Neugründung betrieben wird…)

Das Beispiel unserer Kirchen zeigt aber auf, dass der Ärger mit ihnen um so größer wird, je mehr ein Staat deren eigenes Kirchenrecht, innerhalb seiner selbst, akzeptiert…

Ärger, zum Beispiel durch kircheneigenes Arbeitsrecht, oder durch eigenmächtiges gewähren von Kirchenasyl…

…oder…

Mir fallen da bestimmt auch noch mehr Dinge ein…

Mit Religionen die ihr eigenes, für ihre Mitglieder bereits verbindliches Recht, in einen bestehenden Staat einschleppen, wird es für diesen aber noch konfrontativer…

„Säkularisierung“ ist eine Entwicklung. Sie bedeutet eine allmähliche Neuordnung, in deren Folge es auch zu einer Aufspaltung einer einstmals geistig homogenen Volksgemeinschaft kommen kann…

Man kann aber davon ausgehen, dass auch in einer Phase der gesellschaftlichen Neuorientierung, selbst bei einer kommenden Spaltung, der ursprünglich für die Gesamtheit geltende Verhaltenskodex weiterhin ein hohes Maß an allseitiger Zustimmung findet…

(Als Beispiel aus vorsäkularer Zeit fällt mir dazu die Trennung von Katholiken und Ketzern ein. Beide berufen sich noch heute auf die Bibel – und lehren die gleichen Gebote…)

…während ein eingeschleppter Glaube, schlimmstenfalls, über keinerlei gemeinsame Inhalte mit der Lebensordnung des Staates verfügt…

…was zur Folge hat, dass…

Ich sehe Konfliktherde aber nicht nur im Bereich des Umgangs der Staatsbevölkerung miteinander, im Bereich des Rechts…

…welches zwischen dem eines säkularen oder laizistischen Staates und dem von Glaubensgemeinschaften differiert.

Die in Deutschland praktizierten Religionen stammen alle, mit Ausnahme von Geschäftsmodellen wie Scientology, aus der Zeit vor dem, was wir heute „Aufklärung“ nennen.

Lange her…

Es begab sich zu einer Zeit…

…da Sachverhalte noch mit Gleichnissen erklärt wurden…

…mittels einer Bildsprache gearbeitet wurde, welche auch Schreibunkundigen verständlich war…

…einer Zeit, in der das Abstraktionsvermögen noch nicht sehr ausgeprägt war!

Ewig ist es her!

Wie muss man heutzutage mit einer Institution umgehen welche versu
cht glauben zu machen, dass Wein zu Blut werden kann?

…oder, dass eine Hostie aus Mehl und Wasser womöglich nichts für Vegetarier ist?

Ich habe in der Kirche schon aus dem Kelch getrunken und bin mir sicher, da war Wein drin – nichts Gewandeltes! Bei meinen Geschmackstests nahm ich eindeutig vergorene Trauben – und nicht die Grundsubstanz von Blutwurst wahr!

Leute, die schon öfters mal „gewandelten“ Wein probiert haben – und dabei offensichtlich zu einem anderen Schluss kamen als ich…

…und die ihren Zuhörern eine Veränderung des getrunkenen Rebensaftes jeden Sonntag aufs Neue versichern…

…sind entweder wahrnehmungsgestört – oder behaupten bewusst etwas Falsches, führen also Unlauteres im Schilde!

Wahrnehmungsstörungen lassen sich durch einen guten Therapeuten vielleicht behandeln…

Machtstreben jedoch, der Wunsch die Hoheit über andere zu besitzen, leider nicht…

Nicht behandelbar dürften auch Fälle sein in denen jemand daran glaubt, dass in einem Paradies zweiundsiebzig, teils durchscheinende, Jungfrauen auf ihn warten würden, just nachdem er sich mittels Sprengstoff atomisiert hätte…

Eine Gesundung der von so etwas betroffenen Gehirne kann man wohl noch nicht einmal erhoffen…

…therapieresistent!

Ich kann dem Glauben an ein solches Paradies nicht verfallen, weil ich lesen kann…

Dass „das Mark der Knochen ihrer Beine durch die Knochen und das Fleisch hindurch sichtbar sein wird“ hört sich für mich nicht verlockend an…

…selbst dann nicht wenn mir suggeriert wird, dass der „Penis der Auserwählten nie erschlafft“…

Diese Vielzahl von transluzenten Geschöpfen stellt für manch anderen aber eine unwiderstehliche Verlockung dar…

Der Glaube an eine geile Zeit mit ihnen kann so wirkmächtig sein, dass Mann dafür in Kauf nimmt, freitags regelmäßig an Arschritzen riechen zu gehen…

Man könnte jetzt sagen „jedem Tierchen sein Pläsierchen“ – aber da war doch noch die Sache mit dem Selbsterhalt des Staates…

Die Fragen, welche sich aus der Vermittlung des Glaubens an wahnhafte Bilder ergeben sind die…

…ob das Gewähren von Religionsfreiheit nicht gleichbedeutend ist – mit einer Genehmigung zur Volksverblödung?

…und, ob es im Eigeninteresse eines Staates sein kann, (wissenschaftlich erarbeitete) Erkenntnis durch einen Hokuspokus zu ersetzen?

Ich fordere Intelligenz ein!

Durch die gelebten Folgen der Aufklärung gibt es in Europa kein „heiliges“ (römisches) Reich mehr…

…sondern säkularisierte Staaten.

Bei allen staatlichen Auf- und Ablösungen, bei Neuordnungen, Separierung oder Zuführung von Religionen, betrachten wir Machtverschiebungen…

…wir erkennen Interessen – und den Machtgewinn von Einzelpersonen…

…welcher gestützt wird vom Glauben der Vielen an eine „Verbesserung“…

…und zwar genau der Gruppe der „Vielen“, welche nicht über eine individuelle, sondern nur über Schwarmintelligenz verfügt!

Schwarmintelligenzler mittels eines Kults für sich gewinnen zu wollen, ist sichtbarer Ausdruck eines Machtbegehrens!

Wenn man Religionen dementsprechend als „Macht“, innerhalb eines Gemeinwesens betrachtet, als Antagonisten zu weltlichen Instanzen…

…dann stellt man fest, dass sie sich von anderen nach Macht strebenden nicht in ihrer Methodik unterscheiden, sondern nur darin, von wem sie ihren Herrschaftsanspruch ableiten…

…und mit der Berufung auf…

…haben Religionen, zumindest derzeit, schlechte Karten: es gibt nämlich immer mehr Menschen die meinen, Gott könnte schon tot sein…

…oder als Gesetzgeber nie existiert haben…

Mit Fegefeuer und Hölle kann man nur so lange drohen – bis man ausgelacht  wird!

Was machen Menschen mit Machtanspruch, wenn sie ihre eigene Position als schwach erkennen?

Probieren zu teilen um wenigstens ein wenig mit zu herrschen?

…und auf bessere Zeiten für sich hoffen?

Sätze streuen wie „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“?

…welche suggerieren sollen, dass eine Koexistenz von Staat und Kirche möglich ist…

…die für mich aber nur Ausflüchte eines in die Enge getriebenen darstellen…

….denn: „Niemand kann zwei Herren dienen“!

Ich tat mich mit dem „Glauben“ immer schwer…

„Wissen“ ist mir lieber – wohl wissend

…das wir Menschen uns schwer damit tun, beides voneinander zu unterscheiden…

Ich bin mir darüber im Klaren, dass auch ich im täglichen Leben auf gesetzte Eckpunkte, auf Behelfswahrheiten, auf Beispiele, Paradigmen, also Glauben, angewiesen bin…

Ich sehe mich selbst aber als wenigstens darum bemüht an, Angenommenes auf seinen (wahren) Kern herunterzubrechen…

…während die Kirche das Gegenteil betreibt, nämlich in voller Absicht Dogmen kreiert, also Glaubenssätze zu Wissen erhebt…

Trotz meines Drangs dazu in Wissen, in „Wahrheiten“ zu leben (hoffentlich stellen sich nicht irgendwann alle als temporär heraus)…

Stand ich der Kirche früher recht wohlwollend gegenüber…

Begründet habe ich mir das selbst mit dem Verweis auf ihre Lebenshilfe, ihre seelsorgerische Tätigkeit…

…welche für schwache Charaktere, die es nicht schaffen sich mit ihrem kommenden Vergehen im Nichts abzufinden…

…wohl notwendig ist.

Ich sah die Kirche auch als ein Instrument an, als ein massenwirksames Regulativ zu einer Staatsregierung…

…welches zur staatlichen Gesetzesfindung, zumindest in Fragen der Ethik, bewusstseinsbildend eingreift…

…denn wo führte es schon hin, wenn eine Regierung frei darüber bestimmen konnte, was moralisch einwandfrei ist?

Aber wie es so ist, wenn man nach wahren Kernen sucht: Nachdenken zerbricht Träume…

Man wird so desillusioniert…

…denn: waren die Kirchen in der Vergangenheit, wenn sie wirklich einmal gefordert waren, tatsächlich Regulativ – oder eher Kollaborateur?

„So gebt dem Kaiser…“

Und wie ist es heute? Existenzangst verleitet zum Schwimmen im Strom. Auch Kirchen!

Was wird in den christlichen Kirchen Deutschlands gepredigt? Mehr als das, was das Volk eh schon weiß, also glaubt?

Was wird von der Kirche unterstütz, wo greift sie ein?

Wer und was wird abgekanzelt?

Ein Regulativ hilft nur in leichten Fällen…

…dort, wo  ein Ausgleich zwischen rivalisierenden Parteien relativ schmerzfrei, also ohne einen größeren Gesichts- und Machtverlust für einen von beiden möglich ist…

Und in schweren Fällen? Wenn sich innerhalb eines Staatswesens Unvereinbarkeiten ergeben?

Wenn kein Glaube diskutiert wird…

…wenn Argumente als Parolen abgetan werden…

…wenn keine Einigung gesucht wird – sondern eine Unterordnung gefordert?

Je konträrer die Positionen, je unversöhnlicher die Protagonisten…

…um so größer ist der Blutdurst der erst gestillt werden muss, bevor…

Wie kam ich auf das Thema? Säkular? Laizistisch?

Wäre es nicht am besten, das ganze Thema Religion zu beerdigen?

Beerdigen?

Ja, von mir aus auch mit Kult…

Mache ich mich mit dieser Überlegung der Blasphemie schuldig?

Wenn mich deshalb jemand vor Gericht bringt, dann hoffe ich darauf, dass er Gott in den Zeugenstand führt!

Das wär mal ein Ding!

Gastautor

Hier schreiben unsere Gastautoren, bis sie sich in unserer klebrigen Mischung aus Hass und Hetze verfangen, und schließlich als regelmäßige Autoren ein eigenes Profil bekommen.

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