Von Sonntag, dem 5. Mai, bis Mittwoch, dem 8. Mai, tagte der 36. Parteitag der CDU. Glaubt man den unter dem Label „Springer“ zusammengefassten Medienorganen der schwarzen Volkspartei, so war das ein unglaublich historisches Event, ja man will regelrecht โ Achtung, festhalten! โ von einem โPolit-Festivalโ sprechen. Ohne Rock โnโ Roll, dafรผr aber auch mit diesen Festivalbรคndchen. Die wurden von den CDU-Menschen zwar nicht lรคssig ums Handgelenk, sondern sehr unlรคssig um den Hals getragen, aber immerhin baumelte an diesen Bรคndchen eine Visitenkarte mit dem entsprechenden Namen.
Jaja, der Name, der ist in der Politik das A und O. Gottvater Kohl soll ja damals, in der guten alten Zeit, ein phรคnomenales Namensgedรคchtnis gehabt haben. Wenn er auf Durchreise war und beim CDU-Ortsverband Dรถdelhausen vorbeischaute (โHeudรค kommt a ganz bโsondrer Gascht!โ), dann soll er ohne zu schummeln die Namen seiner ergebenen Gastgeber heruntergebetet haben (โ…und grรผรen Sie Frau und Kinderโ).
Ach, die heile Welt von damals. Bis โ89 hatte man zwischen sich und den Ossis noch die Mauer, man brauchte nur alle paar Jahre das Scheckbuch zu zรผcken, damit Honeckers Trรผmmerladen nicht mit unabsehbaren Folgen zusammenbrach. Die Linken lieร man machen, die wurden hรถchstens Uniprofessoren, Lehrer oder Kindergรคrtner โ also eh nichts Richtiges. Und aufs Sparbuch gab es noch satte Zinsen. Im Freibad hingen himmelblaue Werbeplakate von Eskimo-Eis. Was ein Leben! Das hatte man alles dem Kanzler zu verdanken.
Schรถn, oder? Das hรคtte man doch gerne wieder. Und weil der Reaktionismus eines Hans-Georg Maaรen nur ins Jahr 1998 zurรผckreicht, man aber gerne noch mal der Weltmeister von 1990 wรคre, hat sich die CDU von heute (โFรผr Sicherheit und Ordnungโ) etwas ganz Besonderes ausgedacht. Gestatten: Volkmann. Johannes Volkmann. Enkel des Altkanzlers (โDess woa noโn Bollidiger!โ) und nun mit 70,1 Prozent der gรผltigen Stimmen in den Bundesvorstand gewรคhlt. Mit erst 27 Jahren! (โUn du hascht immer noโ nett deiโ Bรคdschela…โ)
Schaut auf diesen Mann, wird man sich also auf dem Parteitag zugeraunt haben, da steht er im vollen Saft seiner besten Jahre. Wie Gott ihn schuf, eine Erscheinung wie August der Starke. Volkmann, Mann des Volkes! Kann man das plakatieren? Hm? Besser nicht? Dann eben wieder โFรผr Sicherheit und Ordnungโ.
Ich bin jetzt im Parteien-Game nicht so drinnen, aber โBundesvorstandโ klingt schon sehr mรคchtig, und obwohl ich in Sachen Namensgedรคchtnis das glatte Gegenteil des seligen Altkanzlers bin, so kann ich mir โJohannes Volkmannโ auch ohne dieses Visitenkartending merken. Man will an einem dieser langen Tische sitzen und brรผllen: โVolkmaaaann! Hu! Hu! Hu!โ Wie damals, im Sportunterricht.
Aber keine Faxen jetzt, wir reden hier immerhin vom 36. Parteitag der CDU, einem historischen Ereignis, da sind Ruhe und Respekt geboten. Und ganz im Sinne der Parteiendemokratie (โDie Partei, die Partei, die hat immer recht…โ) ist es fรผr Otto Normalmichel gar nicht so wichtig, sich mit langweiligem Firlefanz zu beschรคftigen. โVorstandโ, โProgrammโ, … โ das sind solche Begriffe, die lรคsst man fallen und suggeriert allein damit schon Ahnung. Es ist eigentlich wie bei der Geldanlage. Abends beim Grillen (โAh, die Nachbarn, immer herein!โ) mal so lรคssig โETFโ oder โTechโ fallen lassen. Boah, der hat Ahnung.
Bilder, die sind viel wichtiger. Ein paar Bilder, dazu ein paar รberschrifthappen, fertig ist Deutschlands auflagenstรคrkste und meinungsbestimmendste Tageszeitung! Das hier zum Beispiel …
… das sitzt! Der Generalstab stรผtzt sich sorgenschwer รผber die Deutschlandkarte (โSteiner?โ). Linnemann, der โGeneralโ โ man beachte die schelmische Bildunterschrift โ, schaut hoch: โStรถren Sie jetzt nicht!โ (โAber Steiner kann nicht …โ) Auch sehr stark inszeniert die Stabsleute um ihn herum: Wedeln mit den Hรคnden herum, faseln was von โGeht nichtโ und so. Geht nicht gibtโs nicht! Die Wehrpflicht kommt. Basta! Jawohl, Herr General!
Da ist er, der โWehrpflicht-Hammer von der CDUโ! Lieb Vaterland, magst ruhig sein. Es war zwar damals dieser windige Kriegsminister der Schwesterpartei, der die Wehrpflicht aussetzte und Deutschlands Jugend die kollektive Bewรคhrung im flecktarnfarbenen Ehrenkleid verwehrte, aber das waren ja auch alles Luschen. Nach dem Abi nach Australien und dann 500 Semester studiert. Kleben sich jetzt auf die Straรe (โJa, natรผrlich mรผssen wir was gegen den Klimawandel machen, aber doch nicht so…โ) oder schreiben fรผr rechte Dreckblรคtter wie diese โGrauzoneโ. Nee, nee. Johannes Volkmann natรผrlich ausgenommen, der ist ein Guter (โVolkmaaaaaann! Hu! Hu! Hu!โ). Kennen Sie schon Volkmann? Angenehm. Guter Mann, Name merken.
Ja, und das war es auch schon mit dem 36. Parteitag der CDU. Ein paar Tage erst vorbei, aber schon jetzt ein weiteres Mosaiksteinchen im Gesamtbild der bundesrepublikanischen Geschichte. Darauf kรถnnen wir wirklich stolz sein, das haben wir gut gemacht. Genau wie unser Grundgesetz. Darauf stehen wir. Mit beiden Beinen. Hรค? Wieso beleidigend. Man tritt ja nicht die Fรผรe daran ab? Nein, das sagt man hier so. Mit beiden Beinen auf dem Grundgesetz… Doch! So heiรt das. Oder? Egal! Grundgesetz. CDU. Eis am Stiel. Sicherheit und Ordnung. Also komm, Omma โ geh uns wรคhlen!

