„I can’t breathe.“ – „Ich kriege keine Luft.“ Diese letzten Worte, ausgestoßen vom sterbenden Afroamerikaner George Floyd, auf dessen Hals der weiße Polizist Derek Chauvin kniete, gingen 2020 um die Welt. Was folgte, war eine mediale, politische und kulturelle Inszenierung, die in ihrer Intensität und Penetranz nur durch die im Auftakt befindliche Corona-Pandemie überboten wurde. In den ganzen Vereinigten Staaten randalierten, plünderten und mordeten in den folgenden Monaten Abertausende aufgebrachte Schwarze – angestachelt und unterstützt von weißen Kommunisten –, um ihre Bestürzung über den Tod Floyds auszudrücken. Im ganzen Westen fielen Politiker und Personen des öffentlichen Lebens auf die Knie, um symbolisch ihre moralische Minderwertigkeit im Angesicht des schwarzen Aufbegehrens gegen ein angeblich rassistisch durchwirktes Polizeisystem zu demonstrieren.
Floyds Beisetzung wurde wie ein Staatsakt zelebriert, sein goldener Sarg von schneeweißen Pferden zum Friedhof gezogen. Im ganzen Westen gab es Sondersendungen und Live-Übertragungen, überall wurden rassistische Strukturen ausgemacht und gebrandmarkt. Ein kleines Detail wurde bei dieser Erzählung wahlweise ausgelassen, wahlweise herunterlaviert: Floyd war drogenabhängig und schon in der Vergangenheit straffällig geworden. Während seiner Verhaftung – vorangegangen war der Verdacht, Floyd habe mit Falschgeld bezahlt – stand er unter dem massiven Einfluss von Fentanyl. Chauvin konnte überzogene Polizeigewalt nachgewiesen werden, nicht aber ein rassistisches Motiv. Von den drei Kollegen, welche die Verhaftung abschirmten, war einer Asiate, ein anderer Afroamerikaner. Chauvin selbst, der später im Gefängnis von einem Mithäftling schwer verletzt wurde, war mit einer Asiatin verheiratet.
Die im Zuge des Todes von Floyd und durch die Bewegung „Black Lives Matter“ voran- bzw. weitergetragene Kritik am angeblich rassistischen Polizeisystem führte zur Verbreitung von Bodycams, mittels derer das Vorgehen der Polizei lückenlos aufgezeichnet werden sollte. Diese Maßnahme führte in den folgenden Jahren zu einer wahren Flut von bestens dokumentierten Einsätzen, aus denen sich klare Rückschlüsse auf die hohe Gefahrenlage ziehen lassen, in der sich die Beamten in einer multikulturellen Gesellschaft selbst bei scheinbaren Routineeinsätzen befinden.
Der Pflicht zum Tragen von Bodycams verdanken wir nun, sechs Jahre nach George Floyd, die Dokumentation eines echten und wirklich erschütternden Falls von rassistischer Gewalt, der in seiner ganzen Tragweite die dystopische Situation offenlegt, der weiße Europäer tagtäglich ausgesetzt sind.
In der Nacht des 3. Dezember 2025 geriet der aus der englischen Grafschaft Essex stammende Student Henry Nowak auf dem Rückweg aus einem Pub mit dem indischen Sikh Vickrum Digwa aus ungeklärten Gründen in einen Streit. Digwa zückte einen 21 Zentimeter langen Dolch, dessen Mitführung den Sikh-Anhängern aus religiösen Gründen gestattet ist. Allein das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: England ist eines der überreguliertesten Länder im Westen, die Waffengesetze werden hier besonders streng kontrolliert. Die Anarchotyrannei britischer Ausprägung wird dabei von einem Polizei- und Sicherheitsstaat gestützt, der in seiner Absurdität alles übertrifft, was Monty Python je zustande gebracht hat.
Zurück zu Nowak. Der erlitt durch die Klinge Digwas mehrere schwere Hieb- und Stichverletzungen, versuchte zu fliehen und ging schließlich zu Boden. Digwa filmte das alles und benachrichtigte anschließend seine Familie, die zum Tatort eilte. Seine Mutter nahm den Dolch an sich und versteckte ihn. Der Polizei gegenüber, die in der Zwischenzeit von den Anwohnern alarmiert worden war, gab Digwa an, von Nowak rassistisch beleidigt worden zu sein.
Es folgte eine wahrlich dystopische Szene: Die Polizei legte dem schwerverletzten Nowak Handschellen an. Der stöhnte: „I can’t breathe. I’ve been stabbed“, worauf der Beamte in völliger Verkennung der Lage jovial entgegnete: „Don’t think you have, mate.“ Es folgte eine Verlesung der Rechte, Nowak verblutete währenddessen innerlich.
Nowak ist dem Multikulturalismus zum Opfer gefallen. Dieser Prozess ist für die Einheimischen, die „schon länger hier Lebenden“, die „Menschen ohne Migrationsgeschichte“ ein brutaler und gnadenloser Verfallsakt. Sie verlieren ihre Geschichte, Kultur und Tradition – und im Falle Nowaks ihr Leben. Der Staat reguliert und besteuert ihnen das Vermögen weg, das über Generationen aufgebaut und bewahrt wurde. An die Stelle einer homogenen Hochvertrauensgesellschaft tritt ein multikulturelles Chaos, zu dessen Einhegung immer mehr Polizisten, mehr Beamte, mehr Betreuer, mehr Verwalter aufgebracht werden müssen. Während der Staat seine eigentlichen Kompetenzen vernachlässigt (Verteidigung, Sicherheit, Infrastruktur, Rechtssystem), erhöht er die Repression gegen all jene, die gegen diese „Transformation“ aufbegehren.
Diese Anarchotyrannei ist das letzte Stadium des Sozialdemokratismus, für dessen Administratoren es keinen Widerspruch darstellt, dem Inder Digwa aus Gründen der kulturellen Sensibilität das Tragen einer Waffe zu gestatten, aber dem wehrlosen Engländer Nowak aufgrund einer unbelegten Anschuldigung Handschellen anzulegen.
Das alles verstößt derart gegen unser Verständnis von Recht und Gerechtigkeit, dass man nur hoffen kann, dass die Empörung über Nowaks Tod sich nicht in Protesten erschöpft, die sich nach ein paar Wochen Polizeigewalt und medialem Countersignalling von selbst zerstäuben.
Rupert Lowe etwa nutzte die Gunst der Stunde und machte unmissverständlich klar, was seine Rechtspartei im Falle einer Regierungsmehrheit mit Digwa machen würde – nämlich über den Mörder des jungen Studenten die Todesstrafe verhängen.
Und die Mutter Digwas des Landes verweisen.
Für das System ist diese Forderung eine Drohung. Für die schwindende Zahl der Einheimischen hingegen stellt das ein Versprechen dar. Nowaks Schicksal jedenfalls verdient jenen ikonenhaften Status, der George Floyd nie hätte zukommen dürfen.
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