Es war mal wieder der 20. Juli, der Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Hitler, das von einer Gruppe reaktionรคrer Militรคrs und Politiker rund um den Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg geplant und ausgefรผhrt wurde. Vor 80 Jahren deponierte Stauffenberg eine Bombe im Fรผhrerhauptquartier Wolfsschanze in Ostpreuรen; die Bombe riss jedoch Hitler nicht in den Tod, da dieser sich im Moment der Detonation รผber einen massiven Eichentisch beugte und so vor den grรถbsten Auswirkungen der Explosion geschรผtzt wurde โ die meisten Leser der KRAUTZONE kennen die Geschichte.
Ein Teil der Verschwรถrer โ inklusive Stauffenberg โ wurde noch in derselben Nacht hingerichtet, ein weiterer Teil wurde in Prozessen am Volksgerichtshof durch Roland Freisler, den wohl berรผchtigtsten und fanatischsten Richter des Dritten Reiches, zum Tode verurteilt. Seitdem wird spekuliert, wie dieses Attentat scheitern konnte โ scheinbar war Hitler Bomben gegenรผber immun, denn es war bei Weitem nicht der erste Versuch, den GrรถFaZ mittels dieser Methode zu beseitigen โ oder wie ein Stauffenberg-Deutschland hรคtte aussehen und den Alliierten gegenรผber auftreten kรถnnen.
Das Gedenken an Stauffenberg war auch stets schwierig: Vielen galt er als Verrรคter, und in den Grรผndungsmythos und das Selbstverstรคndnis beider deutscher Nachkriegsstaaten passt(e) er eigentlich nicht hinein. Dennoch gab und gibt es Versuche, Stauffenberg dafรผr zu gewinnen: So wurde in der DDR eine Biografie รผber ihn verรถffentlicht, die versucht, ihn irgendwie im Sinne des Klassenkampfes zu deuten. Und auch in der heutigen Bundesrepublik โ und gerade am vergangenen Wochenende, als sich das Attentat zum 80. Male jรคhrte โ versucht man, obwohl Stauffenberg auch von der bรถsen Neuen Rechten vereinnahmt wird, wie die โTagesschauโ berichtet, den Grafen auch im Sinne des sogenannten โbesten Deutschlands aller Zeitenโ zu deuten.
โBeim Gedenken an das gescheiterte Hitler-Attentat vor 80 Jahren hat Bundeskanzler Olaf Scholz an die Verantwortung jedes Einzelnen fรผr die Verteidigung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit erinnertโ, schreibt die โTagesschauโ im ersten Satz ihres Artikels รผber die Gedenkfeier. Na, das geht schon mal gut los. Jeder weiร eigentlich, inklusive unserer Politiker, dass einem Stauffenberg bei der Planung des Attentats sicherlich nicht im Sinne stand, das Land mit Millionen von Migranten zu fluten oder die Kinder sexueller Degeneration auszusetzen. Aber der wohl perfideste Satz des Kanzlers ist dieser:
โEs gibt den Gegenentwurf zur Nazi-Diktatur. Es gibt das andere, das bessere Deutschland โ freiheitlich, demokratisch, rechtsstaatlich.โ
Als wรคre die heutige Bundesrepublik der einzig legitime Gegenentwurf zum Nationalsozialismus โ welch ein Unsinn. Stauffenberg und seinen Mitverschwรถrern stand ein autoritรคres, reaktionรคres Deutschland im Sinn, das wenig mit dem zu tun hat, was die heutige Bundesrepublik so reprรคsentiert โ aber eben auch nicht viel mit dem Nationalsozialismus. Aber das mรถchte man nicht hรถren: Man will den Leuten eben die Buntheit, die Ersetzungsmigration und die linksliberale Dekadenz als einzigen Gegenentwurf prรคsentieren und jeden anderen Weg โ etwa einen, wie ihn wir, die rechte Opposition, uns vorstellen โ als maskierten, Kreide fressenden Nationalsozialismus verkaufen. Und leider fruchtet diese Propaganda bei manchen Teilen der Bevรถlkerung.
Bei der Gedenkfeier durfte natรผrlich auch nicht der Bundesprรคsident fehlen. โDer Widerstand gegen den Nationalsozialismus war nรถtig, weil die Demokratie von Weimar nicht die Unterstรผtzung hatte, die sie brauchteโ, sagte er in seiner Rede. Ja, schon klar โ weil auch gerade die Stauffenberg-Attentรคter so begeisterte Anhรคnger der Weimarer Republik waren. Aber nun gut, es gibt etwas, das mich ein wenig mehr aufregt: โSteinmeier wรผrdigte den gesamten deutschen Widerstand gegen die NS-Diktaturโ, schreibt die โTagesschauโ.
Dieser kleine Satz greift das oben Geschriebene wieder auf: Wenn man nun mal als einzig legitimer Gegenentwurf gelten will, muss man auch versuchen, all diejenigen, die sich irgendwie gegen den Hitler-Staat auflehnten, fรผr sich zu vereinnahmen. Aber der Widerstand gegen den NS war, wie wir nun mal alle wissen, alles andere als homogen โ von Kommunisten รผber christlichen Widerstand und Jugendbanden wie die Edelweiรpiraten bis hin zu den Stauffenberg-Verschwรถrern, die sich zum grรถรten Teil aus Offizieren und Reaktionรคren rekrutierten: Unterschiedlicher kann eine Gruppe kaum sein. Und nicht alle verdienen das gleiche Gedenken; ich fรผr meinen Teil wรผsste nicht, warum ich irgendwelcher Kommunisten gedenken sollte. Selbst bei Stauffenberg โ der mir von allen Widerstandskรคmpfern geistig mit am nรคchsten ist โ stellt sich die Frage, inwiefern es sich hier um einen gescheiterten Helden handelt: Warum zum Beispiel hat er nie sichergestellt, dass die Bombe Hitler auch wirklich trifft? Das hรคtte zwar seinen Tod bedeutet, doch dem musste er sich durchs Scheitern ohnehin entgegenstellen.
Wie man das Urteil zu Stauffenberg auch fรคllen mag: Er hat es nicht verdient, von der jetzigen BRD-Elite so vereinnahmt zu werden. Es wรคre so, als wรผrden wir eine Gedenkfeier fรผr das heldenhafte Leiden des Ernst Thรคlmann veranstalten โ vollkommen absurd. Mir schwebt jedenfalls, รคhnlich wie Stauffenberg, ein Deutschland jenseits von Nationalsozialismus und linksliberalem Gutmenschentum vor: Ja, das geht! Und bis sich das vielleicht erreichen lรคsst, gilt die Parole, die der einรคugige Graf vom George-Kreis รผbernahm und vermutlich als letzte Worte vor der Erschieรung ausrief:
โEs lebe das Geheime Deutschland!โ

Es lebe das geheime Deutschland!
das geheime, von Finanzeliten gefรผhrte, Deutschland. Jenes Deutschland, welches wir heute vorfinden. Stauffenberg zum Helden machen, das ich nicht lache. Es geht heute, wie damals, nur um die Rasse. Und das nicht aus deutscher Sicht.
Zitat: „Warum zum Beispiel hat er nie sichergestellt, dass die Bombe Hitler auch wirklich trifft? Das hรคtte zwar seinen Tod bedeutet, doch dem musste er sich durchs Scheitern ohnehin entgegenstellen.“
Vielleicht hรคtte es der Autor ja besser gemacht.
Wie aber jedes Kind weiร, war Stauffenbergs Anwesenheit in Berlin erforderlich.