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Lindner kann einem leidtun

20. Mรคrz 2025
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Erinnert Ihr Euch noch an diese Zahl? 20 Milliarden Euro. Klingt im Vergleich zu den nun per Schuldenstaatsstreich beschlossenen zusรคtzlichen Schulden Deutschlands in Hรถhe von etwa 1.000 Milliarden Euro (oder eine Billion) fast schon mickrig. Doch genau diese 20 Milliarden Euro haben Lindner Ende vergangenen Jahres dazu veranlasst, die Ampelkoalition aufs Spiel zu setzen. Er war nicht bereit, zusรคtzliche Schulden zu verantworten. Doch was jetzt gekommen ist, hรคtte er sich wahrscheinlich in keinem Albtraum vorstellen kรถnnen.

Denn nachdem Merz im Wahlkampf auf die Schuldenbremse pochte, hat die CDU nunย gemeinsam mit SPD und Grรผnen neue Staatsschulden in 50-facher Hรถhe der von Lindner noch vor einem halben Jahr verhinderten Summe aufgenommen und dafรผr sogar das Grundgesetz geรคndert.

Dass dieser Mittwoch ein schlechter Tag fรผr Deutschland werden wรผrde, lag bereits in der Luft. So hat die Organisation fรผr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Prognosen fรผr das Wirtschaftswachstum Deutschlands weiter nach unten korrigiert. Demnach rechnen die Experten lediglich mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. In der vorherigen Prognose sprach man Deutschland immerhin noch 0,7 Prozent zu. Damit sieht sich Deutschland nun auf dem vorletzten Platz der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenlรคnder; allein um Mexikos Wirtschaft scheint es noch schlechter bestellt. Wann also Entwicklungs- und Wirtschaftshilfen fรผr Deutschland?

Kommt die neue Sonderverschuldung vielleicht doch zum richtigen Zeitpunkt? Daran kann gezweifelt werden. Denn Geld allein bringt noch keinen Wirtschaftsaufschwung und zusรคtzliche Schulden modernisieren noch keine Brรผcken. Damit das Geld รผberhaupt sinnvoll verwendet werden kann, brรคuchte es tiefgreifende MaรŸnahmen im Bereich Infrastruktur, Verwaltung und Entbรผrokratisierung. Dass das nun von den Parteien angegangen werden wird, die uns den ganzen Bรผrokratieberg erst eingebrockt haben, nachdem sie sich mit der jetzigen Grundgesetzรคnderung erst mal einen finanziellen Blankoscheck ausgestellt haben, kann bezweifelt werden.

Doch auch ohne die Spekulation รผber Zukunftsszenarien hรคlt dieser bisher einmalige Vorgang einige lehrreiche Momente fรผr uns bereit:

1. Zunรคchst das Offensichtlichste: Lindner hat seine Ministerpension umsonst geopfert. Hรคtte Christian Lindner den Forderungen von Scholz entsprochen und den zusรคtzlichen Schuldenrahmen von 20 Milliarden genehmigt, wรคre er wohl bis zum Ende seiner Amtszeit Minister geblieben und hรคtte sich auf 5.000 Euro monatliche Pension zusรคtzlich freuen dรผrfen. Mit seiner vorzeitigen Entlassung durch Scholz ist die jedoch Geschichte. Das hat sich nicht gelohnt.

2. Friedrich Merz erhรคlt den Preis fรผr die dreisteste Wรคhlertรคuschung. So kann man sein Verhalten nur verachten oder schon fast wieder bewundern. Sich vor der Wahl eisern fรผr die Schuldenbremse einzusetzen, nur um sie dann nach der Wahl noch vor der eigentlichen Regierungsbildung im alten Bundestag รผber den Haufen zu werfen, ist schon ein groรŸes Kunststรผck. Wรคhlertรคuschung ist eigentlich sogar nach Paragraf 108a Strafgesetzbuch strafbar:

โ€žWer durch Tรคuschung bewirkt, daรŸ jemand bei der Stimmabgabe รผber den Inhalt seiner Erklรคrung irrt oder gegen seinen Willen nicht oder ungรผltig wรคhlt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.โ€œ

Wobei man nach den Jahren der (Entโ€‘) Tรคuschungen bei CDUlern inzwischen wohl eher schon annehmen muss, dass sie sowieso nicht geglaubt haben, was ihnen im Wahlkampf erzรคhlt wurde. So irrt man dann auch nicht รผber den Inhalt seiner Erklรคrung. Man wรคhlt die CDU, obwohl man weiรŸ, dass sie ihre Wahlversprechen nicht hรคlt.

3. Das Bundesverfassungsgericht hรผtet irgendwas โ€“ die Verfassung aber nicht. Einzigartig ist an dem jetzigen Vorgang nicht nur die Hรถhe der aufgenommenen zusรคtzlichen Schulden, sondern auch das Verfahren. Denn es trat der alte Bundestag nach der Bundestagswahl noch einmal zusammen, um das Grundgesetz zu รคndern. Quasi ein letztes Aufbรคumen der bereits Abgewรคhlten. Grund genug fรผr die Linke, die AfD und einzelne Abgeordnete, mit Eil- und Organklageantrรคgen vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Doch anstatt sich mit dem Sinn und Zweck der Regelung in Artikel 39 Absatz 1 Satz 2 Grundgesetz wirklich zu befassen, bรผgelten die Verfassungsrichter fast schon unverschรคmt knapp die Antrรคge als offensichtlich unbegrรผndet ab.

Es hรคtte eine Stunde des obersten Verfassungsgerichts werden kรถnnen, in der es gezeigt hรคtte, dass es sich ernsthaft mit der Materie und den Sorgen der Antragsteller beschรคftigt. Stattdessen gewinnt man fast den Eindruck, die Entscheidungen seien beim gemeinsamen Essen mit der kommenden Regierung entstanden.

4. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit fรผr Verfassungsรคnderungen ist problematisch. Zunรคchst kรถnnte man meinen, es habe schon seinen Sinn, wenn gewisse Gesetze mit einer erhรถhten Grenze beschlossen werden mรผssen. Das gebe Stabilitรคt und ermรถgliche auf breiter Basis aufgestellte Kompromisse. Aber ist das wirklich so?

Zunรคchst einmal handelt es sich bei der Zweidrittelmehrheit um eine rein quantitative Barriere. Niemand ist besser geeignet oder besser informiert. Es sind einfach nur mehr, die fรผr etwas stimmen. Und dass dieses Erfordernis weniger zu breitem Konsens als zu Nischenzugestรคndnissen fรผhrt, um sich seine verfassungsรคndernde Mehrheit zusammenzubasteln, haben die zusรคtzlichen 100 Milliarden Euro unter dem Zeichen der โ€žKlimaneutralitรคt bis 2045โ€œ gezeigt. Diese Formulierung steht jetzt im Grundgesetz, weil es die Grรผnen eben so wollten.

Einige Experten vermuten darin schon eine versteckte neue Staatszielbestimmung. Merz wies den Vorwurf zurรผck โ€“ was sein Wort bedeutet, wissen wir ja nun.

1 Comment Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kann nur voll zustimmen, Lindner ist das Opferlamm, was man aufs Schafott gelegt hat.Die Lumpen von CDU, SPD, Grรผne haben ihr Hexensรผppchen gekocht, ja auch lange vorbereitet, nur dieser Wahlbetrug wird ihnen schwer im Magen liegen, sie werden es nicht schaffen, lange an der Macht zu bleiben.Man hat sich nicht nur in Deutschland bis auf die Knochen blamiert, sondern in der ganzen Welt.

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