„Sinnlose Worte, sinnlose Worte, sinnlose quälende Worte“, sagte Mrs. Bowles.
„Komm, wir wollen wieder lachen, du darfst jetzt die »Familie« [Fernsehsendung, Anm. d. Red.] anstellen.“
Die Szene stammt aus Ray Bradburys 1953 erschienenem dystopischem Werk „Fahrenheit 451“ – benannt nach der Temperatur, ab der Papier beginnt zu brennen. In Bradburys Zukunft ist das Lesen von Büchern streng verboten. Die Feuerwehr löscht keine Brände mehr, sondern spürt Haushalte mit Literatur auf und legt Feuer, um die Bücher zu „löschen“. Für Unterhaltung sorgt ein staatliches Fernsehprogramm, das in jedem Haus auf wandfüllenden Bildschirmen wiedergegeben wird. Das Ziel: Der unmündige und unselbstständige Bürger, der dem Staat ausgeliefert ist.
Was der Amerikaner Bradbury als literarische Warnung zeichnete, wurde in der DDR zur realen Erfahrung von Millionen Deutschen. Mit welchen Maßnahmen das DDR-Regime die Unmündigkeit seiner Bürger sichern wollte (1.), ob wir diese Methoden wirklich überwunden haben (2.) – und warum dennoch Hoffnung besteht (3.).
1. Die Methodik der DDR
Die „Deutsche Demokratische Republik“ war vieles. Aber keine Demokratie. Bereits 1949 wurden alle Parteien in den sogenannten „Demokratischen Block der Parteien und Massenorganisationen“ eingegliedert. Die Parteien wurden nicht verboten, jedoch unter die Direktive der SED (heute Die Linke) gestellt. Auf dem Papier fanden Wahlen statt. Doch was bedeuten Wahlen, wenn man gerade keine Wahl hat, wen man wählt?
Ebenfalls 1949 wurden Berufsverbote erlassen. Zunächst gegen ehemalige NSDAP-Mitglieder und „Kriegshetzer“, später auch gegen politisch unzuverlässige Personen. Wer der SED-Linie widersprach, riskierte seinen Beruf – Konformität wurde zur Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe.
Um diese Konformität zu gewährleisten, wurden Medien, Presse und Kultur umfassend kontrolliert. Wer publizieren wollte, bedurfte der Freigabe durch die „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“ des Kultusministeriums. Begriffe wie „Zensur“ waren tabu – stattdessen sprach man von „parteimäßiger Führungstätigkeit“. Veröffentlicht wurde, was parteikonform war. Alles andere blieb unsichtbar.
Wer dennoch abwich, dem drohte Paragraf 106 des DDR-Strafgesetzbuches: „Staatsfeindliche Hetze“. Darunter fiel bereits das Verbreiten von Schriften, Gegenständen oder Symbolen, die das System „diskriminieren“ könnten. Die Folge: Haftstrafe nicht unter einem und bis zu fünf Jahren – für Worte, Gedanken, Meinungen.
Eingewoben durch einen staatlich orchestrierten Medien- und Propagandaapparat, geheimdienstliche Überwachung und die Verfolgung systemkritischer Stimmen sollte so der konforme Bürger geformt werden. Das Endprodukt sozialistischer Umerziehung.
2. Ist die DDR Geschichte?
Dass all dies scheitern sollte, zeigte die Geschichte. Der Freiheitswille des deutschen Volkes siegte über die Unterdrückungsmaßnahmen des Unrechtsstaates. Die Bundesrepublik nahm ihren Bruder im Osten auf. Auf den Mauerfall folgte die Wiedervereinigung. Doch: Ist die DDR damit nur noch Geschichte?
Zweifellos unterscheidet sich die heutige Bundesrepublik in vielem von der DDR. Wer daraus jedoch schließt, wir seien gegen ähnliche Tendenzen immun, irrt. Dem aufmerksamen Leser werden bereits gewisse sprachliche oder konzeptionelle Ähnlichkeiten aufgefallen sein.
Zunächst wären da die selbsternannten „demokratischen Parteien“, die einen Block bilden – mit dem erklärten Ziel, die oppositionelle AfD systematisch auszuschließen. Innerhalb dieses demokratischen Blocks scheinen Parteigrenzen vergessen, und so arbeitet eine CDU sogar mit der ehemaligen SED zusammen. Ebenso mehren sich die Fälle von faktischen Berufsverboten für Personen, die die Haltungskontrolle des Bundesamtes für Verfassungsschutz nicht bestehen – wie zuletzt John Hoewer.
Gegen sogenannte „Hass und Hetze“ wird mit bemerkenswerter Härte vorgegangen. So muss sich der berühmte „Schwachkopf“-Rentner Stefan Niehoff nun vor dem Amtsgericht Haßfurt für Beiträge rechtfertigen, in denen er auf künstlerische Art die wahrgenommene zunehmende Totalität in der Bundesrepublik anprangerte. Dass ihn die strafrechtliche Verfolgung nun vom Gegenteil überzeugen wird, darf bezweifelt werden.
Gleiches gilt für den Fall David Bendels, Chefredakteur des „Deutschland-Kurier“. Ein Meme gegen Nancy Faeser brachte ihm eine siebenmonatige Haftstrafe ein. Noch nicht genug für die Staatsanwaltschaft. Sie legte nun Berufung gegen das Urteil ein.
Parallel wird das Verbot des „Compact“-Magazins verhandelt. Das Urteil wird am 24. Juni verkündet. Es wird sich zeigen, ob das Bundesverwaltungsgericht diesem in seiner Art bisher einmaligen Verbot eines Presseorgans durch die Regierung den juristischen Weg ebnet.
All dies ist vermeintlich zum Schutz unserer Demokratie notwendig. Warum erinnern Methoden und Begründungen dann zunehmend an autoritäre Ordnungen?
3. Es gibt Hoffnung
So bedrohlich die Parallelen wirken – sie sind nicht das Ende der Geschichte. Denn wer genau hinsieht, erkennt nicht nur die Rückkehr alter Muster, sondern auch: Widerstand regt sich.
Ein Autor der „Zeit“ rezensierte „Fahrenheit 451“ wie folgt:
„Heute wiedergelesen, ist bei »Fahrenheit 451« nicht das Inferno erschreckend, nicht der Flammenterror, sondern das von unserer Wirklichkeit weitgehend eingeholte Komfortszenario.“
Bradburys dystopische Welt entsteht nicht durch Gewalt allein, sondern durch Gleichgültigkeit. Durch Bürger, die sich in den Komfort des Nichtdenkens zurückziehen. Die Deutschen haben in der DDR gezeigt, dass ihr Freiheitswille zwar unterdrückt, aber nie ausgelöscht wurde. Auch aktuell wird die Kritik an den dargestellten Entwicklungen – zuletzt dem „Compact“-Verbot – zunehmend lauter.
Wir können vielleicht nicht darauf hoffen, dass der Staat sich von allein bessert. Aber darauf, dass es genug Bürger gibt, die ihn dazu zwingen werden.
*Aktualisierung: Stefan Niehoff wurde am 18.06.2025 vom Amtsgericht Haßfurt wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen (§ 86a StGB) in drei Fällen zu einer Geldstrafe von 825€ verurteilt. Niehoff kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

