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Kommen bald Strafen für Solaranlagen?

3. Juli 2025
in 3 min lesen

Müssen Besitzer von Solaranlagen künftig Strafe für den Strom bezahlen, den sie ins Netz einspeisen? Genau das schlägt ein aktuelles Diskussionspapier der Bundesnetzagentur vor. „Dynamische Netzentgelte“ nennt die Behörde das System, bei dem sich der Preis für eingespeisten und verbrauchten Strom an die Netzauslastung anpassen soll. Warum unser Stromnetz an seine Grenzen kommt (1.), wem wir das zu verdanken haben (2.) und wie die Lösung aussehen kann (3.).

1. Das Netz am Limit

Dass unsere Stromversorgung trotz technischen Fortschritts nicht stabiler, sondern anfälliger wird, zeigte zuletzt der großflächige Stromausfall in Spanien und Portugal. Die Ursache: eine zu hohe Spannung im Netz, ausgelöst durch die enorme Zahl an Solaranlagen. Als sich in Spanien am 28. April plötzlich die Wolkendecke lichtete, fiel die gleißende Mittagssonne auf Millionen Solarpanele. Die Folge: ein sprunghafter Anstieg der Einspeisung, den das Netz nicht mehr ausgleichen konnte. Die Netzspannung stieg, Großverbraucher schalteten sich sicherheitshalber vom Netz ab, erhöhten damit die Spannung weiter und das gesamte Netz brach zusammen.

Auch in Deutschland wird das Stromnetz zunehmend instabil. Grund dafür ist der zunehmende Anteil erneuerbarer Energien wie Wind- und Solaranlagen bei gleichzeitigem Rückgang konventioneller Kraftwerke. Diese Entwicklung schadet der Netzstabilität. Die Kosten trägt der Verbraucher – also ein jeder von uns. Bis auf diejenigen, die dem politischen Ruf zur privaten Solaranlage gefolgt sind.

Und genau hier setzt das Diskussionspapier der Bundesnetzagentur an. Denn private Solaranlagen speisen ihren Strom ungeregelt ins Netz ein und fördern damit die Instabilität. Scheint die Sonne, speisen alle ein; der überschüssige Strom muss ins Ausland exportiert werden – oft mit Verlust. Bei einer Dunkelflaute nützen die Anlagen hingegen wenig. Der fehlende Strom muss teuer aus dem Ausland eingekauft werden. Das hat allein im vergangenen Jahr zu zusätzlichen Kosten in Höhe von 2,3 Milliarden Euro geführt.

Die Verursacher tragen bisher keine finanzielle Verantwortung. Im Gegenteil: Private Solaranlagenbesitzer sind von den Beiträgen zur Netzfinanzierung befreit und erhalten durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz für ihren eingespeisten Strom ein festes Entgelt; unabhängig von Bedarf oder Marktpreis.

2. Das Netz wurde kaputtgemerkelt

Doch die Privatleute mit ihren Solaranlagen auf dem Dach oder am Balkon trifft keine Schuld. Sie haben lediglich umgesetzt, was die Politik seit der Ära Merkel massiv forciert hat. Die sogenannte Energiewende wurde von den Altparteien als Vorzeigeprojekt inszeniert – mit Auswüchsen bis hin zur Solaranlagenpflicht, die inzwischen in vielen Bundesländern gilt. Statt sich mit den Folgen dieser Entwicklung frühzeitig auseinanderzusetzen und vorzuplanen, setzte die Politik auf Effekthascherei. Sinnvolle Maßnahmen zur Netzstabilisierung wie der Erhalt der Kernenergie, eine Steuerung privater Einspeisungskapazitäten oder das Errichten von Energiespeichern hätten direkt mitgedacht werden können. Lieber lockte man mit Fördermitteln und festen Entgelten, die eine Orientierung am tatsächlichen Bedarf von vornherein ausschlossen.

Die Netzdestabilisierung auf Erzeugerseite durch private Solaranlagen schien der Politik nicht genug zu sein. Hinzu kam mit der massiven Förderung von stromintensiven Abnehmern wie Elektroautos oder spannungsstörenden Anlagen wie Wärmepumpen eine Destabilisierung auf Verbraucherseite. Es wirkt fast, als hätte man sich gezielt der Maßnahmen bedient, die einer stabilen Stromversorgung am abträglichsten sind. Dem Bürger wurde seitens der Regierung stets vorgespiegelt, etwas Gutes zu tun, während die negativen Folgen unausgesprochen blieben.

3. Der Markt soll es richten

Das Diskussionspapier der Bundesnetzagentur greift dieses Kernproblem endlich auf. Haben die Solaranlagenbesitzer bisher durch das einseitige Einwirken der Politik nichts von ihrem schädlichen Verhalten mitbekommen, soll sich das in Zukunft ändern. Wer das Netz durch Verbrauch oder Einspeisung belastet, soll dafür zahlen.

Das geplante dynamische Netzentgelt soll den Preis dynamisch am tatsächlichen Bedarf orientieren. Netzbelastendes Verhalten wird preislich bestraft, während netzdienliches Verhalten mit besseren Preisen belohnt wird: Wer zu Stoßzeiten Strom verbraucht, zahlt mehr als derjenige, der das Netz in weniger belasteten Situationen nutzt. Ebenso soll weniger erhalten – oder sogar „Strafe“ zahlen –, wer zu Zeiten einspeist, in denen das Netz bereits stark beliefert wird. So soll der Markt mit seiner Preispolitik richten, was die Politik sehenden Auges angerichtet hat.

Das sind alles überfällige Schritte – und ein indirektes Eingeständnis der politischen Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte. Aber alle Probleme lösen kann der Vorschlag der Bundesnetzagentur nicht. Vor allem schützt er nicht vor den bisherigen Verfehlungen. Statt den Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Netzausbau zu koppeln, wurden Milliarden in zum Teil wirkungslose bis schädliche Förderprogramme gesteckt. Die Folge ist eine soziale Schieflage, in der Gutverdiener von Solaranlagen bisher doppelt profitieren, während Mieter und Geringverdiener die Zeche dafür zahlen müssen.

Diesem ganzen Prozess wohnt eine gewisse Ironie inne. Zum einen werden von der Bundesnetzagentur Vorschläge zur Lösung von Problemen unterbreitet, die es ohne die ideologiegetriebene Energiewendepolitik gar nicht gegeben hätte. Zum anderen werden mit der Bundesregierung ausgerechnet jene Parteien über den Vorschlag der Bundesnetzagentur entscheiden, die das Problem selbst geschaffen haben – CDU und SPD. Ob sie ihre politische Kurzsichtigkeit diesmal überwinden, bleibt abzuwarten. Wer am Ende zahlen muss, steht dagegen längst fest: wir.

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