Seit mehreren Monaten wird gegen das Corona-Virus geimpft. Doch nach den ersten gesundheitlichen Risiken, die durch Astra-Zeneca bekannt wurden (Thromboserisiko) und nicht bekannt wurden (Typ-2-Thrombozytopenie) wollten sich immer weniger Bundesbรผrger mit dem Vektorimpfstoff spritzen lassen.
Anders sieht es bei Biontech aus. Der mRNA-Impfstoff erfreut sich hรถchster Beliebtheit, gerade auch, da sich der Impfstoff politisch verwursten lassen konnte: Ein kurdischer Migrant forscht in Deutschland und rettet die Welt. Unser Jung aus Meenz.
Doch trotz der massiven positiven Berichterstattung รผber den mRNA-Impfstoff wollen sich offensichtlich doch nicht so viele Bundesbรผrger impfen, wie anfรคnglich geglaubt. Jens Spahn geht aktuell nur noch von 75 Prozent Impfwilligen aus, was unter einer รคlteren Prognose von 80 Prozent liegt. Spahn stรผtzt sich damit vermutlich auf die Zahlen von Mai aus der ARD-DeutschlandTrend-Umfrage.
Da weder der Faktor der โSozialen Erwรผnschtheitโ noch den der tatsรคchlichen Umsetzung einer mรผndlichen Behauptung berรผcksichtigt wurden, liegen realistischere Schรคtzungen zwischen 60 und 70 Prozent. Zwei Drittel werden sich Impfen lassen.
Momentan sind erst 21,3 Prozent der Bevรถlkerung vollstรคndig geimpft. Lothar Wieler, Chef des RKI, sprach vor einem Monat davon, dass man mindestens eine 80 Prozent Immunisierungsquote erreichen mรผsse, um eine Herdenimmunitรคt zu entwickeln. Anthony Fauci ging zeitweise von 85 Prozent aus, wiederum andere Stimmen sind der Meinung, dass 60-70 Prozent ausreichen.
Aktuell sieht es nicht danach aus, die selbst festgelegten Zahlen bald zu erreichen. Zum einen ist der Impfstoff knapp und die Bundesregierung wartet auf eine neue Biontech-Lieferung, zum anderen gehen die Zahl der Neuimpfungen auch aus anderen Grรผnden langsam zurรผck.
Die Leute sehen im Corona-Virus keine ernstzunehmende Gefahr mehr, wiederum andere vergessen oder โvergessenโ einfach die Zweitimpfung, haben sich einfach umentschieden, trauen sich aber nicht, den korrekten Grund anzugeben: Angst vor Nebenwirkungen.
Gerade in den USA stieg die Skepsis gegenรผber der Zweit-Impfungen enorm an:
โIm Februar belief sich der Anteil derer, die eine vorgesehene zweite Impfung versรคumt hatten, auf etwa drei Prozent. Die neuesten Zahlen der CDC, die sich auf Mรคrz beziehenโ, so berichtet die New York Times, โliegen bei acht Prozent – fรผnf Millionen Menschen.โ
Ergรคnzend dazu n-tv:
โIn Interviews geben manche von ihnen an, sie seien jetzt doch besorgt wegen mรถglicher Nebenwirkungen. Beim Wirkstoff von Biontech/Pfizer etwa gilt die erste Impfung als sehr gut vertrรคglich, die zweite, so warnen Impfรคrzte ihre Patienten, kann vor allem am Folgetag Probleme machen.โ
Dieser Trend wird auch in den kommenden Wochen in Deutschland zu beobachten sein. Erste Berichte kamen am 17. Mai aus Hamburg, wo mehr und mehr Personen ihren zweiten Impftermin schwรคnzten.
Nach dem Fall der Impfpriorisierung mit dem heutigen Stichtag wird es zu einem โTurboimpfenโ kommen โ anschlieรend werden die Zahlen aber mutmaรlich sinken. Zum Sorgen der Politiker, die Impferfolg und Volksgesundheit in Gefahr sehen.
Eine der wichtigsten Fragen die sich hier stellt: Wie โรผberzeugtโ sind die Impfwilligen tatsรคchlich, wenn sie nach einer ersten Impfung nicht zur zweiten gehen? Spielen Ausgangssperren, soziale Erwรผnschtheit, das โnormaleโ Leben nicht eine viel grรถรere Rolle als ein mutierendes Killervirus?
Entscheidungen trifft man in den seltensten Fรคllen mit 100 prozentiger Sicherheit. Viel hรคufiger sind Abwรคgungen, Zweifel, Reflektion und schlieรlich landet man bei einer zรคhneknirschenden Zustimmung oder Ablehnung. Gerade was medizinische Fragen betrifft: Geht man nun zum Arzt oder wartet noch eine Woche? Fรคngt man mit Sport oder der Diรคt an oder geht man doch noch einmal aufs Sofa zu den geliebten Pralinen?
Menschen sind mehrheitlich keine โรberzeugungstรคterโ, wie es so hรคufig dargestellt wird. Einen gewissen Prozentsatz an Schreihรคlsen, die laut vorne wegmarschieren, gibt es immer. Dann aber kommt ein riesiger Teil verunsicherter Bundesbรผrger, die nicht wissen, ob sie das Richtige tun oder getan haben.
Diese Unsicherheit spielt auch in das aktuell so hรคufig beobachtete Verhalten mit ein.
A: โHallo!โ
B: Hallo. Ich wurde gestern geimpftโ.
Entgegen der Annahme, dass diese Impfbetoner sich selbst ins Rampenlicht stellen wollen, den โImpfverweigererโ auf den Zahn fรผhlen oder stolz von ihrer โErrungenschaftโ erzรคhlen, bin ich eher der Meinung, dass diese Personen verunsichert sind und sich Zuspruch vom Gegenรผber erhoffen. Haben Sie das Richtige getan?
Gerade in den letzten Jahrzehnten gibt es keine Entscheidung mehr, die unabรคnderlich ist: Vertrรคge kรถnnen gebrochen werden, Schwรผre existieren nur noch in Kinderbรผchern. Kinder, Frau, Mann, Familie kann man verlassen. Das Eigenheim verkaufen. Nationalitรคt, Weltanschauung, Religion, Heimat sind wechselbar geworden.
Wir leben im โeverything goesโ der Moderne. Diese Religion des โNicht-Festlegensโ trifft auf die absolute Konsequenz der Impfung. Biontech und Ich โ bis dass der Tod uns scheidet. Diese Entscheidung ist nicht mehr rรผckgรคngig zu machen.
Der Impfskeptiker hingegen lebt im absoluten Luxus, die Entscheidung noch nicht treffen zu mรผssen. Da wiederum sorgt auch fรผr einen gewissen Grad der Verbissenheit der Geimpften gegenรผber dem โunbeschwerten Verharrerโ der sich (vorerst) nicht impfen lassen will.
Sollten sich doch gesundheitliche Probleme auf die Impfung einstellen, will man nicht der Dumme sein. Alle sollen die Dummen sein.
