Die Woken tun uns einen Gefallen

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Ein Hauptanliegen des rechten Lagers für die kommenden Jahre ist, dass das Machtgefälle zwischen Woken und Neocons/Westextremen erhalten bleibt und Letztere sich weiter vor Ersteren einscheißen. Eine westextreme Front, die auch nur einigermaßen frei agieren könnte, würde uns in unserem momentanen Zustand auf Parteienebene binnen weniger Jahre rund machen, was ich recht wörtlich meine: der AfD die weltanschaulich verwurzelten Kanten abschmirgeln und das verbleibende flache Symptomdoktor-Kollektiv daraufhin zu Tode umarmen.

Ich habe ja schon mehrmals angesprochen, dass ein vorzeitiger Abriss der Brandmauer sich als Verlegung dieser in unsere Reihen entpuppen würde: Ist die CDU noch annähernd auf Augenhöhe, kann sie es also noch geordnet und kontrolliert machen, dann wird sie Bedingungen stellen, als wären wir diejenigen, die die Minuten zählen, bis das Ding endlich weg ist – dabei sind sie das. Wir wachsen, sie schrumpfen und können ihr Beschwichtigungsprogramm nicht im Ansatz auf die Beine stellen, weil sie hinter der Mauer mit einem Haufen Geisteskranker gefangen sind, die nicht einmal eine bedeutsame Abbremsung des Niedergangs aus strategischen Gründen unterschreiben würden.

Besagte Bedingungen kämen einem Vorfeld- und Theoriebildungs-Verbot gleich: Jeder größere Politiker, der Kontakte nach Schnellroda, zur IB et cetera unterhält, müsste entmachtet oder rausgeschmissen werden. Medien wie „Nius“ würden dies zeitgleich mit einer Kampagne, die innerhalb der rechten Basis Wirkung entfalten soll, befeuern, wie Reichelt es mit seinem Höcke-Kreuzzug vergangenen Herbst ja schon einmal angetestet hat.

Die tatsächliche Zusammenarbeit würde dann unter folgendem vergifteten Kompromiss stattfinden: Die AfD akzeptiert die jetzt herrschenden demografischen Rahmenbedingungen („Jetzt sind sie halt da“), kann dafür aber mit noch nie da gewesener Härte inländisch gegen deren Symptome vorgehen: Verschärfung des Strafrechts, Ausbau der Überwachung und „Extremismusbekämpfung“, also Repressionen, Umerziehung und Propaganda, die sich auch spezifisch gegen Islamisten und ausländische Nationalisten richtet.

Der dabei verwendete Extremismusbegriff käme jedoch aus der Feder der CDU: „Nicht liberal“, also gegen die Abschaffung traditioneller Werte und Normen sowie die Auflösung identitärer Separationslinien wie Herkunft und Geschlecht. Eine Definition, die uns natürlich mit einschließt und aus dem Vorfeld-Verbot eine Pflicht zur Kriminalisierung und Bekämpfung der eigenen Aktivisten, Medien sowie jeder rechten Ideenschmiede macht.

Um sich dagegen zu immunisieren, braucht die Rechte eine ideologische Feinddefinition, die die CDU/Axel-Springer-Achse des Liberalismus nicht mehr als eine zu woke-hörige abgeschwächte Form des eigentlichen Feindes sieht, sondern sie als eigenständigen Pol der Beliebigkeits-Ideologie, die wir bekämpfen, begreift. Mein Konzept der „Westextremen“ versucht sich daran: Woke verarbeiten das Versagen der liberalen Gesellschaftsordnung in einem ethnomasochistischen Hass auf die indigene Bevölkerung, welche ihr Projekt mit ihrem „Rassismus, Sexismus“ et cetera sabotiere. Der Westextreme wiederum ist gnädiger mit der inländischen Population, die im globalen Vergleich ja bereits hochgradig liberalisiert ist, und blickt stattdessen mit heiligem Zorn auf die Teile der Welt, die sich seiner Werteordnung noch dezidiert widersetzen: Russland, die islamische Welt, China.

Hat man das verinnerlicht, begreift man also das antivölkische Beliebigkeitsprojekt als die Wurzel der Masseneinwanderung und die Neocons als einen Pol dieser Agenda, kann man kaum noch als unfreiwilliger Vollstrecker davon, der sich damit zufriedengibt, die unmittelbaren negativen Auswirkungen der Überfremdung durch liberal-autoritäres Durchgreifen zu unterdrücken, anstatt die gesamte Party zu beenden, vor ihren Karren gespannt werden. Ein solches Bewusstsein tief in die Partei zu tragen, könnte allerdings noch Jahre dauern.

Während dieser Jahre sind die Böhmermanns und Bosettis dieser Welt unser entscheidender Trumpf. Der einzige Grund, aus dem die CDU noch nicht öffentlichkeitswirksam die gerade beschriebene Stärkung und Eingliederung weltanschaulich flacher, instrumentalisierbarer Teile der Rechten vorbereitet, ist, dass mächtige Organe wie die meisten Medien und Behörden sowie drölfzig Millionen von Letzteren finanzierte NGOs weiterhin fest in der Hand der Woken liegen. Diese sind zu einem Grad high von ihrem eigenen Stoff, an dem sie keinerlei Nuancen im Feindeslager mehr wahrnehmen können und daher die Zusammenarbeit selbst mit opportunistischen Nützlingen in der AfD für die Wiederkehr des Faschismus halten und sich lieber in fruchtlosen Verbotsfantasien ergehen.

Ulf Poschardt, Herausgeber der „Welt“, schrieb im Zuge von Krahs Dschihad gegen Martin Sellner und sein Konzept der Remigration einen Artikel namens „Die Differenzierung der Rechten“, in dem er ausbuchstabierte, dass er eine Zusammenarbeit mit besagten Nützlingen für die beste Chance hält, eine AfD zu verhindern, die den Kurs des Landes substanziell ändern würde. Ich denke, das ist keine Einzelmeinung, sondern eine Mainstream-Ansicht in seinen Kreisen. Es ist also essenziell, dass die Woken mindestens bis zur nächsten Bundestagswahl sowohl mächtig als auch zu selbstschädigend extremistisch-verblendet bleiben, um die Weisheit und Alternativlosigkeit dieser Strategie zu erkennen und ihrem liberalen Gegenpol die Anwendung dieser Strategie zu erlauben.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Politik hat, vereinfacht gesprochen, drei Pole, drei fundamentale Grundwerte, nicht zwei: Gleichheit, Freiheit und Stabilität. Die Woken bedienen Gleichheit, die Libertären Freiheit und die Rechten lehnen Richtung Stabilität. Die Westextremen bedienen vor allem Freiheit, aber auch etwas Gleichheit.
    Sie sind deutlich weiter von uns entfernt als von den Woken.

    • Ergänzend dazu: Jeder der drei Grundwerte kann – wenn er über alle anderen gestellt und verabsolutiert wird – in den Totalitarismus führen. Das gilt auch für die Stabilität, die im harmlosesten Fall zur Erstarrung führt.

  2. Unsere Interessen sind diesseits des großen trennenden Teiches, nicht an fremden Ufern.
    In diesem Sinne kann eine maximaltransatlantistische C-Partei niemals mit heimattreuen Kräften den Schulterschluß finden solange Letztere sich nicht selbst verleugnen wollen.

    Der Begriff „Westextreme“ ist treffend für diese Nische, daß ein Oxymoron wie „liberal-autoritär“ seinen Weg in den Text gefunden hat zeigt aber daß auch aufmerksame Beobachter nicht vor der neuzeitlichen Sprachverwirrung gefeit sind.

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