Der Politmanager in der Krise

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Es gibt Krisen und es gibt „Krisen“. Eine Krise, also eine echte, spielte sich im Sommer 2021 im Ahrtal ab, das, wie bereits so oft in seiner Geschichte, vom Hochwasser heimgesucht wurde. Für Tausende Menschen ging es um nicht weniger als Leib, Leben und Besitz. Häuser, Brücken und Autos wurden wie Spielzeug von den Fluten fortgerissen, Menschen kämpften um ihr Leben, über 700 wurden verletzt, 141 starben.

Im Anschluss an diese Tragödie gaben sich etablierte Politiker, Medien und Wissenschaftler viel Mühe, das Hochwasser in den größeren Kontext der Klimakrise einzubetten. Diese sogenannte Klimakrise ist allerdings nur eine „Krise“. „Krisen“ sind keine echten Krisen, bei denen der Mensch, vor allem der vollversorgte und rundum versicherte Mensch der Moderne, auf ein existenzielles, geradezu archaisches Minimum zurückgeworfen wird. Nein, „Krisen“ sind Werbekampagnen der Angst. Die „Klimakrise“ beispielsweise ist nichts anders, sie ihr Zweck liegt allein in der Rechtfertigung der Transformationspolitik.

Wehren sich kritische Wissenschaftler, Medien oder Politiker gegen diese Transformation, gegen diese fortlaufende Entrechtung des Individuums und gegen den Ausbau von undemokratischen und korrupten Governance-Strukturen, dann wird Druck auf sie ausgeübt. Dieser Druck ist – typisch für den effeminierten, sozialdemokratisierten Managerstaat – einerseits soft, ja geradezu „schwul“, andererseits dann aber doch von einer tiefen Boshaftigkeit beseelt.

Wellen der Empörung bauschen sich immer mal wieder gegen diese krisengestützte Bevormundung auf, nur um dann schlaff in sich zusammenzufallen. Schon lange vor der KI-Revolution war eigentlich alles Fake. „Krisen“ sind Theaterstücke, in denen wir alle zuvor festgelegte Rollen spielen. Tragikomisch wird es erst dann, wenn einzelne Statisten nicht mehr aus ihrer Rolle herausfinden. Besonders deutlich zeigte das die „Coronakrise“. Man sieht tatsächlich noch hier und da jemanden im Bus oder der Bahn, der sein hageres Gesicht hinter einer FFP2-Maske verbirgt.

Wirklich interessant wird es eigentlich nur, wenn echte Krisen ausbrechen. Die im Ahrtal zum Beispiel, oder nun eben jene im Berliner Süden. Tagelanger Stromausfall, sehr wahrscheinlich wegen eines linksextremen Anschlags auf eine Kabelbrücke – es klingt beinahe wie aus einer Erzählung von Tom Clancy. Nun war sie also plötzlich da, die echte Krise, und wieder einmal, wie auch schon 2021, stellte der Politmanager, dieser völlig auswechselbare Typus, der so charakteristisch für die Späte Bundesrepublik geworden ist, seine absolute Nutzlosigkeit unter Beweis. Man fragt sich: Kann es denn so schwer sein wenigstens so zu tun, als ob man sich für seine Leute einsetzt?

„Bitte noch gendern, ansonsten Freigabe“, kommentierte die damalige Grünen-Politmanagerin Anne Spiegel eine Pressemitteilung, in der einen Tag vor der Ahrtalflut versichert wurde, dass kein Extremhochwasser zu erwarten sei. Zu dem Zeitpunkt war die Feuerwehr bereits an zig Stellen im Einsatz. Vergangenen Samstag wurde CDU-Politmanager Kai Wegner rechtzeitig von dem Anschlag und dessen Konsequenzen in Kenntnis gesetzt. Es war zu diesem Zeitpunkt klar, dass etwa hunderttausend Berliner bei Minustemperaturen über mehrere Tage lang keinen Strom haben werden. Betroffen waren neben den Haushalten auch Supermärkte, Altersheime und Züge. Mittags fuhr Wegner zum Tennis – anscheinend ging ihm völlig das Gefühl dafür ab, dass er als Regierender Bürgermeister bei einer Krise solchen Ausmaßes rund um die Uhr ansprechbar sein musste. Später behauptete er, von zu Hause aus gearbeitet zu haben – eine Lüge, die seine völlige Instinktlosigkeit kaschieren sollte. Sonntags besuchte er eine Notunterkunft, wollte Hände schütteln, wurde beschimpft und verschmäht.

Die echten Krisenmanager haben derweil den Berliner Süden wieder elektifiziert und dafür gesorgt, dass Mitglieder des Remmo-Clans nicht die Gunst der Stunde nutzen konnten, um einen Bankautomaten aufzubrechen. Einbruchs- und Plünderungsversuche hielten über die gesamten Tage hinweg rund 450 Polizisten auf Trab. Menschen innerhalb und außerhalb Berlins halfen den vielen Tausend Betroffenen, stellten Strom, Nahrungsmittel und Schlafplätze zur Verfügung.

Wird es für Wegner derweil Konsequenzen geben? Von seiner Berliner Fraktion ließ er sich sein tadelloses Krisenmanagement bestätigen. „Er hat die Krise gut gemanagt, er hat sich gekümmert, er war vor Ort“, versicherte irgendein CDUler im tadellosen Politmanagersprech. Doch Wegner ist angeschlagen, innerhalb und außerhalb der Partei werden schon die Messer gewetzt. Aber auch das ist wieder nur Theater. Irgendwo darunter liegt eine weitere, eine echte Krise. Politmanager wollen bestimmen, was Max Mustermann sagt, liest, hört, frisst, fährt, wählt oder denkt. Sie wollen kontrollieren, verwalten, managen. Was sie nicht wollen, ist, etwas aufbauen, erziehen, veredeln. Sie wollen herrschen, aber keine Verantwortung tragen. Deswegen können sie keine echten Krisen, sondern allenfalls Theater. Und auch dabei geben sie eine schlechte Figur ab.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auf den Punkt gebracht. Schlimmer ist nur noch, daß ein Großteil der kontrollierten Gesellschaft das überhaupt nicht merkt.

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