Der Mythos des „basierten Ossis“: Höcke, Kubitschek und das westdeutsche Zerrbild

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Der Chefredakteur des Schweizer Nachrichtenmagazins Weltwoche, Roger Köppel, hat das geliefert, wozu deutsche Establishment-Medien nicht in der Lage sind: lange, ausführliche und kritische Interviews mit den wohl umstrittensten politischen Funktionären und Theoretikern, die die Bundesrepublik aufzubieten hat.


Die Rede ist von Björn Höcke und Götz Kubitschek. Der eine war Lehrer, der andere Offizier. Der eine hat als Chef des AfD-Landesverbandes seine Partei an die Spitze Thüringens gehievt, der andere verlegt in Sachsen-Anhalt Bücher und organisiert Vortragsveranstaltungen. Beide Männer wirken sehr harmlos, in gewisser Weise sehr BRD-typisch – und doch (linke Medien würden sagen: gerade deswegen!) trichtert man deutschen Bundesbürgern seit Jahren ein, dass der eine die Inkarnation von Adolf Hitler wäre und der andere als sinistrer Strippenzieher so etwas wie die Mischrolle aus Alfred Hugenberg und Alfred Rosenberg einnehmen würde. Man sieht: Im Drehbuch über die endlose Wiederkehr des III. Reiches sind die Rollen allesamt belegt.

Die Erfindung der Ost-West-Erzählung

„Belegte Rollen“ – das ist ein gutes Stichwort, um den Bogen zur Ost-West-Erzählung zu schlagen. Auch hier hat das linke Establishment eine vorgefertigte Erzählung anzubieten, die fatalerweise auch von vielen Rechten leichtfertig aufgegriffen und damit verstetigt wird. Es geht hierbei um die Perpetuierung des Bildes vom raffgierigen Wessi und vom betrogenen Ossi, von der eigentlich gerechten Sache (DDR, Planwirtschaft, Antifaschismus), die leichtfertig für falsche Versprechungen (BRD, Marktwirtschaft, Amerikanismus) geopfert wurde. Es ist kein Zufall, dass wir uns hier an die Indianergeschichten unserer Kindheit erinnern: Eingeborene geben ihr Land für eine Handvoll Murmeln an die weißen Pioniere ab – und bemerken den Schwindel erst, als die Eisenbahnlinien die Weidegründe ihrer Büffelherden zerschneiden.

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Weitgehende Zustimmung zu Ihrer ausführlichen und umfassenden Beschreibung des „deutschen Ost/West-Verhältnisses“. Zwei Gesichtspunkte, die m.A. nach zu kurz greifen bzw. kommen:
    Positivere Beurteilungen bzw. Verständnis für Putin und die derzeitige russische Politik durch AfD-Funktionäre beeinhaltet kein Vergeben oder Vergessen der Kriegsverbrechen durch die damalige Sowjetunion. Denn zu den aufgehetzten mörderischen und vergewaltigenden Sowjet-Soldaten gehörten z.B. damals ja auch Ukrainer, die sich heute mit ihren ehemaligen russischen „Verbündeten“ gegenseitig abschlachten. Es sind immer die (be)herrschenden Regierungen, die die Menschen aufeinander hetzen. Andernfalls wäre es berechtigt „die“ Amerikaner oder Briten für die Kriegsverbrechen durch Bombenterror verantwortlich zu machen. Der zweite Gesichtspunkt, der m.A. zu kurz kommt ist die Tatsache, daß man hier im deutschen – und nur da – Westen Nationalgefühl durch Europäisierung ersetzt hat während im Osten der sozialistische Internationalismus auf keinen sehr fruchtbaren Boden fiel – schon eher bei westdeutschen Neomarxisten. Ich denke mit einer solchen Einschätzung könnten auch Kubitschek und Höcke übereinstimmen.

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