Von Gil Barkei
Ende Februar verletzt ein 15-Jรคhriger an einer Schule im Berliner Brennpunktviertel Wedding einen Sicherheitsmitarbeiter mit einem Messer. Fรผr Aufsehen in der Hauptstadt sorgt immer wieder auch die eigentlich beschaulich gelegene Friedrich-Bergius-Schule. Tiefpunkt: Vergangenes Jahr jagten Dutzende Angreifer zwei Schรผler durch den Bezirk Schรถneberg. Die Polizei meldete spรคter bis zu โ120 beteiligte Personen und Schaulustigeโ. Die Jugendlichen sollen einem der Opfer zunรคchst in einer zehnkรถpfigen Gruppe vor dem Schulgebรคude aufgelauert haben, bewaffnet mit Messern, Baseballschlรคgern und Schlagringen. Die Schulleitung berichtete zudem von einem eingegangenen Drohbrief auf Arabisch, weshalb tagelang Polizeibeamte vor dem Eingang postiert wurden.
Zuvor hatte das Kollegium bereits in einem Brandbrief Alarm geschlagen: Die Lehrkrรคfte seien โzu 65 Prozent mit bรผrokratischer Erziehung beschรคftigt und nur zu 35 Prozent mit faktenorientiertem Unterricht.โ Neben โrespektlosem Verhalten der Schรผlerschaft wรคhrend der Pausen und beim Toilettengangโ war von Angst die Rede, โin kompromittierenden Situationen fotografiert oder gefilmt zu werdenโ. Mehr als 80 Prozent der insgesamt rund 400 Schรผler sprechen vorwiegend kein Deutsch.
Laut โDeutschem Schulbarometerโ hat fast die Hรคlfte der Lehrer in Deutschland schon physische oder psychische Gewalt bei ihren Schรผlern beobachtet. An โSchulen in sozial benachteiligter Lageโ sind es sogar bei 69 Prozent. Eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess ergab, daร beinah 40 Prozent aller Tatverdรคchtigen, die 2024 bei Gewalttaten an Schulen ausgemacht wurden, keinen deutschen Paร hatten.
In Cottbus schafft es seit Monaten gar eine Grundschule in die Schlagzeilen, weil dort Migranten ihre Mitschรผler angreifen und tyrannisieren. In einem offenen Brief machten die Eltern bereits im Dezember auf die unhaltbaren Zustรคnde aufmerksam und berichteten von teils tรคglichen Attacken wie โSchlรคge, Tritte und Stรผrzeโ bis hin zur Gehirnerschรผtterung; mitunter kam sogar Reizgas zum Einsatz. An der Regine-Hildebrandt-Grundschule, an der 43 Prozent der Schรผler einen Migrationshintergrund haben, patrouilliert mittlerweile ein Sicherheitsdienst. Eine speziell eingerichtete Ermittlungsgruppe โSchuleโ leitete seit Juni 108 Ermittlungsverfahren im schulischen Umfeld in ganz Cottbus ein. Bereits 2024 prรผgelten Dutzende Migranten vor der Schmellwitzer Oberschule im Norden der Brandenburger Stadt auf einen Schรผler und eine Lehrerin ein.
Westdeutsche Verhรคltnisse erhalten also endgรผltig Einzug in den mitteldeutschen Bundeslรคndern. Das Phรคnomen Migrantengewalt an Schulen ist dabei keineswegs neu, und es hat eben nicht wie viele spรคt erwachte BRD-Bullerbรผ-Bewohner und โDanke Merkel!โ-Rufer ventilieren erst 2015 begonnen, sondern bereits sehr viel frรผher. Einer dieser Ausschlรคge, angesichts dessen Verantwortliche jeglicher Couleur hรคtten lernen und Konsequenzen ziehen kรถnnen, liegt 20 Jahre zurรผck.
Im Mรคrz 2006 sorgte die Rรผtli-Hauptschule in Berlin-Neukรถlln fรผr deutschlandweites Aufsehen. 80 Prozent der Schรผler hatten bereits damals eine auslรคndische Herkunft. In einem Brief an die Schulaufsicht, der es spรคter in die Medien schaffte, beklagten die Lehrer verzweifelt, daร ein geordneter Unterricht nicht mehr mรถglich sei. โTรผren werden eingetreten, Papierkรถrbe als Fuรbรคlle miรbraucht, Knallkรถrper gezรผndet und Bilderrahmen von den Flurwรคnden gerissen.โ Gegenstรคnde wรผrden โzielgerichtet gegen Lehrkrรคfte durch die Klassenโ fliegen. Einige Kollegen gingen โnur noch mit dem Handy in bestimmte Klassen, damit sie รผber Funk Hilfe holen kรถnnenโ. Auf den Punkt gebracht: โDer Intensivtรคter wird zum Vorbild.โ รber Wochen lรคuft das Thema in allen Zeitungen und auf allen Kanรคlen und bringt zusรคtzlich Erschreckendes an die breite รffentlichkeit. โDie Araber haben das Sagen und unterdrรผcken die Tรผrkenโ, berichtet eine ehemalige Lehrerin dem Berliner Tagesspiegel. Sie habe das Gefรผhl, an dieser Schule wรผrden โKriminelle und Terroristen groรgezogenโ. Die wenigen deutschen Schรผler wรผrden als โSchweinefleischfresserโ beschimpft und versuchten sich einfach mรถglichst unauffรคllig zu verhalten. Im Klassenraum und auf Ausflรผgen werde gestohlen.
Kurz darauf formulieren auch die Lehrer der Plievier-Hauptschule in Berlin-Wedding einen รคhnlichen Hilferuf; trotz massiver Fรถrderprogramme an der Schule. So unterrichten in den 7. und 8. Klassen immer zwei Lehrer. Bei der โSchulinselโ gibt es Konfliktlotsen, die โSchulstationโ fรคngt aus dem Unterricht Geworfene auf. Fรผr Schulverweigerer existieren allein drei Projekte.
Im April 2006 erreicht der Rรผtli-Skandal die Bundespolitik. Bundeskanzlerin Angela Merkel rรผgt den Berliner Senat wegen Versรคumnissen bei der Integration. Der damalige Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder fordert, Integration mรผsse zur โnationalen Aufgabeโ werden. Bayerns Ministerprรคsident Edmund Stoiber wirft einen Neubeginn bei der Integration ins schon damals prall gefรผllte Phrasenschwein. In typisch bundesrepublikanischer Appeasement-die-Gesellschaft-ist-schuld-Manier legt Berlins damaliger Bildungssenator Klaus Bรถger nach: โWir mรผssen die Kinder als unsere Kinder annehmen und nicht wegschieben.โ So blieben wirkliche harte Konsequenzen genauso aus wie eine ehrliche Debatte รผber Zuwanderung und die Vielvรถlker-Gesellschaft.
Die vielfach geforderte Zusammenlegung der Haupt- und Realschule blieb ebenfalls vorerst aus, um sie 2010 dann doch mit der Schulstrukturreform und der Einfรผhrung der Sekundarschule durchzuziehen. Die Rรผtli-Schule hatte es letztlich vorgemacht. Ein Jahr nach dem Brandbrief wird mit einem neuartigen Konzept begonnen: Unter der Bezeichnung โRรผtli Campusโ entsteht auf rund 50.000 Quadratmetern eine komplette Bildungslandschaft, die die Hauptschule mit einer Realschule, einer Grundschule und zwei Kindergรคrten zusammenlegt. Anstatt Probleme wie den schlechten Ruf und die zunehmend nicht mehr berufsqualifizierende Bildung der Hauptschule samt des ursรคchlichen Einwanderungswahnsinns zu beheben, klatscht man einfach viel Geld und einen neuen Namen drauf.
Das kommt einem auch heute sehr bekannt vor: das Bรผrgergeld beziehungsweise ab 1. Juli die โneue Grundsicherungโ lassen herzlich grรผรen. Notiz am Rande: Im Herbst 2025 ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen monatelanger Beleidigung und Nachstellung des Ehemannes eines homosexuellen Lehrers am Rรผtli Campus.
Doch schon das Rรผtli-Desaster vor 20 Jahren kam fรผr viele junge Bewohner westdeutscher Groรstรคdte alles andere als รผberraschend. Vielmehr kam auch jene Empรถrung bereits zehn, zwanzig Jahre zu spรคt. Jeder Berliner beispielsweise wusste schon 2006 wie der multikulturell bunte Hase lรคuft. Die รberraschung und Empรถrung bei Pรคdagogen, Journalisten und Politikern war in den Augen und Ohren ballungsgebietserpropter Jugendlicher und Heranwachsender eine einzige Farce. Auch der Autor dieser Zeilen kann so manche Butterfly-Messergeschichte und รคhnliches an den Lehreinrichtungen bereits aus den Neunzigern erzรคhlen.
Die jรผngst ausufernde Gewalt an deutschen Schulen in Ost und West zeigt lediglich wie ultraerfolgreich die ganzen blutleeren Konzepte der vergangenen Jahrzehnte waren. Anstatt die Probleme und ihre ersten Anzeichen zu bekรคmpfen, hat die Politik mit verschlossenen Augen, Ohren und Mรผndern die gleichen Fehler von damals verantwortungslos weiterlaufen lassen und sogar noch in andere bisher relativ verschont gebliebene โostdeutscheโ Bundeslรคnder sowie in den kleinstรคdtischen und sogar lรคndlichen Raum exportiert. Eine ansteigende Lernkurve angesichts der aktuellen Gewalttaten an Schulen ist โ in den Reihen der โAltpartienโ โ daher nicht zu erwarten, trotz aller Ankรผndigungen und versprochenen Maรnahmen. Der Wรคhler sollte sich davon nicht einlullen lassen.ย
Der Autor/Gil Barkei wurde 1983 in Berlin geboren und hat Politikwissenschaften in Marburg, Budapest und Potsdam studiert. Er war neun Jahre als Redakteur bei der Wochenzeitung โJunge Freiheitโ tรคtig. Beim BoD-Verlag sind seine Romane โDie grรถรere Inselโ und โHeimatnovelleโ erschienen.


Wieso „ansteigede Lernkurve“?
Die verantwortlichen Tรคter in den ReGIERungen der letzten Jahrzehnte wollten es doch genau so, und haben dabei weiterhin die Unterstรผtzung von 2/3 der Gesellschaft.
Der Rest schickt seinen Nachwuchs auf nichtstaatliche Schulen.
Derselben Meinung bin ich auch. Wenn ich mir die Wahlergebnisse „der jungen Wรคhler*innen“ anschaue, so ist mein provokatives „Gendern“ denen wohl mehrheitlich wichtiger, als ihre Zukunft. Den Boomern braucht man selbiges Verhalten dann auch nicht (mehr) vorwerfen.