Die Rentnerrepublik wankt ihrem Untergang entgegen

in 3 min lesen

Deutschland ist dem Untergang geweiht. Wir steuern auf einen Abgrund namens „Geburtenkollaps“ zu. Am Steuer sitzt eine Generation, die wahlweise den Abgrund nicht sehen will oder meint, den Aufprall selbst nicht mehr zu spüren. Doch für all jene, die nicht das Glück haben, zu den Frühgeborenen der BRD zu gehören, stellt sich die Frage: Kann das Ruder noch rumgerissen werden? Warum niedrige Geburtenraten in den Untergang führen (I.), wie die aktuelle Politik diesen Prozess beschleunigt (II.) und ob noch Hoffnung besteht (III.).

I. Schlimmer als Aussterben

Seit über 50 Jahren liegt die Geburtenrate in Deutschland unter den für den Erhalt der Population benötigten 2,1 Kindern pro Frau. Lag die Geburtenrate pro Frau 1969 noch bei 2,2 Kindern, ist sie inzwischen auf 1,35 Kinder pro Frau im Jahr 2024 gefallen. Getrieben wird diese Entwicklung von mehreren Faktoren: Zum einen bekommen Frauen immer später und dann insgesamt weniger Kinder. Zum anderen bekommen immer mehr Frauen gar keine Kinder. Lag die Quote kinderloser Frauen in ihren Wechseljahren in den 1980ern noch bei elf Prozent, hat sie sich bis heute auf 21 Prozent nahezu verdoppelt. Zudem standen allein 2024 den 677.000 Geburten über 100.000 offiziell durchgeführte Schwangerschaftsabbrüche gegenüber.

Der Geburtenrückgang ist real und hat inzwischen ein Ausmaß angenommen, das auf absehbare Zeit zu einem massiven Bevölkerungsrückgang führen wird, wenn eine Kehrtwende unterbleibt. Selbst für den Fall, dass die Geburtenrate nicht weiter sinkt, kommen auf 100 deutsche Eltern nur noch 49 Enkelkinder – eine Halbierung der Bevölkerung in zwei Generationen. Nun könnte man dazu neigen, im Geburtenrückgang sogar etwas Positives zu sehen. In Zeiten des Klimawahns, mangelnden Wohnraums und zunehmender Automatisierung erscheint ein Rückgang der Bevölkerungszahl fast schon erstrebenswert. Abseits der Frage, wie es dann um den Selbsterhalt des Volkes steht, verschließt eine solche Sichtweise die Augen vor dem sozialen Aufbau Deutschlands.

Deutschlands Sozialsystem ist umlagefinanziert – sprich: Monatlich geht jeder fünfte Euro des Gehalts an die Rentenkasse. Dort wird er jedoch nicht für die eigene Rente angespart, sondern sofort für aktuelle Rentner ausgegeben. Das funktioniert so lange, wie das Verhältnis zwischen Arbeitern und Rentnern stimmt. Im konkreten Fall: fünf zu eins. Das war zuletzt in den 1960er-Jahren der Fall. Somit erklärt sich, weshalb der CDU-Politiker Dr. Norbert Blüm bereits 1986 mit dem Spruch „Die Rente ist sicher“ Wahlkampf machte. Nicht, weil die Rente wirklich sicher war, sondern weil ihre Grundlage zunehmend wegschmolz. Getrieben durch niedrige Geburtenraten und steigende Lebensdauer beträgt das Verhältnis von Arbeitern zu Rentnern inzwischen nur noch 2,5 zu eins.

Rundbrief

Melde dich an und erhalte nur die wichtigsten Neuigkeiten.

Please wait...

Vielen Dank für die Anmeldung.

Längst genügen die Rentenbeiträge nicht mehr zur Finanzierung der Renten. Seit den 70er-Jahren geben die Bundesregierungen einen steigenden Anteil der Steuereinnahmen aus, um das Loch in den Rentenkassen zu stopfen. 2025 bildeten diese Ausgaben bereits ein Viertel der gesamten Steuereinnahmen. Doch das Loch wächst unaufhörlich. Innerhalb der nächsten zehn Jahre ist mit dem Renteneintritt von 13 Millionen Boomern zu rechnen; ebenjener geburtenstarken Jahrgänge, die selbst nicht für genügend Nachwuchs gesorgt haben. Ein Mangel an Arbeitskraft steht dann einem Überfluss an Leistungsbeziehern gegenüber. Ein einfacher Geburtenrückgang ist das eine, gekoppelt mit zunehmenden Belastungen der jungen Generationen werden die kommenden Jahrzehnte in vielen Punkten zur Belastungsprobe.

II. Im wahrsten Sinne Altparteien

Wenn man sich nun fragt, wie es so weit kommen konnte, lohnt ein Blick auf die Wählerverteilung. Bei der vergangenen Bundestagswahl stellte das „Lager Ü60“ mit 40,3 Prozent die größte Wählergruppe. Im Vergleich zu den Wählern bis 34 Jahren wurden SPD und CDU von „den Alten“ doppelt so häufig gewählt. Es sind im wahrsten Sinne Altparteien. Führt man sich vor Augen, dass das jüngere Lager lediglich um die 20 Prozent der Wähler stellt, erscheint die Altparteienpolitik rein rational. Es ist eine Politik, die auf die Mehrheit der Wähler ausgerichtet ist, und diese Mehrheit ist zunehmend alt.

Statt einer Entlastung der jungen, angehenden Generationen kam es zu einer Zunahme direkter oder indirekter Belastungen. Eine Entwicklung, die es neben kulturellen Faktoren zusätzlich wirtschaftlich erschwert, eine Familie zu gründen. Auch die Masseneinwanderung war und ist nicht in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten. Zum einen belastet Zuwanderung das deutsche Sozialsystem überproportional, anstatt zu ihm beizutragen. Zum anderen gleicht sich die ursprünglich höhere Geburtenrate von Ausländern mit einem Verbleib in Deutschland an, sodass es eines ständigen Zuwanderungsstroms bedürfte, um den Bevölkerungsrückgang auszubremsen. Was das für Deutschland bedeuten würde, steht auf einem ganz anderen Blatt.

III. Es ist nicht zu spät

Deutschland stehen harte Zeiten bevor. So wird die junge Generation die erste sein, die ärmer als ihre Eltern sein wird. Doch wurden nicht Generationen von Deutschen von dem Gedanken angetrieben, ihren Kindern ein besseres Land zu hinterlassen, als sie selbst vorgefunden haben? Es ist an der jungen Generation – jedem Einzelnen –, diesen Gedanken wieder aufzugreifen und die Entbehrungen auf dem Weg anzunehmen. Das sage ich nicht als jemand, der die Verantwortung verschieben möchte, sondern als Betroffener. Die Alten werden das Steuer nicht rumreißen, das können wir nur selbst.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.