Merz und Marx

23. April 2026
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Nur noch Emmanuel Macron ist unbeliebter als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). So sind inzwischen 80 Prozent der Deutschen mit der Arbeit des Bundeskanzlers unzufrieden. Mit seiner neuesten Aussage scheint Merz auch noch die verbliebenen zufriedenen 20 Prozent vom Gegenteil รผberzeugen zu wollen. Doch damit ist er nicht allein. Was Merz diesmal auf dem Herzen lag (I.), wie es ihm ein Kardinal gleichtut (II.) und was das Fatale an dem Handeln der beiden ist (III.).

I. Der Kanzler und die doofen Deutschen

Man kann wohl sagen, dass die Beziehung des Kanzlers zu โ€žseinenโ€œ Deutschen auf Gegenseitigkeit beruht. Wรคhrend die รผberwiegende Mehrheit des Volkes den Kanzler doof findet, scheint der Kanzler das Volk ebenso doof zu finden. So sieht Merz die Schuld fรผr die negativen Zukunftsprognosen bezรผglich Deutschlands Wirtschaft und Wohlstand nicht in der Regierungspolitik der vergangenen Jahrzehnte, sondern beim deutschen Michel. Zum 75. Geburtstag des Bankenverbands meint der Bundeskanzler:

โ€žWir haben uns ausgeruht, wir sind ein bisschen zu bequem geworden.โ€œ

Sich selbst scheint Merz von diesem Urteil jedoch auszunehmen. Immerhin hรคtte ein kรผrzlich erst nach Kritik gestoppter Entwurf vorgesehen, das Gehalt des Bundeskanzlers um 65.000 Euro jรคhrlich zu erhรถhen. Zum Vergleich: Das jรคhrliche Durchschnittsgehalt lag in Deutschland 2024 bei 56.000 Euro und damit niedriger als allein die geplante Erhรถhung von Merzโ€™ Salรคr.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Kanzler den Deutschen einen Mangel an Arbeitswillen unterstellt. So kritisierte er das vermeintliche Streben nach โ€žWork-Life-Balanceโ€œ und einer โ€žViertagewocheโ€œ. Dabei bleibt Merz die Antwort auf die Frage schuldig, warum der Staat Jahr um Jahr Rekordsteuereinnahmen erzielt, wenn die Deutschen doch so faul und bequem sind.

Vielmehr scheint die Regierung trotz sprudelnder Staatseinnahmen, die die Deutschen unter einer weiter zunehmenden Steuerlast erwirtschaften, unwillig, selbst unbequeme Entscheidungen zu treffen, wenn Merz ankรผndigt:

โ€žDie gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein fรผr das Alter. Sie wird nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern.โ€œ

Dass die Rente eben nicht mehr โ€“ wie einst versprochen โ€“ sicher ist, darauf dรผrfte sich die jรผngere Generation bereits eingestellt haben. Alternativlos ist dieser Umstand jedoch nicht. Fรผr andere Projekte ist weiterhin Geld da:

Deutschland ist seit 2025 mit Ausgaben in Hรถhe von 29,1 Milliarden US-Dollar Spitzenzahler unter den OECD-Lรคndern im Bereich der Entwicklungshilfe. Bรผrgergeldzahlungen an Auslรคnder befinden sich mit 21,7 Milliarden Euro auf Rekordniveau, und auch der NGO-Komplex kommt nicht zu kurz, wenngleich die Bundesregierung die genaue Hรถhe der Milliardenfรถrderung geheim hรคlt.

So betrachtet liegt das Problem nicht beim Volk, sondern bei den Volksvertretern. Zweifelsohne wรคre es politisch unbequemer, beim Sozialmissbrauch oder der Asylindustrie den Rotstift anzusetzen, als dem bereits leistungsbereiten Teil des Volkes eine noch hรถhere Belastung zuzumuten. Doch wรคre es gerade die Aufgabe der Bundesregierung, die dem Volk abverlangten Steuergelder verantwortungsvoll zu verwalten.

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II. Der Kardinal und die Sรผnde

ร„hnlich, wenngleich nicht auf den ersten Blick ersichtlich, liegt der Fall in Teilen der deutschen katholischen Kirche. In Kontinuitรคt mit dem Synodalen Weg hat der Mรผnchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx seine Priester angewiesen, Segensfeiern fรผr homosexuelle Paare sowie fรผr (standesamtlich) wiederverheiratete Geschiedene zu ermรถglichen. Zwar stehe dieser so erteilte Segen nicht mit dem Sakrament der Ehe (zwischen Mann und Frau) gleich. Gleichzeitig betont Marx:

โ€žDie Paare sollen in der Mitte der Gemeinde willkommen sein. Deswegen bittet die Kirche Gott darum, diesen Paaren Gutes zuzusagen und zu tun.โ€œ

Zunรคchst spricht nichts dagegen, einzelnen Glรคubigen einen Segen zu erteilen, auch wenn es Sรผnder sind โ€“ schlieรŸlich sind wir alle Sรผnder. Doch gilt es hier, zu differenzieren. Nach der neuen โ€“ im Widerspruch mit Rom stehenden โ€“ Handlungsdirektive von Kardinal Marx sollen gerade nicht die einzelnen Personen, sondern die in ihrem irregulรคren Status lebenden Paare den Segen erhalten und damit quasi die Sรผnde selbst abgesegnet werden.

Diese Anweisung ist Ausdruck einer Entwicklung in der katholischen Kirche, die es zunehmend vermeidet, die Sรผnde als solche zu benennen und diese (nicht die Sรผnder!) zu verdammen. An die Stelle einer streitenden Kirche, die รผber Jahrtausende ihre Glaubenssรคtze in Dogmen festgeschrieben und bewahrt hat, tritt eine bequeme Kirche, die ihre Wahrheiten auf dem Altar der Wohlgefรคlligkeit opfert.

III. Die Auflรถsung aller Dinge

Und in diesem Punkt gleichen sich das Verhalten unseres Bundeskanzlers und das des Mรผnchner Erzbischofs: Bei der Entscheidung zwischen dem richtigen und dem bequemen Weg wรคhlen sie letzteren; Merz, indem er der staatlichen Steuergeldver(sch)wendung keine Zรผgel anlegt, und Marx, indem er die Sรผnde verharmlost.

So mรผssen beide Verhaltensweisen zum gleichen Ergebnis fรผhren: Sie delegitimieren die eigene Institution. Die arbeitende Bevรถlkerung wird sich fragen, wofรผr sie in diesem Staat eigentlich noch arbeitet, und der glรคubige Katholik, woran er eigentlich noch glauben soll. Sowohl Deutschland als auch die katholische Kirche haben noch Substanz, doch sie wird in groรŸen Brocken abgetragen. Die bequeme Gegenwart eines Merz und Marx zementiert die unbequeme Zukunft all jener, die das Schicksal teilen, nach ihnen geboren worden zu sein.

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