„Bloß weg!“ Wie die Auswanderung unsere Volkswirtschaft ruiniert

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Deutschland verliert seine Leistungsträger. Nicht laut, nicht dramatisch inszeniert, nicht mit Transparenten am Bahnhof. Sondern still. Mit gepackten Koffern, unterschriebenem Arbeitsvertrag in Zürich, Mietvertrag in Wien oder Wohnungsschlüssel an der spanischen Küste.

Mehr als 288.000 deutsche Staatsbürger wanderten 2025 aus. Neuer Höchststand. Der alte Rekord aus dem Jahr 2016 ist übertroffen. Wer immer noch glaubt, Auswanderung sei ein Randphänomen für digitale Nomaden, Rentner auf Mallorca oder gescheiterte Abenteurer, hat die Realität nicht verstanden. Es gehen immer häufiger genau jene, die Deutschland eigentlich dringend bräuchte: Junge, Qualifizierte, Leistungsbereite. DEUTSCHE.

In einer Kurzanalyse für das Institut für konservative Wirtschaftspolitik habe ich diesen stillen Verlust untersucht. Die Zahlen sind eindeutig: Drei Viertel der Auswanderer sind Deutsche ohne Migrationshintergrund. Drei Viertel Prozent haben einen Hochschulabschluss. Über zwei Drittel sind zwischen 20 und 40 Jahre alt, also im besten Erwerbsalter. Insgesamt sind 95 Prozent im erwerbsfähigen Alter. Das ist kein romantischer „Tapetenwechsel“. Das ist ein Abfluss vom besten Humankapital.

Die beliebtesten Ziele überraschen nicht. Anfang 2025 lebten rund 329.900 Deutsche in der Schweiz, 239.500 in Österreich und 131.800 in Spanien. Die Schweiz bietet hohe Löhne, politische Stabilität, Sicherheit und eine deutsche Amtssprache. Österreich bietet Nähe, Kulturverwandtschaft und ebenfalls geringe Sprachbarrieren. Spanien zieht stärker über Lebensqualität, Klima und Ruhestand. Der Anteil der über 65-jährigen Deutschen liegt dort bei 26,8 Prozent, in Österreich nur bei 13,3 Prozent.

Warum gehen sie? Die Antwort ist unangenehm. Für sechs von zehn Auswanderern domminieren berufliche Gründe. Nach der Auswanderung verdienen Deutsche im Schnitt 1.200 Euro mehr als zuvor. Doch es geht nicht nur ums Geld. 17,4 Prozent nennen ausdrücklich Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland. DeZIM-Daten zeigen: Eine höhere Lebensqualität im Ausland ist für über die Hälfte der Befragten der häufigste Grund für Auswanderungserwägungen. Bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte spielen zudem finanzielle Motive mit 31 Prozent und Sicherheitsbedenken mit 26 Prozent eine wichtige Rolle.

Man kann es auch einfacher sagen: Viele Deutsche haben genug. Genug von hoher Steuer- und Abgabenlast. Genug von sinkender Bildungsqualität. Genug von Unsicherheit im öffentlichen Raum. Genug von einem Staat, der den Leistungsträger melkt, belehrt und dann auch noch moralisch verdächtigt.

Besonders alarmierend ist der Blick auf die Jugend. Laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen. Vier von zehn können es sich grundsätzlich vorstellen. Eine Gesellschaft, deren junge Leistungsträger innerlich bereits den Auswanderungsantrag gestellt haben, hat ein Problem, das größer ist als jede Konjunkturdelle.

Insgesamt verwaltet die Spät-BRD eine dramatische Völkerwanderung. Seit Amtsantritt Merkel wanderten über 1,1 Millionen deutsche Staatsbürger aus Deutschland aus. Netto. Für immer. Das sind im Schnitt über 50.000 pro Jahr. Im Zeitraum 2015 bis 2025 lag die Nettozuwanderung von Ausländern dagegen bei knapp 7 Millionen Personen, also durchschnittlich über 600.000 pro Jahr. Das ist ein Bevölkerungsaustausch wie er im Buche steht. Es ist ein struktureller Austausch von Qualifikationsprofilen, kultureller Prägung und fiskalischer Leistungsfähigkeit.

Denn während die deutschen Auswanderer überdurchschnittlich arbeitswillig und qualifiziert sind, weist ein großer Teil der Zuwanderer aus Afrika und dem Nahen Osten sehr niedrige formale Qualifikationen auf. Zwischen 55,5 Prozent und drei Viertel dieser Personengruppe im erwerbsfähigen Alter besitzen keine Berufsqualifikation, 31 Prozent keinen Schulabschluss. Wer das nüchtern ausspricht, betreibt keine Hetze, sondern beschreibt ein volkswirtschaftliches Problem.

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Die Folgen sind absehbar: mehr Fachkräftemangel, geringere Produktivität, weniger Steuereinnahmen, höhere Sozialausgaben, sinkende Innovationskraft. Deutschland verliert oben und lädt unten nach. Ein Sozialstaat kann das eine Zeit lang kaschieren. Dauerhaft tragen kann er es nicht.

Noch schwerer wiegt der demographische Langfristtrend. Nach Berechnungen unseres Instituts werden Personen mit Migrationshintergrund ab 2052 mehr als die Hälfte der Bevölkerung auf deutschem Territorium stellen. Setzen sich die heutigen Wanderungsbewegungen und die unterschiedlichen Geburtenraten fort, könnten die autochthonen Deutschen innerhalb von weniger als einem Jahrhundert – bis zum Jahr 2116 – weitgehend verschwunden sein – ausgewandert und ausgestorben.

Was wäre zu tun? Rückkehrkampagnen und patriotische Werbesprüche reichen nicht. Niemand kommt zurück, weil ein Ministerium ein Hochglanzplakat druckt. Wer deutsche Auswanderer zurückholen will, muss Deutschland wieder attraktiver machen: niedrigere Steuern und Abgaben, bessere Schulen, mehr innere Sicherheit, weniger Bürokratie, Ende der Masseneinwanderung, eine leistungsfreundliche Kultur – und ein Land, das wieder Selbstbewusstsein, Nationalstolz und Selbstwertgefühl ausstrahlt, statt seine Bürger als Lastesel zu behandeln.

Deutschland hat Millionen Landsleute im Ausland. Über drei Millionen. Viele davon sind nicht für immer verloren. Aber sie kommen nicht zurück in ein Land, das Leistung bestraft, Sicherheit verspielt und Normalität verächtlich macht.

„Pfiati, Germany“ ist deshalb keine Pointe. Es ist eine Warnung. Wenn ein Land seine eigenen Leistungsträger verliert, verliert es nicht nur Arbeitskräfte. Es verliert seine Zukunft.


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