Am vergangenen Wochenende traf sich die queere und bunte Demo-Korona der Bundesrepublik zum 49. Christopher Street Day in Berlin. Wie jedes Jahr waren auch in diesem Jahr für das gesamte Wochenende Konzerte und Veranstaltungen geplant, um für die vermeintlichen Rechte der LGBTQIA+-Community und gegen den Rechtsruck im Lande zu kämpfen. Am Freitag startete das bunte Treiben mit einer Kundgebung und einem anschließenden Gratis(mut)-Konzert von Establishment-Künstler*innen wie Ikkimel, Zsá Zsá, Sarah Connor und Wavvyboy vor dem Brandenburger Tor.
Am Samstag folgte der jährliche Umzug durch das gesamte Stadtzentrum. Über 80 Wagen waren angemeldet, über eine halbe Million Teilnehmer wurden erwartet. Couragierte Influencer, linke Vorzeigepolitiker, eventaffine Partytouristen sowie allerhand merkwürdige Fetischmenschen in Perücken, Netzhemden, Hundemasken und -leinen oder gänzlich nackt wollten gemeinsam ein Zeichen für „Sichtbarkeit“, „Toleranz“ und „Weltoffenheit“ setzen. Was friedlich (wenn auch durchaus verstörend insbesondere für kleine Kinder) am Potsdamer Platz startete, endete in den Abendstunden mit einem islamistischen Terroranschlag.
Kurz vor 22 Uhr fuhr der 21-jährige polizeibekannte Libanese Abdul Ballout mit einem weißen Kastenwagen in eine feiernde Menschenmenge im Tiergarten. Als das Auto gegen einen Baum prallte, stieg Abdul aus und verletzte weitere Menschen mit einer Machete. Eine Frau starb noch am Tatort, 29 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt, drei von ihnen befanden sich bis gestern Nachmittag noch in Lebensgefahr. Abdul Ballout, der zunächst entkommen konnte, wurde gestern in einer Kleingartensiedlung von Polizeikräften gestellt und erschossen.
Abdul Ballout wurde 2005 in Berlin geboren und besitzt sowohl die deutsche als auch die libanesische Staatsangehörigkeit. Schon lange vor der Tat war der junge Mann polizeibekannt. Zum einen saß er wegen schwerer Körperverletzung und räuberischer Erpressung sogar bis Mai im Jugendgefängnis, zum anderen hatten ihn die Behörden auf dem Radar wegen religiösem Fanatismus, da er als Anhänger der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ gilt.
Zum Tatzeitpunkt war Ballout auf Bewährung frei und sollte als Teil seiner Bewährungsauflagen an einem sogenannten „Deradikalisierungskurs“ teilnehmen. Von 26 angesetzten Terminen habe er bis dato nur zwei wahrgenommen. Die nächste Sitzung wäre heute gewesen. Abdul Ballout hatte schon vor seinem Anschlag auf den Berliner CSD einmal einen Terrorakt geplant und war nach dessen Publikwerden in den Libanon geflüchtet. Von dort aus holten ihn die bundesdeutschen Behörden zurück, zerrten ihn vor Gericht, hielten ihn jedoch nicht hinter Schloss und Riegel, was schließlich in der gestrigen Tragödie endete.
Die Vorkommnisse des Wochenendes sind tragisch, und dennoch könnten sie die kognitive Dissonanz der Bundesrepublik im Jahr 2026 nicht plakativer aufzeigen. „Fassungslos und tief erschüttert“ meint CSU-Innenminister Dobrindt zu sein, als er am Morgen nach dem Anschlag am Tatort ein Statement abgibt. Mit gekonnt monotoner Stimme im üblichen Politikersprech berichtet er vom Anschlag. Der Täter sei „deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund“, er sei nach etlichen Straftaten zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden, die schließlich auf Bewährung ausgesetzt worden sei. Warum er nicht hinter Gittern saß, obwohl die Staatsanwaltschaft dies forderte, konnte Dobrindt offenbar nicht näher erläutern.
Etliche Prominente zeigten sich „bestürzt“ und „erschüttert“. Ikkimel meldete sich mit einem Statement der besonderen Art. „Dikka wirklich FICKT DIESEN EINEN BASTARD der da heute reingefahren ist“, hieß es dazu in ihrer offiziellen Instagram-Story. „Liebe ist niemals der Fehler, Angst und Hass niemals eine Antwort“, las man dort weiter. Auch weitere Social-Justice-Warrior der BRD-Schickeria wie Bill Kaulitz, Sarah Connor oder Herbert Grönemeyer posteten sogleich Trauerbekundungen in den sozialen Medien. Während vergangene islamistische Anschläge und Morde meist wenig bis gar keine Erwähnung im Promi-Establishment fanden, folgt dieses Mal eine ganze Armada an Trauerstatements. Zum genauen Hintergrund der Tat will sich jedoch mal wieder niemand äußern. Schließlich war es kein Rechter, sondern ein Libanese und nicht einfach irgendein „Mann“, wie es sogleich von einigen queeren Influencern im Netz propagiert wurde, sondern ein polizeibekannter Islamist.
Und trotzdem trifft es diesmal eine Gruppe, die sich sonst nur zu gerne in ihrem Elfenbeinturm der Altbauwohnungen in den gehobeneren Stadtvierteln vor dem Ausmaß der geforderten „Toleranz“ und „Vielfalt“ versteckt. Es trifft Menschen, die erhobenen Hauptes gegen rechts und die AfD wettern, aber dabei völlig vergessen haben, dass verbale Kritik an ihrem ideologischen Wahnsinn keineswegs tödlich ist, anders als islamistische Attentäter, die mit gemieteten Autos in Menschenmengen rasen.
Es trifft Menschen, die wenige Wochen zuvor vermutlich noch auf einer Anti-AfD- oder Pro-Palästina-Demo rumsprangen. Es trifft diesmal all jene, die bei Maria, Susannah, Rouven, Leo, Liana und Co. weggeschaut haben. Menschen, die nach diversen Frauenmorden, Messerattacken und Anschlägen darauf beharrten, dass trotzdem alle Menschen gleich seien und Deutsche das auch machen würden.
Nach dem Mord an dem 22-jährigen Studenten in Trier, der Sohn einer CDU-Politikerin war, folgt nun der nächste Paukenschlag, der die bunten „Weiter so“-Ideologen ins Mark trifft, und auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen, leugnen und anderswo die Schuld suchen, können sie sich davon nicht mehr ganz frei machen.
Die Geister, die sie riefen, werden auch sie nicht mehr los.
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