Die Zerstörung der CDU

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Deutschland ist im Wahlfieber, denn in weniger als zwei Wochen stehen die vermutlich seit Langem entscheidendsten Wahlen überhaupt an. Sachsen-Anhalt wählt einen neuen Landtag, und erstmals könnte die AfD in Regierungsverantwortung kommen, ganz ohne Kompromisse mit anderen Parteien eingehen zu müssen.

Der Wahlkampf läuft seit Wochen auf Hochtouren. Die AfD dominiert mittlerweile nicht mehr nur in Sachsen-Anhalt die Umfragen, sondern erzielte kürzlich mit 24 Prozent auch in Rheinland-Pfalz ihr bestes Umfrageergebnis im Westen und steht aktuell im Bundestrend mit großem Vorsprung zur CDU auf Platz eins.

Doch während die AfD mit Ulrich Siegmund dem Wahlkampfendspurt entgegenfiebert und am vergangenen Wochenende noch eine erfolgreiche Simson-Tour in Quedlinburg veranstaltete, besteht der Wahlkampf des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze derzeit in erster Linie daraus, sich dafür zu rechtfertigen, dass er sich keinem direkten Duell mit Ulrich Siegmund bei Ben Berndt („Ben ungescriptet“) stellt.

Beide waren eingeladen. Doch offenbar war Schulze das Ganze zu heiß, und schließlich sagte er ab, weil er sich ja angeblich während des laufenden Wahlkampfes nicht in ein anderes Bundesland begeben wolle/könne.

Für seinen Auftritt bei „Markus Lanz“ war das wiederum kein Problem. Für seinen geplanten Auftritt bei „Jung & Naiv“ eigentlich auch nicht. Um den Schein seiner angeblichen Prinzipien zu wahren, sagte er nun nach reichlich Druck den geplanten Podcast-Auftritt bei Tilo Jung ab. Doch das war in dieser Woche nicht die einzige krude Geschichte in der CDU, die die Fassade noch weiter zum Bröckeln brachte. 

In Thüringen muss sich der amtierende Ministerpräsident Mario Voigt am kommenden Freitag erneut einem Misstrauensvotum im Landtag stellen, nachdem ihm kürzlich sein Doktortitel wegen Plagiats aberkannt wurde. Dabei handelt es sich bereits um das zweite Misstrauensvotum im laufenden Kalenderjahr. Noch steht seine nicht mehrheitsfähige Brombeer-Koalition, da auch das BSW in Thüringen trotz reichlich Drucks auf Bundesebene seitens Sahra Wagenknechts weiterhin an der gemeinsamen Koalition festhält.

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Doch während sein Widerspruch gegen die Aberkennung des Titels von der TU Chemnitz abgelehnt wurde, wählte ihn die thüringische Landes-CDU am vergangenen Wochenende mit einer großen Mehrheit von 84,6 Prozent erneut zum Chef des Landesverbandes und bewies dem Wähler damit nochmals, dass es in der CDU keinerlei Rückgrat mehr gibt. Während Karl-Theodor zu Guttenberg seinerzeit immerhin noch wegen Plagiatsvorwürfen zurücktrat, scheint den Christdemokraten im Jahr 2026 ihre Wirkung nach außen in Gänze egal zu sein. Es bleibt abzuwarten, ob dem meist pensionierten, verbeamteten, arbeitssüchtigen CDU-Wähler derartige Schummeleien im Berufsleben auch so egal sind wie dem Thüringer CDU-Landesverband. 

Doch nicht nur auf dem Parteitag in Thüringen, sondern auch bei Markus Lanz auf der Couch zeigte die CDU in der vergangenen Woche, dass sie nicht einmal die Illusion einer konservativen deutschlandliebenden Partei aufrechterhalten will. Der Europaabgeordnete Dennis Radtke kritisierte die Aussage von Friedrich Merz zum Stadtbild und führte aus, dass sich am Stadtbild ja sowieso nichts ändern würde, selbst wenn wir jeden illegalen Migranten abschieben würden, und dass sich die Menschen gewissermaßen damit arrangieren müssten, dass der letzte deutsche Metzger dichtgemacht hat und an dessen Stelle nun ein Halal-Metzger das Handwerk weiterführt.

Statt diese Befürchtungen zu entkräften und mögliche Lösungen für das Problem des Aussterbens deutscher Innenstädte (und Handwerksbetriebe) aufzuzeigen, bewies Radtke einmal mehr, dass seine Partei gar nicht willens ist, dem fortwährenden Zerfall entgegenzuwirken, und er sich stattdessen einfach mit dem Gedanken angefreundet hat. Schließlich gehört er sicherlich nicht zu jener Menschengruppe, die im Zweifel tatsächlich zum Halal-Metzger gehen muss oder existenziell vom Betriebssterben bedroht ist. 


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