Ich wurde von den Deradikalisierern des CSD-Terroristen deradikalisiert

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Gestern hätte Abdul Ballout seine dritte Deradikalisierungs-Sitzung beim Violence Prevention Network (VPN) gehabt. Abdul hatte zweimal versucht, nach Syrien zu reisen, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen. Vergangenes Jahr wurde er dabei im Libanon geschnappt und nach der Rückkehr in seine staatsbürgerschaftliche Heimat Deutschland unter anderem wegen „der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ verurteilt: ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung.

Seine Freiheit war an die Auflage geknüpft, zu regelmäßigen Deradikalisierungs-Gesprächen beim VPN zu erscheinen. In den vergangenen zwei Monaten fanden die ersten beiden davon statt. Der Eindruck der „Radikalisierungs-Experten“: Ein „sehr gefasster, sehr freundlicher, sehr kontrollierter“ Klient. Jedoch habe er mehr über seinen Alltag geredet als über Islamismus und Terror.

Seine Betreuung war Chefsache: Thomas Mücke, Mitbegründer und Geschäftsführer der eng ans Justizsystem angeschlossenen NGO, führte beide Gespräche mit ihm. Die Dreistigkeit dieses Kerlchens, nachdem sein Schützling unter seinen Augen einen Massenmord an der Zivilbevölkerung vorbereitet und dann tatsächlich 30 Menschen um- und einen totgefahren hat, ist bemerkenswert: Er tritt eine Medientour an, auf der er sich und seinen Verein damit bewirbt, welch hervorragende Menschenkenntnis sie in dem Fall bewiesen haben.

„Schnell kam Deutschlands bekanntester Experte Thomas Mücke (68) zu dem Urteil: Ballout ist nicht mehr erreichbar, lesen wir in der „Bild“. Es habe „keine Zugänge mehr gegeben, er sei „nicht für ein Deradikalisierungsprogramm geeignet gewesen. Beeindruckend, solch eine präzise Diagnose schon nach zwei Treffen. Da sind offenkundig echte Experten am Werk. 

Noch beeindruckender wäre es nur gewesen, wenn der Typ dann auch wieder im Bau verschwunden wäre, anstatt in Freiheit den nächsten Termin für eine laut dem VPN-Chef selbst aussichtslose Deradikalisierung zu bekommen. Datiert auf zwei Tage nach seinem Anschlag. Oder wenn er im Mindesten auf Anraten des VPN hin überwacht worden wäre, anstatt mit einem Buschmesser bewaffnet im weißen Transporter ungestört Berlin unsicher zu machen.

Genau genommen sollte Mücke sich mal selbst psychologisch untersuchen lassen, wenn er es für angemessen hält, mit seinen Einschätzungskünsten zu prahlen, während der ihm anvertraute Islamist gerade mit einer blutbeschmierten Machete in einer Spandauer Gartenlaube auf das SEK wartet: Das „Bild“-Interview erschien Sonntagabend, kurz nach seiner Erschießung.

Wie regelmäßige Leser wissen werden, wurde ich vor gut einem Jahr selbst vom VPN „deradikalisiert“. Von August 2024 bis Ende Mai 2025 saß ich wegen verschiedener Meinungsdelikte im Gefängnis. Das gravierendste davon: das Einspielen der Songparodie „What the Black Says” des Comedian Rucka Rucka Ali, für das es sechs Monate gab.

Ohne realistische Hoffnungen auf eine vorzeitige Entlassung (unter normalen Umständen wären die Deradikalisierer mir aus einer erheblichen Machtposition heraus gegenübergetreten, da ihr Bericht maßgeblich für meine Bewährungschancen gewesen wäre) ergab sich für mich die Gelegenheit, sie zu löchern.

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Mir wurde ein Deradikalisierungs-Duo bestehend aus einem Mittvierziger mit stahlblauen, eindringlichen Augen und einer 30-jährigen, etwas fülligen Kumpeline, die betont locker auftrat, vor die Nase gesetzt. Während sie meine Straftaten und Weltanschauung erfragten, tat ich dasselbe mit ihrer „Rechtsextremismus“-Definition: Was genau sollte hier bekämpft werden?

Die Anstalt selbst hatte mir darauf geantwortet, die genauen Kriterien des VPN seien ihr nicht bekannt. Die Deradikalisierer wiederum zogen sich auf die Bewertung der Justiz zurück: Ich säße ja im Gefängnis, dementsprechend seien meine Einstellungen offenkundig problematisch. Welche meiner bereitwillig im Detail ausgebreiteten Überzeugungen das seien und demnach hier „bearbeitet“ werden sollten, hüllten sie in Schweigen.

Ich stocherte nach: Ist Remigration extremistisch? Ihre Politikerantwort: Es komme darauf an, was daraus jetzt folge – wenn man deswegen jetzt ein Haus anzünden wolle oder der Meinung sei, dass „alle raus“ müssten, sei das etwa Extremismus. Ich entgegnete, dass, während Ersteres eine Straftat darstelle, Letzteres gespiegelt (also „alle rein“) jahrelang im Fernsehen gelaufen sei. 

Sie konterten, dass auch Aussagen ohne direkten Gewaltbezug gefährliche, antimigrantische Stimmungen befeuern könnten. Daraufhin gerieten wir in eine Diskussion über explizite Gewaltverherrlichungen von Mainstream-Figuren, die ohne juristisches Nachspiel blieben; Böhmermanns „Nazis keulen“ etwa. Und hier kam es zum vielsagendsten Moment:

Sie bestritten die Ernsthaftigkeit des Aufrufs mit dem satirischen Kontext. Ich führte daraufhin Böhmermanns Gag-Schreiber „El Hotzo“ an, der die Ermordung eines Trump-Fans in Pennsylvania „absolut fantastisch” genannt hatte, um zu untermauern, dass das „ZDF Magazin Royale“-Team die Ermordung politischer Gegner tatsächlich feiert. Da platzte es dann ausgerechnet aus der performativ entspannten Kumpeline heraus:

„El Hotzo hat alles verloren! Seinen Job, alles!“

Es war der einzige echte Moment in dem Gespräch: ehrliche Entrüstung. Sie fühlte sich diesem linksextremen Clown so nahe, dass meine Ausführungen sie betroffen machten.

Dieser Eindruck täuschte nicht: Das VPN ist eine extrem linke Organisation. Vergangenen Sommer veröffentlichte es einen Online-Kurs zum Thema „Rechtsextremismus im Gaming“. Dabei echauffierte man sich über den Gegenwind nach Shurjokas Ernennung zur „Gamerin des Jahres“ und unterstellte der Gaming-Szene aufgrund des Festhaltens an der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen Tendenzen zu einem „rechtsextremen Weltbild“. Der Fall Abdul Ballout war kein Zufall: Diese Leute sind genauso verdreht wie der Großteil ihrer Schützlinge.

Anders als bei Ballout lehnten sie jedes weitere Gespräch mit mir ab.


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