Friedrich II. – der Große, der „Alte Fritz“ – steht bis heute in der ungebrochenen Gunst all jener, die sich für die deutsche Geschichte im Allgemeinen und das untergegangene Preußen im Besonderen erwärmen können. Dabei fasziniert er die Nachwelt durch seine extremen Facetten: Für Geistesmenschen ist er der Flötenspieler von Sanssouci, der bei Kerzenschein an einer reichgedeckten Tafel mit Voltaire parliert – ein Philosophenkönig, dessen scheinbar homoerotische Neigung ihn umso mehr als Feingeist empfiehlt. Für Militaristen hingegen ist all das nur nettes Beiwerk oder allenfalls ein Alibi. Für sie steht der Sieger der Schlacht von Leuthen in der Tradition Alexanders des Großen, vor dessen Grab selbst Napoleon ehrfürchtig sein Haupt neigte. Die Freunde der deutschen Küche wiederum adeln den Alten Fritz erst für die Einführung der Kartoffel. Es sind ausgerechnet diese profanen Erdäpfel, und nicht etwa Kompositionen oder Orden, die Bewunderer noch heute auf seiner Grabplatte niederlegen.
Historisch gesehen erhob Friedrich II. das Königreich Preußen zur europäischen Großmacht, wo es fortan seinen Platz neben Frankreich, England, Russland und Österreich einnahm. Aus diesem Grund verdiente er sich auch den Beinamen „der Große“. Was dabei jedoch allzu gerne vergessen wird, ist das enorme Risiko seines Aufstiegs: Eine einzige verlorene Schlacht oder eine verirrte Musketenkugel hätten dieses Ansinnen dauerhaft vereiteln können. Wie schmal dieser Grat zwischen Ruhm und Untergang ist, zeigt das Schicksal Karls XII. von Schweden. Nur wenige Jahre vor Friedrich II. spielte dieser schwedische König ebenfalls mit extrem hohem Einsatz – und verlor erst die Entscheidungsschlacht, dann den Krieg und schließlich sein Leben. Sein Königreich Schweden erholte sich davon nicht mehr und trat dauerhaft zurück in die zweite Reihe der europäischen Mächte. Am Ende beweist Friedrichs Erfolg vor allem eines: Mit ihren Gewinnern ist die Geschichte gütig, mit ihren Verlierern hingegen gnadenlos.
Der Vater: Friedrich Wilhelm I.
Die Geschichte Friedrichs des Großen ist jedoch untrennbar mit seinem Vater, Friedrich Wilhelm I., verbunden. Im Urteil der Spätgeborenen nimmt dieser eine zwiespältige Rolle ein: Bis weit ins Deutsche Kaiserreich hinein wand man ihm zwar den Kranz und betonte stets, dass erst er dem späteren Erfolg seines Sohnes den Weg geebnet hatte. Doch die schwierige Beziehung zwischen Vater und Sohn überschattete schon damals den Umgang mit Friedrichs Vater – und sie tut es heute umso mehr. Wenn man die Geschichte von Friedrich dem Großen erzählt, beginnt sie für viele im Festungskerker von Küstrin. Von dort aus musste der junge Friedrich die Hinrichtung seines Jugendfreundes Hans Hermann von Katte mit ansehen. Es war der absolute Tiefpunkt eines brutalen Familienkonflikts, der die Frage aufwirft: Welcher Vater konnte so etwas befehlen?
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