Die herausragende Rolle Deutschlands und des deutschen Volkes im zurückliegenden Jahrtausend fußt auf drei maßgeblichen Faktoren: die geographische Lage im Zentrum Europas, die kulturelle Heterogenität und die sich daraus ableitende Entwicklung zahlreicher Territorialherrschaften und eine ganz sonderbare Willens- und Tatkraft der Deutschen selbst. In der Spätantike durchzogen die germanischen Stämme alle Winkel Europas, sie siedelten vom Norden Englands bis nach Nordafrika. Auf den Trümmern des weströmischen Reiches gründeten ihre Heerführer jene Reiche, aus denen sich im Laufe des Mittelalters und der frühen Neuzeit die europäische Staatenwelt herauskristallisierte. Vom Ende des 9. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts drangen die Deutschen im Rahmen der Ostsiedlung über die Elbe und Saale vor und ließen sich bis ins nördliche Baltikum nieder. Deutsche Kolonisten kamen aber nicht nur als Eroberer nach Osteuropa, sondern sie folgten auch expliziten Einladungen. Ihr Ruf war über die Landesgrenzen hinweg exzellent. Sie waren tüchtig und schreckten nicht vor den Herausforderungen zurück, ihre angestammten Höfe zu verlassen, um in der Fremde Land urbar zu machen, Felder anzulegen und Städte zu gründen.
Kultureller Export und geographische Bedrohung
In vielen Teilen Europas gelangten deutsche Gelehrte zu einflussreichen Positionen, deutsche Kaufleute knüpften ein dichtes und vitales Handelsnetz, deutsche Produkte und Ideen gelangten schließlich in alle Winkel der Erde - von der Solinger Messerklinge über das Meißner Porzellan und Bachs Kantaten bis hin zu den Werken deutscher Schriftsteller und Philosophen. Entgegen der populären Auffassung war dem Deutschen der ordinäre Rassismus fremd. Kein Volk brachte über die Jahrhunderte derart viele Forscher hervor, die sich mit einem so großen und unvoreingenommenen Interesse der Ergründung des Fremden widmeten. Der Deutsche durchstreifte die Urwälder Südamerikas, er kartografierte Afrika, er entdeckte das verschollene Troja, er folgte dem Verlauf der Seidenstraße. Selbst „daheim", in seinen eigenen vier Wänden, übertrat der deutsche Grenzen und imaginierte sich in die verheißungsvolle Fremde - und das so glaubwürdig, dass er den Horizont ganzer Generationen zu erweitern wusste, wie etwa die Werke von Karl May beweisen.
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