Es gab einmal eine Zeit, in der jedes Schulkind unserer Nation die Namen der preußischen Reformer herunterbeten konnte. „Scharnhorst, Gneisenau, Humboldt, vom Stein, Hardenberg“, piepte es aus den Mündern, während der Lehrer andächtig durch die Bankreihen schritt. 1813 – das war einmal ein Gründungsmythos, das war stolzes Gedenken an die Siege, die unsere Vorfahren erfochten, und die Opfer, die sie dafür erbrachten.
Das klingt im Sommer 2026 etwas befremdlich, regelrecht anrüchig. Aber Reformer, so viel sei gesagt, werden auch hierzulande eines Tages wieder nötig sein. Wann das der Fall sein wird, sei dahingestellt. Bis es so weit ist, gilt es, die Zeit zu nutzen. Denn im Gegensatz zu verlorenem Boden kann diese nicht zurückerobert werden. Diese Einsicht bringt uns direkt zu unserem konservativen Hipster – gestatten: Gerhard Johann David von Scharnhorst.
Am 12. November 1755 in Bordenau bei Hannover als Sohn eines Gutsbesitzers geboren, betritt er schon bald die Welt des Militärs. Obgleich dies für seine Zeit keine ungewöhnliche Karriere ist, fällt der junge Leutnant der hannoverschen Artillerie schon bald durch seinen Bildungshunger auf. Die Dinge sind im Umbruch: Die amerikanischen Kolonien haben das englische Joch abgeschüttelt, und in Frankreich brauen sich bedenkliche Dinge zusammen.
Im Ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich dient Scharnhorst in Holland. Hier beweist er sein Können, vor allem aber sammelt er wichtige Erfahrungen. Der Feldzug ist nicht von Erfolg gekrönt; Scharnhorsts Vorgesetzte erkennen die Zeichen der Zeit nicht. Das Heer der Koalition ist langsam und behäbig. Man marschiert in steifen Linien in die Schlacht. Geschossen wird nur auf Kommando – und wer nicht spurt, bekommt Prügel.
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