Wahlen: Blick nach Mecklenburg-Vorpommern

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Mit der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern fand die zweite Landtagswahl des Jahres 2026 in einem ostdeutschen Flächenland statt. Sie stand, die mediale Präsenz und Aufmerksamkeit betreffend, weit im Schatten der Wahl in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen, nicht zuletzt, weil der Spitzenkandidat der AfD Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, weder dasselbe Charisma hat noch eine ähnliche Medienkampagne fuhr wie sein Kollege in Sachsen-Anhalt. Dennoch ist das Ergebnis durchaus vergleichbar: Die AfD ist der klare Gewinner der Wahl mit knapp 38 Prozent der Stimmen, auch wenn der Abstand zur dominierenden Altpartei, in dem Fall der SPD, weitaus geringer ist, da diese ca. 35 Prozent der Wähler hinter sich vereinen konnte.

Die Kanzlerpartei CDU ereilte das Schicksal, das sich viele für die SPD in Sachsen-Anhalt erhofft hatten: Sie verfehlte knapp den Einzug in den Landtag. Für die Union ist dieses Ergebnis eine Katastrophe, es ist die erste Landtagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik, in der sie nicht in ein Landesparlament einziehen konnte. Einmal mehr konnte ich mit meiner Schadenfreude über das Scheitern der Christdemokraten nicht hinterm Berg halten, gerade weil ihre Niederlage so viel bitterer war als bei der letzten Wahl – etwa 1.100 Stimmen fehlten, um die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden.

Ebenfalls knapp war es für das BSW, dessen Fraktion ebenfalls im Schweriner Landtag fehlen wird: Die Linksnostalgiker erhielten 4,8 Prozent der Wählerstimmen. Die Grünen sind mit 5,7 Prozent knapp über der gefährlichen Hürde, und die Linken erreichen 6,5 Prozent, während die FDP mit ihrem einen Prozent in der verdienten Bedeutungslosigkeit versinkt und eigentlich unter den sonstigen Parteien verbucht werden müsste.

Doch wie in Sachsen-Anhalt stellt sich auch bei dieser Wahl erneut die Frage: Wer sind die AfD-Wähler? Ähnlich wie das Bundesland an der Elbe ist auch Mecklenburg-Vorpommern ein künstliches Produkt der Nachkriegsordnung in Deutschland, zusammengesetzt aus Gebieten der mecklenburgischen Großherzogtümer und dem Westteil der einstigen preußischen Provinz Pommern, „Vorpommern“ genannt (Hinterpommern bildet heute einen Teil der polnischen Ostseeküste).

Dass diese beiden Gebiete über Jahrhunderte hinweg zu verschiedenen politischen Entitäten gehörten, lässt sich heute noch an den Wahlergebnissen ablesen: Während Mecklenburg eher sozialdemokratisch gewählt hat, gaben die Wähler im vorpommerschen Gebiet eher der AfD ihre Stimme. Das lässt sich sogar über die Grenzen der modernen Land- und Wahlkreise hinweg nachvollziehen, da diese nicht mit den historischen Grenzverläufen kongruent sind. Der Unterschied zwischen den beiden Landesteilen ist extremer als der in Sachsen-Anhalt; die Gemeinde etwa mit den meisten AfD-Stimmen ist das vorpommersche Groß Luckow, wo 78,6 Prozent der Wähler der Partei ihre Stimme gaben.

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Nur in wenigen Gemeinden Vorpommerns war die AfD nicht die stärkste Kraft, darunter in der Universitätsstadt Greifswald, wo die SPD diesen Titel verteidigen konnte. Selbstverständlich spielt da auch noch der Unterschied zwischen Land und Stadt hinein, liegen doch die drei größten Städte des Bundeslandes – Rostock, Schwerin und Neubrandenburg – im mecklenburgischen Landesteil.

Hinzu kommt die starke Präsenz der amtierenden SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die, anders als der CDU-Mann Sven Schulze in Sachsen-Anhalt, seit langer Zeit im Amt ist, sich als eine Art Landesmutter inszeniert und so das Vertrauen der nicht-rechten Wählerschaft genießt. Diese Wählerklientel wählte also weniger die SPD als Partei, sondern vielmehr Schwesig als Person, als „Frau gegen blau“, wie einer ihrer Wahlkampfslogans hieß. Dagegen verblasste fast der AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm, der, wie bereits erwähnt, kaum die mediale Präsenz von Ulrich Siegmund erreichen konnte. Eine verpasste Chance also, die die AfD womöglich noch über die 40-Prozent-Marke hätte hieven können und ihr angesichts des Wahldebakels der CDU sogar die absolute Mehrheit im Parlament hätte bescheren können.

Apropos CDU: Neu ist ebenfalls der Umstand, dass es sieben Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern gibt, in denen die Kanzlerpartei gerade einmal 0,0 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte – ein Novum in der wiedervereinigten Bundesrepublik. Auch bei den jungen Wählern schnitt die Union miserabel ab: Gerade einmal zwei bis drei Prozent der 16- bis 34-Jährigen wählten sie. Die Zukunft der Partei ist schwarz, stattdessen ist die Jugend zwischen den Linken, der SPD (auch hier spielt der Schwesig-Effekt eine Rolle) und der AfD aufgeteilt. Die besten Ergebnisse erzielte die Union bei der Wählerschaft 70 plus, dort immerhin sieben Prozent. Die AfD erhielt hingegen in der mittleren Alterskohorte die meisten Stimmen, dort holte sie 47 Prozent (bei den 45- bis 59-Jährigen) bzw. 46 Prozent (bei den 35- bis 44-Jährigen). Auch die Spaltung zwischen den Geschlechtern ist recht deutlich, gerade einmal 33 Prozent der Frauen wählten AfD, hingegen 44 Prozent der Männer.

Es wird also deutlich: Die Wahl war zwar ein Erfolg für die AfD, sie konnte ihren Titel als stärkste Kraft bei einer Landtagswahl zum inzwischen dritten Mal einholen, doch wahrscheinlich wäre mehr drin gewesen: Mit einer charismatischeren Führungsfigur und einer besseren Medienkampagne wäre der Abstand zur stärksten Altpartei vermutlich doch größer gewesen.


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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist eigentlich müßig zu schreiben,aber dennoch: Man arbeitet mit dem Personal was man hat,da man sich den perfekten eigenen Spitzenkandidaten halt nicht mal eben backen kann.
    Das eine Außnahme wie Sigismund es ist, mal aus der Laune heraus zum anzeigen eines Mindestmaß genutzt wird ist da ja schon unfair.

    Nun denn, persönlich erwarte ich bei solchen Beiträgen zukünftig das mir passendes Personal genannt wird was es klar besser gemacht hätte.
    Diese Erwartung wird nicht erfüllt werden.

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