Die Europäische Zentralbank lässt neue Euro-Scheine gestalten. Beethoven, Marie Curie und Leonardo da Vinci stehen zur Wahl, ebenso Flüsse, Eisvögel und Störche. Was wie eine harmlose Designfrage aussieht, berührt jedoch eine viel grundsätzlichere Frage: Welches Europa soll auf seinem Geld sichtbar werden – und über welche Fragen dürfen die Bürger tatsächlich entscheiden?
Geld ist schließlich mehr als ein Zahlungsmittel. Es ist die Visitenkarte einer politischen Ordnung. Millionen Menschen halten Banknoten täglich in der Hand. Wer festlegt, was darauf erscheint, prägt damit auch das Bild, das eine Gesellschaft von sich selbst zeichnet.
Die alte Neutralität war ehrlicher
Die bisherigen Euro-Scheine lösten dieses Problem auf bemerkenswert nüchterne Weise. Ihre Brücken, Tore und Fenster waren fiktiv, ihre Baustile hingegen unverkennbar europäisch: Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und Moderne. Keine Nation konnte den Eiffelturm, das Brandenburger Tor oder das Kolosseum für sich reklamieren.
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