0
exc-5ee6155b17afcd5641d14e23

Wird Vice jetzt schwarz? Hilfeschreie im Hotel Mama

14. Juni 2020
in 2 min lesen

von Alex Cryso

Mit dem Jugendkult ist das schon so eine Sache: Frรผher hatten die Kids noch echte Vorbilder. Zu meiner Zeit wollte man so gut Tennis spielen wie Boris Becker, die Mรคdels spรคter aussehen wie J.Lo oder als Modell Karriere machen wie Claudia Schiffer.

Und wer von den Lesern hier damals schon auf der Welt war: Frรผher, irgendwann in den Achtziger, gab es als Alternative zu den Poesie-Alben diese โ€žStell Dich vorโ€œ-Bรผchlein. Quasi als Portrait konnten verschiedene Fragen zur Person beantwortet werden, wie etwa: Was ist Deine Lieblingsfarbe? Lieblingsbuch? Lieblingsessen? Liebstes Urlaubsziel? usw. Auch die Rubrik der Vorbilder gab es: Da wurde รถfters der Name Arnold Schwarzenegger genannt, Maradona, Jรผrgen Klinsmann, wรคhrend die ganz Gescheiten gerne Mahatma Ghandi reinschrieben, ein Kรคmpfer fรผr den Frieden, die Gerechtigkeit und das Gute. Doch mal ehrlich: Hatte die Menschheit zeitlebens echte Vorbilder? Leute, nach denen andere ihr Leben ausgerichtet hatten und deren Erfolgsstory man eins zu eins auf sich selbst รผbertragen wollte? Wohl kaum!

Dabei schickt sich nun ein seit drei Wochen toter US-Schwarzer an, das grรถรŸte Anti-Idol aller Zeiten zu werden: Der Schwerverbrecher George Floyd, fรผr den ganz Amerika momentan in Schutt und Asche gelegt wird und der auch in Deutschland die Massen in erschreckendem AusmaรŸe mobil macht. Da treffen sich zehntausende von jungen Leuten in den Parks und Stadtzentren, strecken gemeinsam die Fรคuste in den Himmel und lassen somit Erinnerungen an alte, wenn auch keinerlei guten Zeiten wach werden. Instrumentalisierung in Reinkultur und auch der Jugendkult ist wieder hellwach, wenn etwa hunderte von Antifas am helllichten Tag ein Polizeirevier belagern wie unlรคngst in Stuttgart geschehen oder gegen die Abschiebung von muslimischen Mรถrdern und Terroristen demonstrieren.
Unser tรคgliches Lesefutter gibt uns heute, schlieรŸlich braucht auch dieser Jugendkult seine geistige

Nahrung. Da gibt es beispielsweise die Volksverpetzer, Bento oder Vice, alles Bildzeitungen fรผr linke Hipster, Bionade-Trinker, Aldi-Vegan-Esser und frรคuleinhafte Neu-Frigidas der โ€žkein Sex mit deutschen Mรคnnernโ€œ-Fraktion im ewigen Jungfernlook. Die traurige Nachricht des Tages: Bento geht es nicht besonders gut! Das Mutterblatt vom Spiegel kickte elf von einstmals 16 Redakteuren, wie immer werden wirtschaftliche Verluste als Hauptgrund fรผr das jรคhe Aus genannt. Unter dem wenig erotisierenden Titel โ€žSpiegel Startโ€œ soll es jedoch bald weitergehen. Dabei lieben unsere orientierungslosen Kids doch solche Stories wie: โ€žWarum mein Lieblingspornostar auf gefrorenes Elefantensperma stehtโ€œ oder โ€žDieser afrikanische Knochensammler mag das Fleisch von 90-Jรคhrigenโ€œ (Titel frei erfunden).

Ein Blick in die heutige Online-Ausgabe von Vice liefert zudem die nรถtigen Kampfparolen fรผr alle Mรถchtegern-Antifas und solche die es werden wollen: Bei โ€žSo setzt Du dich aktiv gegen rassistische Gewaltโ€œ heiรŸt es brav Marsch! Marsch! auf die nรคchste Black Lives Matter-Demo zu gehen, um dabei auรŸer Acht zu lassen, dass die anti-rassistische Gewalt derzeit bei weitem รผberwiegt. In โ€žVier Denkmรคler in Deutschland, die wir gerne versenken wรผrdenโ€œ, wird das Anti-Deutsch-Sein nochmals richtig angeheizt. Und in โ€žWie wรคre es, wenn wir die Polizei einfach abschaffen?โ€œ will man uns einreden, dass George Floyd รผberall und jeden Tag passiert, um den Weg zur ungezรผgelten Anarchie endgรผltig frei zu machen.

Gebasht wird alles und jeder auf der Linie von Bjรถrn Hรถcke bis Donald Trump. Rassisten sind an jeder Ecke zu finden, die Burka ist hingegen ein absolutes Freiheitssymbol und eine erhobene Faust gegen die weibliche Unterdrรผckung, die angeblich nur im Kapitalismus stattfindet. Unvergessen das Interview mit einem Nazi-Jรคger aus der linken Szene, der seine Gewaltakte schlichtweg als โ€žirres Adrenalinโ€œ beschreibt. Moralischer Verwerfung werden Tรผr und Tor geรถffnet. Den Wahrheitsgehalt der Geschichten, vor allem derer aus dem Nazi-Lager, darf man gerne mal in Frage stellen. Trash sells, schon Mama hatte uns beigebracht, dass man Mรผll nicht essen soll. Soviel zum Jugendkult heute.

ABOS

Bรผcher

SPIELE