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Integration erfolgreich abgeschlossen

19. Oktober 2020
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Nun ist es auch in diesem Lebensabschnitt so, wie es immer ist: Der Klamauk nutzt sich ab, je รถfter er bedient wird. All die Beitrรคge zu den รผblichen Verdรคchtigen locken mich immer seltener hinter meinem gemรผtlichen Kachelofen hervor, und mein geistiges Humorzentrum langweilt sich gewaltig. Ein Blick in oben erwรคhntes Magazin kann Abhilfe leisten. Und so wurde ich auch dieses Mal nicht enttรคuscht. Ich stieรŸ auf einen Gastbeitrag eines ร„gypters, der in Berlin seine Lebenserfรผllung fand. Unter der Rubrik โ€žSex auf Arabischโ€œ, durfte er von seiner Reise aus Alexandria รผber Marburg in die deutsche Landeshauptstadt erzรคhlen. Seine Geschichte der Persรถnlichkeitsentfaltung, wie der Beitrag รผberschrieben ist, lรคsst sich schwer mit einem Wort beschreiben.

Als Kind an Krebs erkrankt, geheilt, dann bei einem Autounfall einen dauerhaft deformierten Arm erhalten, macht er sich, nachdem ihm seine Eltern eine teure Ausbildung in einer Privatschule finanziert haben, deprimiert von der fehlenden Akzeptanz seiner Mitmenschen auf den Weg nach Marburg, um Pharmazie zu studieren. Aber siehe da, die Marburger Kommilitonen nahmen ihn wohl nicht alle mit offenen Armen auf, angeblich aufgrund seiner mangelnden Deutschkenntnisse, und mit den Mรคdels klappte es auch nicht so recht.

Welch Glรผck, dass dann sein Bruder nach Berlin zog, er ihn dort besuchte und sofort hingerissen war von der Atmosphรคre, die dort herrscht: โ€žIn meiner ersten Nacht im Berghain war ich die meiste Zeit alleine. Die Gruppe hatte ich schnell verloren. Aber das machte nichts. Ich war genug mit den Bildern beschรคftigt, die auf mich einschossen. Ich sah groรŸe, schwule Machomรคnner, die im Lederoutfit zu hartem Industrial tanzten und Frauen im durchsichtigen Body, die auf der Unisex-Toilette eine Line Koks zogen. Dabei schoss mir eine Frage immer wieder durch den Kopf: Wie kรถnnen diese Menschen nur so selbstbewusst und frei sein?โ€œ.

Es geht weiter mit Schilderungen รผber seinen eigenen Drogenkonsum, er trifft auf eine Frau, die er nach wenigen Wochen schwรคngert, er arbeitet in einer Bar, kann kein Vollzeit-Papa sein. Die Frau bekommt das Kind, sie trennen sich, und der 26 jรคhrige ร„gypter ist endlich angekommen: โ€žDie ersten sechs Monate nach der Geburt waren zu hart fรผr mich. Ich war mit dem Leben als Familienpapa รผberfordert und wurde wieder depressiv.

Vier Monate nach der Geburt meiner Tochter zog ich wieder aus. Heute bin ich Teilzeit-Papa. Ich liebe meine Tochter รผber alles und versuche, sie dreimal die Woche zu sehen. Trotzdem kommt es manchmal vor, dass ich mein Kind eine Woche lang nicht sehe und stattdessen auf einen Rave gehe. Ich weiรŸ, dass das egoistisch ist. Aber ich will meine Tochter nur dann sehen, wenn ich mich voll und ganz auf sie einlassen kann. Das geht nur, wenn ich auch auf meine eigenen Bedรผrfnisse achte. Nur wenn ich auf nichts verzichte, kann ich der Vater fรผr sie sein, den sie braucht.โ€

Mit dem Pharmaziestudium hat es scheinbar nicht geklappt, und dass er, statt in Berlin mit Drogen vollgepumpt die Nรคchte durchzufeiern, seine Deutschkenntnisse aufpoliert hat, kann ich nicht รผberprรผfen, aber nach der Lektรผre seiner Lebensgeschichte bin ich so frei, das zu bezweifeln. Ja, die Sรผddeutsche hat es einmal mehr geschafft, mir ein Schmunzeln zu entlocken. Und da sagen immer alle, der Humor in Deutschland sei ausgestorben.

ABOS

Bรผcher

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