Seit September letzten Jahres sitzen erstmals zwei Transgender-Frauen fรผr die Grรผnen im Deutschen Bundestag, Tessa Ganserer und Nyke Slawik. Nyke Slawik ist 28 Jahre alt und hat ihre geschlechtsangleichende Operation bereits hinter sich. Tessa Ganserer outete sich 2018 erstmals als Transfrau. Bis dahin saร โsieโ noch als Markus Ganserer im Landtag von Bayern.
Ganserer ist mit einer Frau verheiratet und war einst Vater zweier Kinder. Im Personalausweis fรผhrt Tessa immer noch ihren โDeadnameโ Markus, das heiรt den abgelegten alten Namen, hat bis jetzt keine Hormontherapie vollzogen und mรถchte auch in Zukunft seine Geschlechtsorgane nicht angleichen. Juristisch und physisch gesehen ist Ganserer damit noch immer ein Mann.
Trotzdem gelangte sie im vergangenen Jahr dank des Frauenstatuts der Grรผnen รผber einen Frauenquotenplatz in den Bundestag und wird auch dort als weiblicher Mandatstrรคger gezรคhlt.
Das Ganze zum Unbehagen der feministischen Initiative โGeschlecht zรคhltโ. Diese Gruppe hatte bereits im November beim Wahlprรผfungsausschuss Widerspruch eingelegt. Als Begrรผndung fรผr ihre Klage fรผhrten die 14 Initiatoren von โGeschlecht zรคhltโ unter anderem das abgelehnte โSelbstbestimmungsgesetzโ und das wiederum immer noch geltende Transsexuellengesetz an.
Mit dem Selbstbestimmungsgesetz sollte bereits 2021 der Weg von biologisch definierten Geschlechtsmerkmalen hin zur empfundenen Geschlechtsidentitรคt geebnet werden. Im Bundestag scheiterte das Vorhaben, im Frauenstatut der Grรผnen jedoch wird โGeschlechtโ anhand des gefรผhlten Genders definiert.
Hilde Schwathe, eine der Hauptinitiatorinnen von โGeschlecht zรคhltโ, รผbt heftige Kritik am Bundestagseinzug Ganserers als Quotenfrau, da das abgelehnte Selbstbestimmungsgesetz so durch die Hintertรผr ins Reichstagsgebรคude gelangt sei. Schwathe empfindet die Geschlechtsidentitรคt als Affront gegenรผber biologischen Frauen, da sie รผberzogen von weiblichen Klischees sei und in Zukunft auch einige Verรคnderungen in Kriminalstatistiken et cetera mit sich bringen kรถnnte.
In einem kรผrzlich erschienenen Artikel der โEmmaโ รคuรerte sich Schwathe gekonnt kritisch und sprach von etlichen Mitstreitern aus Politik, Wirtschaft und Justiz, die sich ihrer Initiative bereits angeschlossen hรคtten. Bei den Grรผnen und einigen anderen intersektionellen Feministen hingegen stieร die Klage auf taube Ohren und sorgte fรผr einen Shitstorm gegen โTERFsโ (โtrans exclusionary radical feministsโ) und Schwarzers Magazin. Ganserer betonte bereits in vergangenen โTazโ-Interviews: โEin Penis ist nicht per se ein mรคnnliches Sexualorgan.โ
Sollte die Klage von โGeschlecht zรคhltโ, wie zu vermuten, nicht durchkommen, wรผrden die Weichen fรผr eine neue Abstimmung รผber das Selbstbestimmungsgesetz gestellt. Danach wรคre Gender komplett neu definiert und die Rechtsgrundlage fรผr etliche Antidiskriminierungsbuรen geschaffen.
Doch vielleicht kรคme eine solche Gesetzesรคnderung auch den frauenรคrmeren Parteien und Organisationen zupass, da dadurch willkรผrlich und wahllos Geschlechter und Rollen getauscht werden kรถnnen und somit auch vorherige Quotenregelungen obsolet sind.

