Von Hans Wurst
Hobbys sind wichtig und wunderbar. Sie geben uns den dringend benรถtigten Ausgleich zu unseren langweiligen Jobs, denn sie erfordern von uns Fertigkeiten, die sonst nicht beansprucht wรผrden. Und sie erweitern unseren Horizont, denn sie lassen uns in Welten eintauchen, die uns andernfalls verborgen bleiben wรผrden.
Es gibt relativ gewรถhnliche Hobbys, wie etwa ein Instrument spielen, elf รผberbezahlten Fuรballsรถldnern die Daumen drรผcken oder ร-Eier-Figuren sammeln. Jetzt gibt es allerdings Menschen, die in anderen Maรstรคben denken. Da reicht dann etwa nicht mehr die Modelleisenbahn im Keller, da muss es dann gleich eine riesige Anlage in der Hamburger Speicherstadt sein. Ganz ehrlich, wenn man die Kohle dafรผr hat – warum nicht?
Jeder braucht ein Hobby
Das dachte sich vielleicht auch der wohlhabende Finanzmakler Klaus-Dieter Flick, als er im Jahr 1977 รผber englische Kontaktleute an einen schrottreifen Panzerkampfwagen V โPantherโ gelangte.
Der โPantherโ wurde seinerzeit als Reaktion auf die fortschrittlichen russischen Panzer entworfen und gelangte ab 1943 an die deutschen Panzerverbรคnde. Etwa 6.000 Stรผck wurden bis Kriegsende hergestellt. So in etwa steht es jedenfalls auf der Schachtel des entsprechenden Revell-Modells.
Was unsereins also im zarten Kindesalter aus Plastik zusammenfriemelte, stand als 44-Tonnen-Schrotthaufen Ende der 1970er bei Flick. Der nahm sehr viel Geld in die Hand, um die Raubkatze aufwendig zu restaurieren. Dabei ging ihm auch die Bundeswehr zur Hand, denn das Interesse an alter Kriegstechnik ist dort – wer kรถnnte es ahnen! – sehr groร. Die Armee erhielt dafรผr von Flick fast 30.000 โฌ.
โSchneerรคumen? Halt mein Bier.โ
Jedenfalls stand der Panzer neben einigen anderen Waffen รผber Jahrzehnte in der Garage des Militaria-Liebhabers. In seinem Wohnort war das Arsenal des Sammlers kein Geheimnis – es kursiert sogar die Geschichte, dass Flick mit dem โPantherโ wรคhrend des harten Winters von 1978 beim Schneerรคumen geholfen hรคtte. So oder so, der Panzer galt als ordnungsgemรคร demilitarisiert – das Geschรผtz funktionierte nicht mehr und Teile der Panzerung waren entfernt worden.
Dann kam das Jahr 2015: Im Zuge einer Ermittlung nach den โHitler-Pferdenโ – ein Begriff, der lรคngst symptomatisch ist – durchsuchte das LKA das Flick-Anwesen und stieร auf den besagten Panzer und auf jede Menge Waffen (darunter eine Flugabwehr-Kanone und ein Torpedo). Da war die โNazi-Kunstโ auf einmal nicht mehr so wichtig. Eine Breker-Statue im Garten von Flick entpuppte sich etwa als Kopie.
An dieser Stelle ein Wort zur โNazi-Kunstโ: Wir reden hier nicht von geraubten Kunstwerken. Wir reden hier nicht von Gegenstรคnden, die ihrem Vorbesitzer rechtswidrig entrissen worden sind. Wir reden hier von Devotionalien eines untergegangenen Regimes, das auf einen Haufen Leute irgendwie โanziehendโ wirkt.
Berichterstattung im Guido-Knopp-Style
Dazu gehรถren millionenschwere Sammler wie Flick. Dazu gehรถren aber auch solche Journalisten, die meinen jedes Relikt dieser Zeit mit dem Prรคdikat โHitler-โ (Hitler-Pferde) oder โNazi-โ (Nazi-Panzer) versehen zu mรผssen, um fรผr ihre Leser auch ja diese spezielle Aura aus kalten Bunkerwรคnden und schwarzen Uniformen zu erzeugen.
Sechs Jahre nach der Untersuchung der Nazi-Villa (siehst Du, ich mach es schon selbst!) steht der 84-Jรคhrige Flick nun vor Gericht. Er soll gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoรen haben, denn ein Teil seiner Waffensammlung wรคren in einem tadellosen Zustand, so die Anklage. Flicks Verteidigung bestreitet dies.
Der โSรผddeutsche Beobachterโ (alle Rechte liegen bei Michael Klonovsky) kommentiert: โAuch die New York Times oder der Guardian staunten รผber den Nazipanzer aus dem Rentnerkeller. Es war kurios, aber wirklich lustig ist die Causa mit Granatwerfer und Rumpftorpedo nicht.โ
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Es interessiert keine Sau, was die Times oder der Guardian zu diesem Fall berichten. Und es nervt, wenn deutsche Blรคtter ihren Minderwertigkeitskomplex damit auszubรผgeln versuchen, wenn sie ach so weltmรคnnisch auf angelsรคchsische Blรคtter verweisen.
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Es heiรt Panzer. Einfach nur Panzer! PANZER!!!
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Was zum Teufel ist ein โRentnerkeller?!โ
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Doch, es ist lustig. Es ist zum totlachen!
Nachdem man sich also durch sรคmtliche deutschsprachigen Medienberichten zu dem Prozess gewรผhlt hat, nachdem man zum x-ten Male erklรคrt bekommt, dass das Hobby des Rentners schon etwas grenzwertig, ja regelrecht krank sei, nachdem man also immer und immer wieder von โNazipanzernโ und โNaziwaffenโ liest, aber wenig zum Prozess selbst erfรคhrt, scheinen sich wohl folgende Fakten heraus zu kristallisieren:
Die einzige Waffe, die vielleicht gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoรen kรถnnte – KรNNTE! -, ist die 8,8 cm Flugabwehrkanone. „Das Rohr scheint in einem deutlich besseren Zustand zu sein“, bescheinigte der Richter. Vielleicht wird also die โAcht-Achtโ nachtrรคglich demilitarisiert, vielleicht gibt Flick sie auch an ein Museum – man kann es nur vermuten.
Man nennt es Diebstahl
Den Panther hatte man im Zuge der Hausdruchsuchung von 2015 abgeschleppt – mit tatkrรคftigem Einsatz der Bundeswehr, die in den Jahrzehnten zuvor, ich hab es bereits erwรคhnt, bei der Restaurierung geholfen hat. Dass der Koloss beim Abtransport beschรคdigt worden sein kรถnnte, ist sehr wahrscheinlich. Wahrscheinlich ist auch, dass Flick fรผr diese letztlich symbolpolitische Hau-Ruck-Aktion niemals entschรคdigt werden wird.
Alles in allem bleibt die Sache ein Lehrstรผck: Flicks Nachbarschaft hatte kein Problem mit dem Hobby des alten Mannes, denn wie heiรt es so schรถn: โLeben und leben lassen.โ Der Staatsanwaltschaft und der Presse hingegen sind Freiheit und Privateigentum egal: Nazipanzer! Hitlerpferde! Vielleicht endeckt man in Flicks Keller doch noch den fehlenden Hoden des Fรผhrers? Weitersuchen!
Erhellend sind an dieser Stelle die Top-Kommentare auf das oben verlinkte Video. Vielleicht nicht in Deutschland, aber dafรผr an vielen anderen Orten der Welt, kennt man die Bedeutung des Wortes โDiebstahl.โ
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