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Barbie und die Oscars

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Schon wieder ist der „Barbie“-Film in aller Munde. Letztes Jahr im Juli erschien der Realfilm über die allzeit bekannte und beliebte Plastikpuppe von Mattel weltweit in den Kinos (ja, wir haben ihn uns angesehen). Mit einem Einspielergebnis von insgesamt über 1,3 Milliarden US-Dollar wurde er schnell zum erfolgreichsten Film des Jahres 2023. Pinke Kleider und Diskussionen über das Patriarchat und den Feminismus prägten den Sommer der popkulturellen Medienwelt.

Wer den Film bislang noch nicht gesehen oder einfach erfolgreich gemieden hat, für den folgt hier eine kurze Zusammenfassung: In „Barbie“ geht es um die Stereotyp-Barbie, gespielt von Margot Robbie, die eines Tages in ihrem pinken, harmonischen, glamourösen Barbieland aufwacht und Gedanken an den Tod hegt. Ihre Füße werden entgegen der Barbie-Norm flach, und schnell wird sie vor die Wahl gestellt, ihre neuerlichen Mängel hinzunehmen oder aber dem Rätsel in der Real World, also der echten Menschenwelt, auf den Grund zu gehen. Gemeinsam mit Ken, gespielt von Ryan Gosling, reist sie nach Los Angeles, um das Mädchen zu finden, welches mit ihr spielt. Während Barbie auf dem Weg dorthin dumme Anmachsprüche von Männern erntet, sexuell belästigt und von der Tochter ihrer Besitzerin aufgrund ihres makellosen Aussehens als „Faschistin“ beleidigt wird, entdeckt Ken diese vermeintlich männerdominierte Welt für sich. Er findet Gefallen an Minikühlschränken, Bier, Pferden und dem Patriarchat.

Schließlich reist er zurück nach Barbieland, um dort ebendieses durchzusetzen. In der Zwischenzeit findet Barbie ihre Besitzerin Gloria, gespielt von America Ferrera, die eine Mitarbeiterin des Spielzeugkonzerns Mattel ist, dessen Vorstand selbstverständlich auch von Männern dominiert wird. Zusammen mit Gloria und deren Tochter reist sie schließlich zurück nach Barbieland, wo sie mit Erschrecken feststellt, dass nun die Kens an der Macht sind, das Patriarchat regiert und alle Barbies daran mitwirken. Dank einer gekonnt austauschbar pseudofeministischen Rede von Gloria über die fehlende Anerkennung, die Frauen in der Real World für ihr Schaffen erhalten, bricht sie den „Brainwash“-Zustand der Barbies, und diese erobern Barbieland zurück. Barbie trennt sich endgültig von Ken und reist mit Gloria und ihrer Tochter zurück nach Los Angeles, wo sie sich am Ende des Films auf ihr erstes Jobinterview vorbereitet. Ende gut, alles gut, könnte man meinen.

Doch so einfach ist das eben nicht. Denn auch wenn Regisseurin Greta Gerwig alles dafür getan hat, die woke-feministische Utopie in „Barbie“ zum Leben zu erwecken, zieht sie am Ende für ihre filmische Leistung doch den Kürzeren. In Barbieland sind es die Frauen, die dominieren und alles sein dürfen, von der Ärztin bis hin zur Präsidentin, was ihnen in der echten Welt womöglich verwehrt oder wenigstens erschwert wird.

Die Kens hingegen sind eher einfach gestrickt, wetteifern die meiste Zeit und tun alles daran, um von ihren jeweiligen Barbies wahrgenommen und gewürdigt zu werden. Und trotzdem sind es weder Greta Gerwig noch Margot Robbie, die in den Kategorien „Beste Regie“ und „Beste Hauptdarstellerin“ für die Oscars nominiert wurden, sondern Ryan Gosling alias Ken, der in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ auf einen Oscar hoffen kann und am Ende vielleicht doch noch den Kampf um Barbieland gewinnt. Obwohl der Film insgesamt acht Oscar-Nominierungen einbrachte, darunter auch eine für America Ferrera alias Gloria als „Beste Nebendarstellerin“, ist es vor allem jene für Ryan Gosling, welche das links-feministische Establishment erschüttert. Sogar die ehemalige US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zeigte sich „bestürzt“ über die mangelnde Würdigung von Robbie und Gerwig.

Dumm gelaufen, wenn man es in einem zweistündigen durch und durch pseudofeministischen Film darauf anlegt, über die vermeintlich fehlende Wertschätzung von Frauen zu schwadronieren, damit am Ende für diesen wichtigsten aller Filmpreise nicht die Frauen des Films, sondern die Männer gewürdigt werden.

Hilfe, wir leben im Patriarchat! Doch ganz vielleicht ist die Erklärung, wider alle feministischen Empörungsvideos zur Sachlage, viel einfacher und banaler. Womöglich sind Ryan Goslings (schauspielerische) Leistungen in Barbie einfach besser als die seiner Kolleginnen Margot Robbie und Greta Gerwig. Mal sehen, wie viele linke Tränen die Oscars am Ende mit sich bringen.