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Blaue Milch und Regenbogenpommes – Konzerne müssen konditioniert werden

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Theo Müller, der Chef der gleichnamigen Unternehmensgruppe, die vor allem für Müllermilch und Landliebe-Produkte bekannt ist, traf sich, wie unlängst bekannt wurde, mit AfD-Chefin Weidel zum Mittagessen. Man tauschte sich dort nach seiner Darstellung über politische Ansichten und das AfD-Programm aus, und er weigert sich bislang trotz massiven Drucks, sich von ihr oder der Partei zu distanzieren. Das Grundthema hat mein Kollege Fridericus Vesargo in seiner gestrigen Kolumne schon so pointiert zusammengefasst, dass ich hier einen anderen Punkt beleuchten möchte: das Verhältnis unserer Szene zu solchen Konzernen.

Der Hauptkritikpunkt, der im rechten Lager an politischen Müllermilch-Käufen geübt wurde, bezog sich auf das Verhalten der Firma während Corona, kurzum: die „Alle impfen, oder was!“-Werbung im Rahmen der großen „#ZusammenGegenCorona“-Kampagne einer Vielzahl deutscher Großkonzerne. Bei der „Kein Vergeben, kein Vergessen“-Fraktion, was die Impf-Werbung von Müller angeht, muss ich an mein Konzept des selbstschädigenden Idealismus denken, das ich damals in Bezug auf Nichtwähler anbrachte. Ich würde dem entgegensetzen: Man braucht zwar ein idealistisches Herz, aber dieses wird nie gestaltend in die Welt eingreifen können, wenn es sich nicht mit einem pragmatischen, wenn nicht gar machiavellistischen Geist zusammentut.

Soll hier heißen: Es geht nicht darum, Theo Müller und seine Firma zu unterstützen, weil sie gerecht, gut und moralisch wären. Es geht darum, einen Präzedenzfall zu schaffen, der zeigt, dass die öffentliche Assoziation mit der AfD eben nicht geschäftsschädigend, sondern sogar gut für einen Konzern sein kann. Dieser Zweck verfliegt natürlich in der Sekunde jedweder Distanzierung von der AfD und schlägt je nach Art dieser sogar ins Gegenteil um. Ganz stumpf: Mach dich mit der AfD gemein, dann kriegste Geld.

Ich muss allerdings einräumen, dass diese Logik, die ich bereits in einem Tweet kundtat, Grenzen hat.

Aufgezeigt wurden mir diese unter anderem durch die Nachfrage, ob ich mir auch einen Dildo in den Arsch schieben würde, wenn die betreffende Firma ein ähnliches Signal aussenden würde wie Müller. Ja, es gibt Geschäftsfelder, die die ideologische Kohärenz des AfD-Umfeldes in einem Umfang beschädigen würden, der es einfach nicht wert wäre, bildete man mit ihnen auch nur ein solches Zweckbündnis. OnlyFans schießt mir in den Sinn. Hier allerdings überwiegt für mich die Signalwirkung eines gestärkt aus dem medialen Shitstorm hervorgehenden Müller-Konzerns nach meinem Gusto deutlich. Das scheint die Gegenseite übrigens ähnlich zu sehen, wenn man bedenkt, wie viel Energie vom kleinsten Links-Twitterer bis zum größten Medienhaus dem Ziel gewidmet wird, Müller zu cucken.

Was den Sinn dahinter, Firmen dazu zu ermuntern, sich zur AfD zu bekennen, angeht, würde ich gerne etwas ausholen und die Beschwerde eines kleinen Twitch-Streamers über zu wenig LGBT-Werbung im vergangenen Pride Month zurate ziehen. Ein Typ namens „Finessi“ bedankte sich vergangenen Juni dafür, ob seiner Transsexualität von Twitch auf der Startseite beworben zu werden sowie von Löwenanteil, fritz-kola und Xbox sein Pride-Event gesponsert zu bekommen, musste aber mit Erschrecken und Bedauern konstatieren, dass die regenbogenfarbenen Pride-Pommes es 2023 nicht wieder ins Sortiment von McDonald‘s geschafft hatten.

https://twitter.com/shlomo96/status/1676594393485127680

Genau solche absurden Kommerz-Anbandelungen von Aktivisten, die sich als Teil einer unterdrückten Minderheit darstellen, werden als abschreckendes Beispiel dafür sorgen, dass viele Rechte jedes Zweckbündnis mit Großkonzernen ablehnen. Ich will hier allerdings mal die gewisse Weisheit hervorheben, die, vergraben unter der theatralischen Opfermasche, dem Vorgehen unserer Feinde innewohnt. Ja, quietschbunte Poposex-Pommes sind an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, aber die Wirkung der Dauerbeschallung mit solchen Dominanzgesten vom Team Regenbogen seitens Woke Capital ist nicht von der Hand zu weisen. Es schüchtert ein, es signalisiert, wer hier den Ton angibt.

Der von LGBT-Aktivisten behauptete Zweck einer solchen „Repräsentation“, einer gesellschaftlichen Stigmatisierung entgegenzuwirken, trifft währenddessen im Fall der AfD buchstäblich zu. Genau deswegen ist es ja auch ein derartiges Anliegen des Establishments, jedes Aufkeimen davon, wie gerade bei Müller, im Keim zu ersticken. Als normale, gesellschaftsfähige Partei wahrgenommen zu werden, hätte einen unschätzbaren Wert. Keinen, der ein inhaltliches Cucking Richtung CDU 2.0, wie ein Meuthen es vorhatte, sinnvoll machen würde, aber einen, bei dem es sich durchaus lohnen könnte, mal die eine oder andere Pistazienmilch zu trinken.