10. August 2020
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Zur Debatte: Warum die Verteidiger der Demonstranten irren

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Von Prospero Ekdal

Die Berliner Demonstration „Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“ ist noch immer in aller Munde. Neben Zahlenraten und Black Lives Matter-Vergleichen sollte eines nicht aus dem Blickfeld geraten. Die Demonstration war nicht im Sinne der libertären oder konservativen Sache.

In der Nachlese zum „Tag der Freiheit“ am 1. August 2020 in Berlin wurden die Demonstranten auch von vielen libertären und konservativen Stimmen verteidigt. Hier wurde zumindest zu Recht kritisiert, dass die Demonstrationen solange erfolglos bleiben, wie die Deutung für die Mehrheit der Wähler dem Staatsfunk überlassen bleibt. Dieses Argument gilt ebenso für frühere Demonstrationen, die sich gegen Massenzuwanderung, den Euro oder die GEZ richten. Bei diesen Themen teile ich die Kritik der Demonstranten, nicht aber bei der Anti-Corona-Demo.

Der Blick auf die Fall- und Todeszahlen widerlegt die Verharmlosungsversuche („nicht schlimmer als eine Grippe“). Man muss nur zum Vergleich die USA mit über 160.000 bestätigen Todesfällen betrachten, um zu erkennen, welches Ausmaß die Corona-Pandemie annehmen kann. Wer das infrage stellt, wird über seine kleinen Zirkel nicht hinauskommen.

Natürlich ist das Tragen von Masken unangenehm. Aber sie verhindern nachweisbar neue Infektionen und stellen einen vergleichsweise kleinen Eingriff dar. Wer darauf verzichtet, riskiert höhere Zahlen und eine erneute Verschärfung der Beschränkungen. Wollen die Demonstranten, dass Unternehmen, Läden und Schulen wieder geschlossen werden? Wem soll das nützen? Alle Freunde der Freiheit sollten sich fragen, was wichtiger ist: Am Samstag mit anderen spazieren oder weiterhin seinen Arbeitsplatz behalten zu dürfen? Die Demonstranten haben sich vorab selbst zum Sündenbock gemacht und werden nicht zu Unrecht auch von Regierung und Mainstream-Medien dankbar in die Wüste geschickt.

Die linke Doppelmoral (Demonstranten mit „richtigen“ Motiven werden beklatscht, Demonstranten mit „falschen“ Motiven werden verächtlich gemacht) mag immer wieder Empörung hervorrufen. Aber überrascht sie noch? Was für ein Leben würde ein Linker führen, wenn er sich nicht selbst belügen würde? Die Wahrheit wäre zu viel für ihn; „links reden und links leben“ – ein Alptraum.

Für Libertäre und Konservative ist die Straße der Großstadt ohnehin nicht der natürliche Lebensraum. Sie gehen auf den Markt, in den Wald oder bleiben in der Stube, um dort zu lesen, zu denken und zu schreiben. Dazu brauchen sie keine Mitläufer auf der einen und Antifanten auf der anderen Seite. Eine wachrüttelnde Stimme im Druck oder im Netz kann nachhaltiger sein als ein schiefer Ruf auf der Straße.

Und schließlich: Wenn alle Unzufriedenen anders wählen würden, bräuchte keiner demonstrieren. Aber auch unter den Läufern vom Sonnabend wird es noch unverbesserliche SPD-Wähler geben.

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