Deutsche lassen sich zu oft scheiden

7. September 2022
1 min lesen

Ehepaare lieรŸen sich in den 1960er Jahren (10,7 Prozent) deutlich seltener scheiden als heutzutage. Ab den 60ern schnellte die Zahl der Scheidungen in die Hรถhe. Bereits zehn Jahre spรคter lag die bei Scheidungsquote bei 18,1 Prozent. Im Jahr 2005 wurde bereits jede zweite Ehe geschieden. In den Folgejahren sank der Wert wieder in Richtung 40 Prozent. Den vorlรคufigsten Tiefstand erreichte die Scheidungsquote 2018 mit 32,9 Prozent. Die Coronajahre sorgten fรผr eine erneute Trendumkehr: Bis 2021 wuchs die Scheidungsquote wieder auf glatte 40 Prozent an.

Warum?

Nach der Emanzipation durch die 68er stieg die Scheidungsrate stark an. In den folgenden Jahrzehnten fand eine Bildungsexpansion statt: Mehr und mehr Frauen nutzten den Zugang zu Universitรคt und Karriere. Zudem wurde das Scheidungsrecht 1977 reformiert: Das Verschuldungsprinzip, nach welchem der Ehepartner, der fรผr das Scheitern der Ehe verantwortlich war, dem anderen Partner gegenรผber unterhaltspflichtig gewesen war, wurde durch das Zerrรผttungsprinzip ersetzt. Ungeachtet des Verschuldens war neuerdings der wirtschaftlich stรคrkere Partner verpflichtet dem wirtschaftlich Schwรคcheren Unterhalt zu zahlen.

2005 trat eine neue Trendwende ein: Erstmals sank die Scheidungsquote. Grund dafรผr kรถnnte die Tatsache sein, dass die Lebenshaltungskosten als Alleinstehender teurer geworden sind, besonders fรผr alleinerziehende Mรผtter. Zusรคtzlich ist nicht auszuschlieรŸen, dass sich ein groรŸer Teil der jรผngeren Paare wieder nach Traditionen und Stabilitรคt zurรผcksehnt.



In den Coronajahren stieg die Scheidungsquote wieder an. Zwei Grรผnde sind mรถglich: Erstens wurden weniger neue Ehen geschlossen und zweitens sorgte der Lockdown fรผr eine familiรคre Belastungsprobe.

Was ist eine Scheidungsquote?

Die Scheidungsquote ist das Verhรคltnis aller in einem Jahr geschiedenen in Relation zu geschlossenen Ehen. Eine Scheidungsqoute von 100 Prozent bedeutet, dass exakt so viele Ehen geschieden wie neu geschlossen werden. Demnach ist theoretisch auch eine Scheidungsquote von 110 Prozent mรถglich, wenn sich mehr Paare scheiden lassen als neue Ehen geschlossen werden. Das bedeutet: Die Scheidungsquote wird durch eine Verรคnderung beider Faktoren โ€“ neue Ehen und Scheidungen โ€“ beeinflusst.