Ich dachte mir, ich fรผhre in dieser Kolumne mal ganz plump einen Widerspruch an, der mir im Feindeslager aufgefallen ist. Also nicht so ein offenkundiges 08/15-Ding, Buchstabenverehrung bei gleichzeitigem Massenimport Scharia-Glรคubiger und so was, sondern ein paar Feinheiten. Es wirkt eigentlich relativ plump, ist mir persรถnlich aber so ausformuliert erst vor verhรคltnismรครig Kurzem ins Auge gesprungen: Sie sprechen ununterbrochen von โMenschlichkeitโ, โMenschenwรผrdeโ und โMenschenrechtenโ, nennen sich โHumanistenโ, kurzum: bringen sich als Verfechter der Anliegen aller Wesen spezifisch aus unserer Spezies in Stellung.
Nun kรถnnte man den dissonanten Zweiklang dieser Selbstdarstellung mit ihrer gleichzeitigen Grausamkeit im Umgang mit ihrem politischen Feind, uns, anprangern, aber das funktioniert in ihrer Denke ja noch: Wir sind halt eine ganz bรถse Minderheit, die Menschen wegen ihrer Rasse et cetera aufs รbelste misshandeln will, und daher ist es erlaubt, um uns davon abzuhalten, gewisse Grenzen zu รผberschreiten, auch wenn wir Menschen sind. Und das meine ich nicht. Ich meine etwas viel Direkteres und Einfacheres: Sie hassen Menschen.
Nicht bestimmte Menschen, sie hassen die Menschheit generell (was es wieder okay macht) und ziehen andere Tiere dieser vor. Und das leite ich nicht um drei Ecken aus irgendwelchen anderen Positionen ab. Sie sagen es einem. Frag irgendwen mit dem Hashtag โ#Humanismusโ in der Twitter-Bio, er wird dir sagen, dass er Menschen auf den Tod nicht leiden kann und dass Tiere so viel reiner und besser sind.

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Man kรถnnte nun sagen, Misanthropie sei sicherlich etwas, das sich auf beiden Seiten findet, und hรคtte damit recht. Unterschlagen wรผrde man dabei jedoch zum einen, dass auf der rechten Seite alles zwischen der genozidalsten Menschenfeindlichkeit auf dem Planeten und der wonnigsten Menschenliebe anzutreffen ist, und zwar relativ breit gestreut, wรคhrend im Team Menschlichkeit genozidale generelle Menschenfeindlichkeit zumindest als Grundrichtung die absolute Norm ist. Mainstream wรคre dort die Aussage, dass Kinder kriegen โproblematischโ sei, weil man damit einen Klimawandel und eine White Supremacy macht und es doch eh schon zu viele Kinder gibt, weshalb man lieber eines adoptieren solle.
Die extremere Variante wรคre genozidaler Antinatalismus, gezielte etappenweise Ausrottung des Menschengeschlechts via Geburtenstopp, neben gerade angefรผhrten Grรผnden etwa, weil (ihre) Existenz Leid ist, welches es zu verringern und letztlich zu beenden gilt. Und dann unterschlรคgt man natรผrlich noch, dass der Kampf fรผr die Menschheit etwas ist, das sich Team Regenbogen auf die quietschbunte Fahne geschrieben hat und nicht Team Hass und Hetze.
Der Grund fรผr diesen Widerspruch liegt auf der Hand: Der Hass auf die eigene Spezies ist eine Art Erweiterung des Selbsthasses bei gleichzeitiger Fremdenliebe, der beim gรคngigen Ethnomasochismus zum Tragen kommt. Ihren Menschlichkeitsframe wiederum benutzen sie zum einen, weil er einfach schรถn und unangreifbar klingt, wรคhrend sie zum anderen darin ihre tatsรคchliche Absicht der Eliminierung aller Trennlinien und Unterschiede zwischen den Menschen verklausulieren: Wir sind EINE Menschheit, uns verbindet EINE Menschlichkeit. Passdeutscher, Biodeutscher, Somalier oder Afghane: Wir sind alle gleich, und jede Ungleichbehandlung, etwa vor dem Gesetz, ist im Kern unmenschlich.
Ihr โunmenschlichโ meint, zwischen Menschen Unterschiede zu ziehen, nicht, der Menschheit zu schaden. Dass der Verlust europรคischer Kulturen bei gleichzeitiger Entwurzelung der Migranten, die bei afrikanischen Geburtenraten ruckzuck wieder nachproduziert sein werden, im grรถรeren Bilde den Menschen allgemein schadet, wรคre etwa so ein โunmenschlicherโ Standpunkt. Dass wir dreckigen Maden alle zusammen am Existenzminimum von Kรคfermehl und Madenpampe leben sollen, eingepfercht in menschlichen Legebatterien und ohne einen Sinn im Leben bis auf die monatliche Auswahl eines angesagten neuen Geschlechtes allerdings, das wรคre ein zutiefst menschlicher.

