Der fatale Linksshift der Hackerszene

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Einst galt die Hackerszene als durch und durch anarchisch. Im „Hackers Manifesto“ von 1986 hieß es etwa:

Another one got caught today, it’s all over the papers. „Teenager Arrested in Computer Crime Scandal“, „Hacker Arrested after Bank Tampering“… Damn kids. They’re all alike. But did you, in your three-piece psychology and 1950’s technobrain, ever take a look behind the eyes of the hacker? Did you ever wonder what made him tick, what forces shaped him, what may have molded him? I am a hacker, enter my world… Mine is a world that begins with school… I’m smarter than most of the other kids, this crap they teach us bores me… Damn underachiever. They’re all alike.

In den letzten Jahren, während einer Phase digitaler Durchdringung (technopolitisch: Dezentralisierung oder staatliche Kontrolle), vollzog sich eine bemerkenswerte Transformation der einstmals libertären Hackerkultur, die ihre schärfste Ausprägung in der Corona-Zeit erfuhr, als aus digitalen Rebellen staatstragende Erfüllungsgehilfen wurden. Zwar entstanden die ersten Hackerkollektive am MIT der 1960er Jahre als anarchische Gegenbewegung zur «Priesterkaste» der Großrechner-Verwalter, doch die deutsche Variante dieser Subkultur entwickelte eine fatale Schlagseite. So kam es, dass der Chaos Computer Club seine ursprüngliche Hackerethik zugunsten „antifaschistischer“ Positionierung aufgab.

Definition: Unter ideologischer Vereinnahmung verstehen wir den Prozess, durch den technische Gemeinschaften ihre ursprünglichen Prinzipien der politischen Neutralität und meritokratischen Offenheit zugunsten parteiischer Weltanschauungen preisgeben. Die Genese dieser Entwicklung lässt sich bis in die Neuen Sozialen Bewegungen der 1970er Jahre zurückverfolgen. Der CCC entstand im Kontext einer systemkritischen Grundhaltung, die naturgemäß Anknüpfungspunkte für linke Ideologie bot. Der KGB-Hack der 1980er Jahre, bei dem deutsche Hacker aus ideologischer Verblendung für sowjetische Geheimdienste spionierten, markierte bereits früh die politische Instrumentalisierung technischer Kompetenz.

Die heutige «linke Schlagseite» des deutschen Hackerbetriebs ist also keine zufällige Entwicklung, sondern logische Konsequenz historischer Prägungen. Wer bestimmt heute die Grenzen der Toleranz in einer Szene, die einst gegen alle Autoritäten aufbegehrte? Wer definiert, welche Meinungen als «rechts» und damit inakzeptabel gelten?

Man erkennt es an Symbolen: Antifa-Flaggen über dem Eingangsbereich des 35. Chaos Communication Congress, Workshops mit dem Titel ‚Enhance Antifa‘, in denen technische Mittel zur Unterstützung militanter Gruppen vermittelt werden., Unvereinbarkeitserklärungen gegen alles vermeintlich «Nationalistische». Der CCC mutierte vom technischen Verein zum politischen Akteur mit eindeutiger (Partei-)Präferenz.

Die ursprüngliche Hackerethik Steven Levys betonte die Beurteilung von Individuen «nach ihrer Fähigkeit im Hacken, nicht nach Scheinkriterien wie Position oder gesellschaftlicher Stellung». Diese meritokratische Grundhaltung weicht zunehmend politischen Loyalitätstests und ideologischen Bekenntniszwängen. Andersdenkende erleben systematische Ausgrenzung durch eine Meinungshegemonie, die Toleranz predigt, aber nur für Gleichgesinnte praktiziert.

»Das Hackerherz schlägt links« – diese Selbstbeschreibung des Neuen Deutschland zum 35C3 enthüllt die ideologische Drift einer ehemals pluralistischen Bewegung. Die deutschen Sicherheitsbehörden registrieren längst die Überschneidungen zwischen Hackerszene und linksextremistischen Antifa-Strukturen. Während sich gewaltorientierte Teile der Antifa-Bewegung das Ziel setzen, „unter als rechts ausgemachten Personen ein Klima der Angst zu erzeugen“, stellt der CCC Ressourcen und Expertise zur Verfügung.

Internationale Vergleiche enthüllen die deutsche Sonderentwicklung: US-Hackerkongresse wie DEF CON praktizieren explizite Offenheit für „radikale Meinungen“, solange diese nicht in Belästigung umschlagen. Libertäre Cypherpunks wie Timothy May propagierten Crypto-Anarchie als Gegenentwurf zu staatlicher Kontrolle – unabhängig von parteipolitischen Präferenzen.

Bei den Gruppierungen sieht es anders aus, selbst die Electronic Frontier Foundation, einst Hort digitaler Freiheitsrechte, demonstriert heute eine Schlagseite: „Black lives matter on the streets. Black lives matter on the Internet“, proklamierte EFF-Direktorin Cindy Cohn 2020 und positionierte ihre Organisation eindeutig im Fahrwasser der Black Lives Matter-Bewegung. Die vermeintliche Verteidigerin der Meinungsfreiheit schweigt dabei zu den gewalttätigen Exzessen der BLM-Proteste und zeigt jene Empörung, die linke Organisationen heute kennzeichnet.

Der CCC demonstriert seine politische Transformation besonders deutlich in seinen „Unvereinbarkeitserklärungen“ gegen rechts. 2005 verabschiedet und 2025 „einstimmig“ aktualisiert, definieren diese Dokumente präzise, welche Gesinnung im digitalen Biotop erwünscht ist:

„Wer Ideen von Rassismus, Ausgrenzung und damit verbundener struktureller und körperlicher Gewalt vertritt, hat sich vom Dialog verabschiedet.“

Die Frankfurter CCC rief 2024 explizit zur Demonstration „gegen die AfD und den zunehmenden Rechtsruck“ auf – ein bemerkenswerter Kurswechsel für eine Organisation, die einst technische Kompetenz über politische Bekenntnisse stellte. Die österreichischen CCC-Ableger überbieten das Original noch: Der Wiener Club erklärt sogar „passives Befürworten rechten Gedankenguts“ für unvereinbar mit der Mitgliedschaft. Eine bemerkenswerte Definition von „Offenheit“, die an frühere Zeiten erinnert, als andere Organisationen ähnlich präzise zwischen erwünschten und unerwünschten Gesinnungen unterschieden.

Ordnung und Anarchie, Technik und Politik, Freiheit und Kontrolle – die Grundspannungen der digitalen Moderne manifestieren sich in der Fragmentierung der Hackerkultur. Während deutsche Vertreter ihre Unvereinbarkeitserklärungen gegen „Rechte“ formulieren, entwickeln internationale Cypherpunks dezentrale Kryptowährungen als Werkzeuge gegen jede Form zentraler Autorität.

Eine Bewegung, die einst gegen die „Priesterkaste“ der Computerbürokraten antrat, agiert heute selbst als digitale Inquisition – mit Antifa-Fahnen statt Kreuzzeichen und „Enhance Antifa“-Workshops statt Scheiterhaufen. Wird die internationale Hackerszene diesem deutschen Sonderweg folgen – jenem alten Traum, daß am deutschen Wesen die nun auch die digitale Welt genesen möge? Oder besinnt sie sich auf ihre libertären Ursprünge, bevor die Berliner Bekehrungsmission ihre letzten freien Bits erobert?

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. In der deutschen „Informatik Szene“ gibt es ja seit jeher den Bruch zwischen den bürgerlich professionellen und den ideologisch motivierten. Das letztere sich im linken Lager einordnen ist ja nichts neues, zumindest Antikapitalismus hat in diesem Lager immer schon eine wichtige Rolle gespielt. Und nicht-Konformität wird recht schnell abgeworfen, wenn jetzt die eigene Seite doch immer mehr an Macht gewinnt und man die Chance hat diese Macht mitzugestalten.

    In den USA gibt es mittlerweile zumindest Ansätze eines Gegenentwurfs, wie er in Teilen der Start-up Kultur dort zu finden ist. Eine signifikante Rolle hat dort wohl auch der Militärindustriekomplex gespielt. Dorthin sind die „rechten Hacker“ gegangen, in Deutschland gibt es ja kaum ein richtiges Äquivalent und alles was ja nur irgendwie aus Richtung Industrie, selbst ziviler, kommt wird von der CCC Szene abgelehnt, wenn nicht gar ausgegrenzt.

  2. Guter Artikel, daß diejenigen die noch vor 20-40 Jahren vehement gegen Volkszählung angingen und später mit Schäublone gegen Rasterfahndung breit Flagge zeigten haben sich heutzutage regelrecht einen Maulkorb angelegt was jegliche Form freiheitsbewahrender Kritik angeht – die könnte schließlich, da regierungskritisch „rrrööööchst“ sein.
    Geradezu tragisch ist der Grad der grenzdebilen Verblödung, hab mir einige Vorträge der letzten CCCs angesehen: Fachlich nach wie vor vieles interessant und von guter Qualität, aber wenn notorisch betont welcher politischer Schlagseite irgendwas nützen könnte oder wie man diese fürchtet (ohne daß es dabei um Inhalte geht!) und das Ganze auch noch von schrillen Kasperpersonenden mit Katzenkostüm präsentiert wird kann man das beim besten Willen nicht mehr weiterempfehlen.
    Wenn man wissen will wie es kam daß die Hackerszene derart vom Kunterbuntismus gekapert werden konnte braucht man sich nur die Anfangsjahre der Piratenpartei anzusehen – auch da wurden die tonangebenden Köpfe regelrecht ausgetauscht, und es war interessant zu sehen wie sich die „alten Hasen“ mit dem neuen Buntvolk und deren Ideen schwertaten und wie fehl am Platz fremdelten bis sie letztlich mit der Situation überfordert verschwanden.

    @S: Die mit den Hackern zum Teil überschneidende „Maker“-Szene scheint in den USA auch deutlich näher an den DIY-Selbstversorgern dran zu sein, ganz anders als hierzulande. Wobei die Durchlinksung der Hobbyhacker kein rein deutsches Phänomen ist, auch in England sieht es keinesfalls besser aus.

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