Achtung, rechte Frauen!

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Geflochtene Zöpfe, Schleifen im Haar, lange Röcke. Junge Frauen versammeln sich im Schatten eines Ahorns“ – So beginnt die „Undercover“-Recherche von Birte Meier und Vanessa Leitschuh, die kürzlich im „Stern“ veröffentlicht wurde. Die beiden Journalistinnen widmeten sich in ihrem Beitrag, der sowohl als Netz- und Printartikel als auch als kurzer Doku-Film bei RTL erschienen ist, einem ganz neuen bahnbrechenden Thema, nämlich (mal wieder) den rechten Frauen und diesmal ganz exklusiv meiner Frauenorganisation Lukreta.

Mehrere Monate wollen die beiden Frauen im Hintergrund zu uns recherchiert haben. Offenbar war das Ganze so ergiebig, dass es die wahnsinnig spannende Doku nicht mal in die Primetime bei RTL geschafft hat, sondern erst um Mitternacht ausgestrahlt wurde. Aber sei’s drum. Eine von ihnen rühmt sich im Beitrag damit, an zwei öffentlich beworbenen Treffen teilgenommen zu haben. Doch schon beim Lukreta-Meetup folgte offenbar die erste große Enttäuschung: Denn ja, wir trafen uns nicht etwa unter einer deutschen Eiche, wie es die deutsch-nationalen LARP-Fantasien dieser Journalistinnen vermuten ließen, sondern lediglich im Schatten eines womöglich kanadischen Ahorns. Der Bericht geht stilistisch ähnlich ausgeschmückt weiter. 

„Kapitel 1. Vernetzung bei Currywurst: Die Sonne knallt auf gelbe Sonnenschirme, auf schweren Holzbänken verbrennen Schenkel, die aus Röcken hervorlugen.“ – Was sich wie die lüsterne Fanfiction eines Zwölfjährigen anhört, wurde tatsächlich von zwei Frauen Anfang dreißig und Mitte fünfzig verfasst. Komisch aber, denn zu Beginn sprach die chronisch schockierte „Undercover“-Dame Vanessa Leitschuh noch von langen Röcken. Seit dem ersten Absatz sind sie offenbar in der Länge geschrumpft worden, um dieses „heiße“ Bild zu malen und den womöglich jetzt schon gelangweilten Leser bei der Stange zu halten. 

Der Artikel geht ähnlich bahnbrechend weiter: Übertrieben gezeichnete Bilder und allerhand Kampfbegriffe wie „rassistisch“, „queerfeindlich“ und „antisemitisch“ fallen. Dazu folgt ab und zu eine Aussage, die angeblich irgendeine der anwesenden Personen getätigt haben soll, um zu zeigen, dass man zumindest vor Ort war. Ich soll beispielsweise gesagt haben, dass es nicht authentisch sei, wenn bierbäuchige, mittelalte Männer zum zehnten Jahrestag der Kölner Silvesternacht auf der Domplatte gegen sexuelle Gewalt demonstrieren. Wie furchtbar aber auch, dass ich ausgesprochen haben könnte, was jeder im Zusammenhang mit dem Mythos einer rechten Frauenorganisation denkt, die sich für die Sicherheit der Frau im öffentlichen Raum und gegen importierte Gewalt starkmacht.

Das klingt wahrlich nach einem Fall für den Verfassungsschutz – und damit sind wir tatsächlich beim einzig wirklich spannenden Teil der Doku angekommen, denn offenbar ist es Birte und Vanessa in diesem Kontext gelungen, den nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul (CDU) höchstpersönlich für RTL mal eben so vor die Kamera zu bekommen. Dieser sprach sogleich seine Warnung aus. Angeblich handelt es sich bei Lukreta um „knallharte rEcHtSeXtReMe Propaganda“.

„Laut Reul instrumentalisiere das Netzwerk, mitgegründet von der Tochter der AfD-Politikerin und Vizechefin der Fraktion der rechten ESN-Fraktion im Europaparlament Irmhild Boßdorf, Gewalt gegen Frauen, um Migranten zu stigmatisieren und das traditionelle Familienbild, um queere Menschen zu diffamieren.“ – So heißt es. Denn offenbar ist es ganz furchtbar rechtsextrem und rassistisch, die Statistiken des Bundeskriminalamts in Bezug auf sexuelle Gewalt richtig zu deuten. Außerdem ist es demnach queerfeindlich, sich für ein traditionelles Familienbild, bestehend aus Mutter, Vater und Kindern starkzumachen.

Das Skandalöse: Während die innere Sicherheit in Nordrhein-Westfalen von Clankriminalität, Gruppenvergewaltigungen mit mehrheitlich migrantischen Tatverdächtigen oder eben Gewalttaten und Messerstechereien wie jener in Solingen überschattet wird, hat der hiesige Landesinnenminister nichts Besseres zu tun, als vor einer Frauenorganisation zu warnen, die Opfern von Gewalt gedenkt, hübsche Bilder in den sozialen Netzwerken hochlädt und gleichgesinnte Frauen miteinander vernetzt. Das ist wahrlich gefährlich.