Auch heute noch belehren und bestrafen manche Eltern unartige Kinder mit dem Spruch: โWer nicht hรถren will, muร fรผhlen!โ Genauso ergeht es Europas linksliberalen Eliten, die seit Verรถffentlichung der jรผngsten US-Sicherheitsstrategie am 4. Dezember vรถllig aus dem Hรคuschen sind. Dabei hat Vizeprรคsident J. D. Vance ihnen bereits im Februar auf der Mรผnchner Sicherheitskonferenz die Leviten gelesen, indem er die Unterdrรผckung unliebsamer Parteien und Meinungen in Europa anprangerte.
In dem vom Weiรen Haus verfaรten Dokument mit dem Titel โNational Security Strategyโ (kurz: NSS) wird ein dรผsteres Bild der Lage im alten Kontinent gezeichnet: Zensur der freien Meinungsรคuรerung, Unterdrรผckung der politischen Opposition, rapide sinkende Geburtenraten, weitgehend unregulierte Masseneinwanderung. Letztlich, so das Resรผmee der NSS, drohe Europa die โzivilisatorische Auslรถschungโ, denn die EU zerstรถre mit ihrem Regulierungswahn die Freiheit und Souverรคnitรคt der Staaten, so daร die Europรคer ihre nationalen Identitรคten und ihr Selbstbewuรtsein verlรถren.
Andererseits aber sei Europa fรผr die USA aus รถkonomischen und historischen Grรผnden sowohl strategisch als auch kulturell wichtig. โWir kรถnnen es uns nicht leisten, Europa abzuschreiben,โ heiรt es in dem Dokument. Amerika habe daher die Aufgabe, den Widerstand in den europรคischen Lรคndern gegen den derzeitigen Kurs zu befรถrdern. Die NSS gibt auch eine entsprechende Anleitung vor:
โDie USA ermutigen ihre politischen Verbรผndeten in Europa, eine geistige Erneuerung voranzutreiben, wobei der wachsende Einfluร patriotischer europรคischer Parteien ein Grund fรผr groรen Optimismus ist.โ
Angesichts dieser offiziell verkรผndeten Sicherheitsstrategie war die Aufregung natรผrlich groร und ist es bis heute geblieben. โWovon reden die?โ, fragte die โSรผddeutsche Zeitungโ in einem Kommentar, รผber einem anderen lautete die Rubrik โVerachtung als Prinzipโ. Die โMรคrkische Allgemeineโ wรคhlte als Titel des Leitartikels โDie Ungeheuerlichkeit des Donald Trumpโ. Und die „SZ“ stellte im Nachrichtenteil sachlich fest โTrump sagt Europa den Kampf anโ. Wenn damit die auch in Deutschland seit Jahren als โunsere Demokratieโ apostrophierte linksliberale Politik gemeint ist, lรครt sich dem schwerlich widersprechen. Deutliche Worte fand der CDU-Auรenpolitiker Norbert Rรถttgen gegenรผber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND):
โDie neue auรenpolitische Positionierung der USA ist eine zweite Zeitenwende. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stehen die USA nicht mehr an der Seite der Europรคer. Sie stehen nicht mehr an der Seite der Ukraine, einem Land, gegen das ein vรถlkerrechtswidriger, brutaler Vernichtungskrieg gefรผhrt wird.โ
Mit dieser Strategie lieรen die USA aber nicht nur die Ukrainer und die Europรคer im Stich, fรผhrte Rรถttgen aus:
โDie Strategie drรผckt auch aus, daร die USA es als ihr auรenpolitisches Ziel definieren, sich in die inneren Angelegenheiten der europรคischen Staaten einzumischen. Ziel ist, unsere innere Verfassung nach den gegenwรคrtigen ideologischen Vorgaben der MAGA-Bewegung zu beeinflussen und zu diesem Zweck mit den inneren Feinden der liberalen Demokratie in Europa zusammenzuarbeiten โ in Deutschland ist das die AfD. Es ist eine grundlegende Verรคnderung der politischen Prรคmissen fรผr Europa, die 80 Jahre gegolten haben. Wenn diese Strategie Erfolg hรคtte, wรผrde es die EU nicht mehr geben.โ
Zum Schluร konstatierte Rรถttgen, in welch miรliche Lage das bisherige politische Europa geraten sei:
โWir werden in die Zange genommen: Auf der einen Seite wird die Souverรคnitรคt Europas durch den Krieg von Ruรland angegriffen, auf der anderen Seite wird unsere Demokratie im Inneren von den USA unter Druck gesetzt.โ
Auf jeden Fall sollte niemand so reagieren wie Friedrich Merz. Deutschlands Kanzler erklรคrte, โAmerica firstโ sei legitim, doch โAmerica aloneโ kรถnne nicht im Interesse der USA sein. โIhr braucht auf der Welt auch Partner, und einer der Partner kann Europa sein. Wenn ihr mit Europa nichts anfangen kรถnnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner.โ Peinlicher kann Anbiederung nicht sein โ die europรคischen Verbรผndeten wissen jetzt wenigstens, mit wem sie es zu tun haben.


โDie neue auรenpolitische Positionierung der USA ist eine zweite Zeitenwende. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stehen die USA _wieder_ an der Seite der Europรคer.“