Die Klimaanlage als Schicksalsfrage

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„Spiegel“-Leser wissen mehr. Das mag mal so gewesen sein, heute bekommt der „Spiegel“-Leser vom linken Kulturkämpfer viel Meinung, aber wenig Substanz. Im hier verlinkten Artikel hat ein linker Kulturkämpfer herausgefunden, dass Klimaanlagen Wärmepumpen sind und erklärt den „Rechten“ damit die Welt. Wer Klimaanlagen fordert, kann nicht gleichzeitig Wärmepumpen ablehnen.

Die Aussage „Klimaanlagen sind Wärmepumpen“ ist technisch und physikalisch korrekt, wenn es sich um Kompressionsklimaanlagen handelt. Der Rest ist allerdings arge Simplifizierung und geht an der Wohn- und Lebenswirklichkeit in Deutschland vorbei. Es wird im Umkehrschluss der Eindruck vermittelt, wer eine Wärmepumpe habe, habe damit praktisch schon eine Klimaanlage. Wenn das technische Prinzip dasselbe ist, folgt daraus noch lange nicht, dass die praktische Lösung auch dieselbe ist.

Ohne hier die technischen Details weiter auszuführen, muss man grundsätzlich zwischen Luft-Luft-Wärmepumpen und Luft-Wasser-Wärmepumpen unterscheiden. Luft-Luft-Wärmepumpen erzeugen direkt warme oder kalte Luft, sind also für Wohnhäuser mit vielen Räumen eher ungeeignet, wohl aber für öffentliche Gebäude mit großen Räumen. Luft-Wasser-Wärmepumpen erwärmen Wasser und speisen damit Heizkörper, Fußbodenheizungen und Warmwasserspeicher, weshalb auch der weit überwiegende Teil der installierten Wärmepumpen von diesem Typ sind. Sie können zwar auch meist reversibel kühlen, allerdings sind zur Nutzung dieses Effektes bereits in der Planungs- und Bauphase umfangreiche Voraussetzungen zu bedenken.

Und nein, sie sind nicht automatisch als brauchbare Klimaanlage einsetzbar. Der Satz „man dreht die Wärmepumpe einfach um“ ist die typische Formulierung eines technischen Simpel. Man braucht dafür eine geeignete Gesamtanlage, das ist der Punkt. Selbst dann: Am Ende ist eine gekühlte Fußbodenheizung immer noch keine vollwertige Klimaanlage: begrenzte Kühlleistung, keine Entfeuchtung und Taupunktprobleme. Wenn man hier etwas falsch macht, hat man ganz schnell Schimmel im Haus. Grundsätzlich ist es aber für Neubauten von Ein- oder Zweifamilienhäusern eine gangbare Möglichkeit, wenn man die Gesamtanlage entsprechend plant (Taupunktüberwachung, Regelung, Hydraulik, Kondenswasserschutz, Entfeuchtung). Für Bestandsbauten könnte es schwierig und teuer werden.

An der Lebenswirklichkeit der Menschen, die in Mietwohnungen leben, geht der Artikel völlig vorbei. Mietern hilft die Aussage „Klimaanlagen sind Wärmepumpen“ herzlich wenig. Der Mieter besitzt weder das Dach noch die Fassade oder die zentrale Heizungsanlage. Selbst bei Besitzern von Eigentumswohnungen gibt es Hemmnisse: Gemeinschaftseigentum, Fassadengestaltung, Schallschutz, Aufstellorte.

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Der eigentliche Skandal in diesem Land ist nicht, wie der Artikel intendiert, dass die Rechten doof sind, sondern dass die Linken so schlau sind, alles wissen und trotzdem nichts tun. Ich rede hier von Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Laut Destatis hatten von den 2025 fertiggestellten Neubauten nur jeweils etwa ein Drittel der Bildungsgebäude und Gesundheitsgebäude und nur 15 Prozent der Sozialgebäude eine Kühlanlage. Hier bräuchte es politische Vorgaben statt schlauer Kolumnen. Wir schützen das Klima vor dem Menschen, aber nicht den Menschen vor dem Klima.

Das deutsche Baurecht ist das Problem. Das Gebäudeenergiegesetz verlangt für Neubauten nur den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes: Sonneneintrag begrenzen, Verschattung planen, Fensterflächen berücksichtigen, etc. Damit ist aber noch lange kein Gebäude garantiert, in dem alte Menschen, Kranke oder Schüler während einer mehrtägigen Hitzewelle vernünftige Temperaturen haben.

Hier schläft die Politik. Wir haben andere Probleme. Bis zur nächsten Hitzewelle. Dann werden wieder wegen der Hitzetoten Krokodilstränen vergossen und der Kampf gegen den Klimawandel mit höheren Ablasszahlungen verstärkt.

Die Einleitung des „Spiegel“-Artikels konstatiert: „Dabei funktioniert Abkühlung ganz einfach.“ Na, dann macht es doch, verdammt noch mal! Vielleicht kommt demnächst das eine oder andere Schweinchen Schlau aus den Elfenbeintürmen der Medien auf die Idee, die öffentliche Meinung einmal nicht auf angeblich unterbelichtete „Rechte“ zu lenken, sondern darauf, die eine oder andere Milliarde an die Ukraine für die Modernisierung unserer Infrastruktur – und sei es nur für die Kühlung öffentlicher Gebäude – umzulenken. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich könnte wetten, für den Erweiterungsbau des Kanzleramtes ist Klimatisierung fest eingeplant. Gern auch mit Wärmepumpe.


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