Kaum ein anderes Buch sollte das Fantasy-Genre so tiefgründig prägen wie das Opus magnum des britischen Philologen J. R. R. Tolkien. „Der Herr der Ringe“ bietet dem Leser ein ergreifendes Heldenepos, eine Vielzahl edler Charaktere und eine liebevoll erdachte Mythologie. Zusammen mit anderen Werken Tolkiens wie dem Kinderbuch „Der Hobbit“ und der Geschichtensammlung des „Silmarillion“ stellt dieser Roman eine Art Liebeserklärung an die Sagenwelt der alten Germanen und Nordmänner dar. Was als Erfindung einer eigenen Sprache und als ausgedachte Gute-Nacht-Geschichten für die eigenen Kinder begann, vollendete Tolkien in einem der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts, das sich einen Platz innerhalb der Weltliteratur redlich verdient hat. Fast jeder Fantasy-Autor nahm sich seitdem Tolkiens Welt zum Vorbild. Die Filme, die Anfang der 2000er und gegen den Willen von Tolkiens Familie unter der Regie des Neuseeländers Peter Jackson entstanden, machten die Geschichten rund um Frodo, Sam, Gandalf und Aragorn einem noch größeren Publikum bekannt.
Neuverwertung des Epos
2022 wollte der Konzern Amazon ebenfalls Profit aus dem Fantasyroman schlagen. Auf seiner Streaming-Plattform wurde eine „Der-Herr-der-Ringe“-Serie ausgestrahlt. Lange Zeit ließ man im Dunkeln, worum genau es in der Serie gehen würde, eines jedoch veröffentlichte der Konzern bereits vorab: Die Besetzung sollte – natürlich – divers sein, ganz im Zeitgeist also. Wir durften uns wohl auf eine typisch „woke“, politisch korrekte Serie freuen, die mit dem eigentlichen Geist Tolkiens nichts mehr zu tun haben würde. Diese Entwicklung ist in Bezug auf „Der Herr der Ringe“ wenig überraschend. Spätestens seit dem Abschluss der Jackson-Filmreihe steht die Fantasy-Welt unter linkem Beschuss. Den Filmen (und damit auch dem Buch) wird Rassismus und Sexismus vorgehalten, weil die Helden zum Großteil weiße Männer sind und unter anderem gegen dunkelhäutige Menschen aus dem Süden kämpfen müssen, während die wenigen Frauen die passive Jungfrau in Nöten spielen müssen. Beim sogenannten Bechdel-Test, der feststellen soll, wie sexistisch ein Film sei, fallen die Stücke jedenfalls durch.
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