Westdeutschland hat Ostdeutschland und seine preußische Militärkultur jahrzehntelang unsichtbar gemacht – Berlin muss das ändern.
von Johannes Brandt
Zu meinem heutigen Thema kam ich durch einen Artikel in der Berliner Zeitung. Beim Empfang von König Charles am Brandenburger Tor beschreiben dessen Autoren die dort aufgestellte Bundeswehr als eine „Karikatur von Militär“. Die Soldaten stünden in „sackigen hellgrauen Uniformen mit Schlips“, deren Hosen wegen ihres hohen Synthetikanteils in die Knobelbecher gestopft seien. Das Bild wirke lächerlich und unrepräsentativ.
Der militärische Auftritt erscheine peinlich und würdelos. Statt einer eindrucksvollen militärischen Repräsentation biete Deutschland nur ein unbeholfenes, ästhetisch misslungenes Bild. Die Uniformen sähen schlecht aus, die gesamte Inszenierung sei unerquickend und provinziell. Die militärische Ehrenformation werde damit als sichtbares Zeichen für Mittelmaß und Niedergang beschrieben.
Ich fand diese deutlichen Worte nicht nur bemerkenswert, sondern auch sehr erfreulich. Sie regten mich zum Nachdenken an. Meine Gedanken habe ich in dem vorliegenden Artikel niedergeschrieben.
Meine Herkunft – preußische Wurzeln
Ich bin Preuße, von meiner Abstammung, von meinem Bekenntnis und aus ganzem Herzen.
Als Ergebnis des verlorenen Kriegs, der Vertreibung und der Teilung West- und Mitteldeutschlands, der späteren DDR, wurde die Hälfte meiner Familie brutal von Ostpreußen nach Westen verschoben. Die andere Hälfte kam durch die Nachkriegswirren von Berlin nach Südwestdeutschland, wo meine Eltern aufeinandertrafen und schließlich mein Bruder und ich das Licht der Welt erblickten.
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Auch ich wünsche mir, dass Preußen heute mehr gewürdigt wird.
Und ja, Berlin muss das ändern, aber dafür brauchen Berlin und ganz Deutschland eine Regierung, die das eigene Volk, die eigene Heimat und die eigene Kultur sowie die eigene Geschichte zu würdigen weiß.
Um preußische Verdienste angemessen zu würdigen sollte man nicht gerade deren militärische Äußerlichkeiten wie Uniformen und Paradeschritt hochleben lassen – schon garnicht in der NVA-Version.
Nach stolzen Paraden kamen für Deutschland zuletzt meistens verheerende Niederlagen. Zum Glück haben russische Sowjets im August ’68 eine womögliche Siegesparade der „preußischen“ NVA in Prag vermieden in dem sie 30 Jahre nach dem ersten Einmarsch einen erneuten in gleichen Uniformen verhinderten. Übrigens „durfte“ ich zu dieser Zeit in der von Ihnen beanstandeten Uniform bei der BW an Gefechtsschießen teilnehmen, wobei mir nicht so sehr die Uniform sondern die Tatsache heftiges Unwohlsein verursachte, daß ich womöglich – in Unkenntnis des sowjetischen Stopps – auf einen nahen Verwandten in eben der von Ihnen hochgelobten Uniform hätte schießen müssen, mit dem ich Jahre zuvor noch in meiner erzgebirgischen Heimat im Sandkasren gespielt hatte…
Ich denke, dass die Kritik am Verfasser des Artikels in verschiedenen Punkten fehlgeht.
Zum einen behaupten Sie, die preußischen Armeen hätten Deutschland in die Niederlage geführt. Das ist natürlich polemischer Unsinn. Zum einen hat die preußische Armee den verbrecherischen Angriffskrieg Frankreichs unter Napoleon III. 1870 in nur sechs Monaten in einem gerechten und brillant preußisch geführten Krieg aller deutschen Stämme unter dem Kommando der Preußen triumphal gewonnen. Hätte das damalige Preußen eine der Bundeswehr vergleichbare jämmerliche Armee besessen, wären die anderen deutschen Staaten wie früher aus Angst auf die Seite Frankreichs gesprungen, und Frankreich hätte Preußen innerhalb von wenigen Tagen vollständig erobert und besiegt.
Es wurden nicht die preußischen Armeen besiegt, es wurde 1918 Deutschland besiegt, und zwar von eifersüchtigen und neidischen und deshalb bösartigen Mächten, die erst in ihrer Überzahl und unter der Prämisse, dass es ihnen gelungen war, die USA mit in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen, diese damals einmalig mächtige preußisch-deutsche Armee des Kaiserreichs halbwegs in die Knie zu zwingen.
Hinzu kamen Kriegsverbrechen dieser Mächte wie die Kontinentalblockade, mit der sie absichtsvoll die deutsche Zivilbevölkerung verhungern ließen, um dann später auch noch die erste deutsche Demokratie in die Knie und zur einmalig abwegigen Anerkennung der von ihnen halluzinierten deutschen Alleinkriegsschuld zu zwingen.
Dass Sie bei der Vorstellung, womöglich auf Deutsche, nämlich auf NVA-Soldaten, schießen zu müssen, Unwohlsein empfanden, ist ein Punkt, den wir alle so empfanden. Das hat aber mit dem Thema nicht im Geringsten zu tun.
Wichtig ist mir, dem Autor des Artikels ausdrücklich darin zuzustimmen, dass die Bundeswehr mehr als eine bloße Zumutung für das Deutsche Volk und seinen Staat ist.
Die Bundeswehr wurde von Anfang an durch die westdeutschen Altparteien absichtlich als ein traditions- und damit ebenso geschichtsloser wie gesichtsloser Kretin gegründet. Sie sollte keinerlei preußische und damit deutsche Traditionen haben und hat sie bis heute nicht. Die Altparteien halluzinieren der Bundeswehr auf dieser Basis inzwischen eine eigene Tradition an. Doch kann eine solche Organisation überhaupt auch nur geringfügig traditionsfähig und -stiftend sein? Ich sage ganz klar: nein!
Die Bundeswehr zwang ihre Wehrpflichtigen – wir reden nicht von Berufssoldaten, sondern von Pflichtigen! –, den Stahlhelm der US-Armee aus dem Zweiten Weltkrieg, deren Springerstiefel, ihren Mantel und die olivfarbene Kampfuniform zu tragen. Sie zwang ihre Wehrpflichtigen, das britische Barett, das der Autor zutreffend als „Topflappen“ in absurd vielen lustig-trottelhaft bunten Farben beschreibt, und den englischen Pullover zu tragen.
Die westdeutschen Altparteien und mit ihnen die Bundeswehr zwangen also die Wehrpflichtigen, ihre Optik prägenden Uniformelemente der feindlichen Armeen zu tragen, gegen die noch ihre Väter und Großväter und auch die Urgroßväter ebenfalls als Wehrpflichtige kämpfen mussten.
Sie zwangen die Wehrpflichtigen, die wesentlichen Uniformelemente der US-Armee, also der für den Massenmord an ihren entwaffneten familiären Vorfahren auf den Rheinwiesen verantwortlichen Kriegsverbrecher, zu tragen.
Mit den britisch-amerikanischen Uniformelementen zwangen sie die eigenen Wehrpflichtigen, die Uniformen derjenigen zu tragen, die durch den völkerrechtswidrigen gezielten Bombenmassenmord deutsche Kinder und ihre Mütter in möglichst großer Zahl ermorden wollten und dies taten und dabei auch unsere Städte und architektonischen Zeugnisse unserer Geschichte in Schutt und Asche legten.
Die westdeutschen Altparteien und die Bundeswehr zwangen damit die Wehrpflichtigen, ihren eigenen Vätern, Großvätern und Urgroßvätern mitten ins Gesicht und auf das Heldengrab zu spucken.
Gibt es eine größere Niedertracht?
In der Psychologie spricht man hierbei von systematischer Degradierung oder Demütigung, um das Selbstwertgefühl eines Menschen gezielt zu zerstören. Im historischen und ideologischen Kontext des westdeutschen Altparteien-Staates erfolgte dies und erfolgt bis heute mit dem Ziel der Gehirnwäsche und der ideologischen Zersetzung, um die Loyalität zur eigenen Familie, zum eigenen Volk und dem eigenen Land, komplett zu trennen und auf das in der BRD etablierte System und die von den USA und ihrem britischen Wadenzwicker gesteuerte NATO zu übertragen.
Eine solche Organisation wird niemals eine eigene Tradition begründen können, nein, dürfen, sondern verdient Verachtung und ihre sofortige Abschaffung.
Wir brauchen den Neustart einer wirksamen, traditionellen und damit kampfstarken deutschen Armee, die die Demokratie, das Deutsche Volk, seinen Gebietskörper und die Volkswirtschaft nachhaltig und abschreckend zur Friedenserhaltung sichert. Es geht um Frieden und den erhält man wie einst der Soldatenkönig nur mit einer bärenstarken preußischen Armee in der Hinterhand!
@Sun Tzu
Oh je, da haben Sie ja richtig etwas in den falschen Hals bekommen bzw. nicht richtig gelesen. Wo habe ich behauptet, die preußische Armee habe Deutschland in die Niederlage geführt ? Ich habe nur das Faktum aufgeschrieben, daß stolzen Paraden in Deutschland zwei häßliche Niederlagen folgten – und das ohne irgendwelche Schuldzuweisungen zu verteilen. Mir geht es hier um eine unsinnige Überhöhung militärischer Äußerlichkeiten, die ich nicht für zielführend halte – um solches Gehabe nicht sogar als affig zu bezeichnen. Damit habe ich weder Preußen noch das Deutsche Reich allein gemeint – und schon garnicht beleidigt. Ihr Kommentar unterstützt – sicher ungewollt – das alliierte Vorurteil, welches Preußen mit Militarismus gleichgesetzt hat und zur Auflösung dieses wertvollen Landes führte. Was die historischen Tatsachen anbetrifft so liegen wir vermutlich garnicht so weit auseinander. Statt einer Geschichtsvorlesung in meinem Stil empfehle ich aber eher das Buch „Preußen und die Wurzeln des Erfolgs“ von Ehrhardt Bödecker, wo er diese Wurzeln in einzelnen Aufsätzen recht sachlich und ohne mit Schaum vor dem Mund beschrieben hat. Meine geschilderte persönliche Erfahrung aus dem kalten Krieg hat allerdings sehr wohl etwas mit dem eigentlichen Beitrag zu tun. Mir ist damals keinerlei Haß oder Hetze seitens meiner damaligen Vorgesetzten auf die Deutschen der NVA begegnet. Ich habe aber schon damals und erst recht nach der Wiedervereinigung von NVA-Soldaten die Indoktrination gegen die „faschistische“ Westarmee geschildert bekommen, deren Inhalte sich nicht nur gegen Strauß, Speidel etc. richtete sondern unterschiedslos gegen die Deutschen in der Bundeswehr. Die traditionellen „deutschen“ Uniformen und der darin von Ihnen bewunderte Paradeschritt der NVA hätte diese nicht daran gehindert auf Deutsche zu schießen, wenn es der „große“ Bruder in Moskau befohlen hätte. Den leichtfertigen Umgang mit Krieg kann man ja zur Zeit leider erneut besichtigen. Ungediente Politiker sowie linksrotgrüne Kriegsdienstgeger aus der Zeit, wo wir wirklich bedroht waren, hetzen heute zum Kampf gegen ein Rußland, das weder Deutschland noch die uns umgebenden NATO-Länder bedroht hat. Dazu mein Resümee: Weder Wilhelm noch Adolf waren so bekloppt sich mit Weltmächten anzulegen und GLEICHZEITIG die eigene Wirtschaft zu ruinieren – da mußten erst die jetzigen Regierungen antreten…
@hog.hoffmann:-
Schön, dass Sie zu Beginn einen wichtigen Punkt klargestellt haben.
Soweit Sie die ideologische Indoktrination der NVA-Soldaten und deren Erziehung zum „Hass auf den Klassenfeind“ sowie deren uneingeschränkte Bereitschaft zum Schuss auf Bundeswehrsoldaten beschreiben, stimme ich Ihnen voll umfassend zu. Allerdings bleibt festzustellen: Ein Soldat fragt und zögert nicht, er hat den Befehl aufzuführen! Alles andere wäre Ausdruck des Narrenschiffs Utopia… Also auch wir, die wir während des Kalten Kriegs gezwungen waren, in der BW zu dienen, hätten unweigerlich geschossen, auf Russen ohne wenn und aber, auf unsere Leute notgedrungen. Es ist ein Geschenk des Himmels, dass wir dies beidseitig nie mussten und endlich wieder vereint sind.
Ich besitze eine bald unüberschaubare Vielzahl von Büchern über Preußen, die preußischen Herrscher und einzelne von ihnen. Das Buch Ehrhardt Bödeckers kannte ich allerdings bis dato noch nicht und möchte mich ausdrücklich bei Ihnen für diese Buchempfehlung bedanken. Ich werde es mir besorgen.
Im Gegenzug kann ich Ihnen den Besuch des von Ehrhardt Bödecker gegründeten Brandenburg-Preußen Museums in Wustrau in der Nähe von Berlin sehr empfehlen. Dort werden Ihnen Tatsachen begegnen, die es Ihnen zukünftig verunmöglichen sollten, im Zusammenhang von Preußen von einem aggressiven Militarismus oder gar von einer aggressiv-kriegerischer Kultur zu sprechen.
Preußen war weit weniger aggressiv und kriegerisch, als alle wichtigen europäischen Mächte. Preußen hat allerdings, und das ist zutreffend das Militär und seine Kampfkraft in einer Weise perfektioniert und kulturell geprägt wie ebenfalls kein anderer Staat Europas oder Welt.
Man sagte nicht ohne Grund, Preußen sei kein Staat mit einer Armee, sondern eine Armee mit einem Staat.
Eine solche Armee würde gerade einer friedlichen Demokratie besonders gut tun.