Historische Darstellung der Plünderung Roms durch die Westgoten (410), KI-nachbearbeitet.

Wer waren die Goten?

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von Allsherjargode Géza v. Nahodyl Neményi

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Wer waren die Goten? Im 6. Jahrhundert verfasste der Historiker Jordanis seine „Getica“ (Gotengeschichte) und schrieb über die Herkunft der Goten (IV.): »Von dieser Insel Skandza [Skandinavien] also sollen einst wie aus einer Werkstatt der Völker oder einer Mutter der Nationen die Goten mit ihrem König Berig ausgefahren sein. Sobald sie ihre Schiffe verließen und ans Land stiegen, gaben sie demselben sogleich ihren Namen. Denn noch heute heißt, wie man erzählt, dort ein Land Gothiskandza«.

Gothiskandza, im 11. Jh. Gothanica und Gyddanyzc, 1178: Gdanc, ist heute als Danzig bekannt. Die Goten stammen demnach aus Skandinavien und zählen damit eigentlich zu den Nordgermanen. Das zeigen auch zahlreiche Ortsnamen; Noch heute gibt es Gotland und Götaland in Schweden, denn nie wurde ein Land leer: Es wanderte immer der Überschuß an Nachkommen aus und suchte sich eine neue Heimat. Auch linguistische Ähnlichkeiten und Untersuchungen der DNS der Wielbark-Kultur, die skandinavische DNS-Marker aufweist, belegt die Darstellung des Jordanis. Bestätigt wird dies ebenfalls von dem bekannten lateinischen Geschichtsschreiber Tacitus, der in seiner berühmten „Germania“ die Goten als „Gutones“ erwähnte und sie in einem Atemzug mit den Lugiern, Rugiern und Lemoviern nannte: »Nördlich der Lugier leben die Gotonen. Sie werden von Königen beherrscht, schon etwas straffer als die übrigen Germanenstämme, doch nicht bis zum Verlust der Freiheit.«

Da die Lugier und Lemovier zwischen Oder und Weichsel saßen, die Rugier um Rügen, bestätigt auch dieser Beleg die nordische Herkunft der Goten.

Herkunft des Namens

Aber woher kommt der Name der Goten? Mitunter behaupten Historiker, dass der Name auf „Die Ausgießer / Gießenden“ (auf Flüsse bezogen, „die am Fluß wohnenden“) zurückzuführen sei oder dass es sich um das gleiche Wort wie die indogermanische Urform des Wortes „Gott“ (*gheu = gießen, mit Trankopfer verehren) handeln soll. Auch werden zusammenhänge zum Altnordischen „gotar“ (Männer) konstruiert. Nur ist das Altnordische nicht zwei Jahrtausende alt, weshalb es nie die Namensgebung der Goten beeinflusst haben kann. Eine Antwort auf die tatsächlichen Namen der Goten gibt aber wieder Jordanis. Er nennt einen Stammvater lateinisch „Gaut“, was germanisch „Gapt“ heißt:

»Der erste dieser Helden also war, wie sie selbst in ihren Sagen berichten, Gapt, der den Humul zeugte; Humul zeugte Augis, Augis aber den, der Amal heißt, von dem der Ursprung der Amaler herrührt (...) Vinitharius zeugte den Vandiliarium«.

Über den Stammvater Gaut/Gapt steht wiederum in der Jüngeren Edda, der Aufzeichnung der germanischen Mythen aus dem 13. Jahrhundert:

»Die Gotnar heißen nach dem Namen des Königs Goti, nach dem auch Gotland benannt ist. Er selbst war so genannt nach Óðinn [Wodan], und zwar ist sein Name von Óðins Namen Gaut abgeleitet; Gautland oder Gotland heißt nämlich auch nach diesem Óðinsnamen wie Svíþjóð [Schweden] nach Svíður, was auch eine Bezeichnung Óðins ist.«

Wenn man bedenkt, daß Wodan in der Langobardengeschichte „Guodan/Gotan“ heißt, was eben auch mit „Gott“ etymologisch verwandt ist, dann erklärt sich die Deutung der Forscher von „Ausgießende“. „Gott“ ist dabei das Objekt, „Ausgießende“ sind das Subjekt. Demnach ist die Bezeichnung der Goten direkt auf den germanischen Hauptgott Wotan/Odin zurückzuführen.

Wanderung nach Südosteuropa

Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. breiteten sich die Goten bis zum Schwarzen Meer nach Süden aus. Um die Mitte des 4. Jh. begann die Christianisierung der Goten, und zwar in der arianischen Form. In dieser Zeit entstand auch die berühmte Wulfila-Bibel. Aber die Weichselgegend, wo sie ebenfalls gesiedelt hatten, wurde nicht aufgegeben. Die dort verbliebenen Goten blieben heidnischen Glaubens und wurden „Sclaveni“ genannt, was damals „Heiden“ bedeutete und man heute als „Slawen“ umdeutet und damit verfälscht. Dass die Goten in Wisigoten (Westgoten) und Ostrogoten (Ostgoten) oder Greutungen zerfielen, ist seit der Darstellung im Film „Die Feuerzangenbowle“ allgemein bekannt. Die Wisigoten oder Therwingen saßen am Pruth, Bug und Dnjestr.

Im Verlauf der Völkerwanderungszeit griffen die Goten Thrazien, Griechenland und Kleinasien an. Kaiser Aurelianus muste ihnen schließlich die Provinz Dacien anbieten. Im Jahre 378 besiegten sie Kaiser Valens bei Adrianopel und wurden in den oströmischen Provinzen angesiedelt. 395 brach Alarich in Griechenland ein, 401 in Italien und 410 in Rom.

Die Westgoten waren ebenfalls erfolgreich: König Ataulf gründete in Südgallien und Spanien das sogenannte Tolosanische Reich (benannt nach der Hauptstadt Toulouse). Doch das Blatt wendete sich. Im Jahr 507 verloren die Westgoten Gallien an die Franken unter Chlodwig und wurden nach der Niederlage bei Jerez de la Frontera 711 in Südspanien durch die Araber völlig vernichtet.

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Das Reich der Ostrogoten umfasste einen großen Teil von Südrussland. Aber unter König Ermanrik unterlagen sie 375 dem Ansturm der Hunnen, die die Ostrogoten unterwarfen. Goten übernahmen aber Namen von Hunnen (Hunibald) und umgekehrt. Sie besiegten nach dem Verfall des Hunnenreichs unter Theoderich d. Großen (Dietrich von Bern der Sagen) im Jahre 493 Odoaker und gründeten in Italien ein blühendes Reich mit der Hauptstadt Ravenna. Nach langen kämpfen mit Belisar und Narses, den Feldherrn des Justinians, im Jahre 555 ging das Reich unter.

Überbleibsel der Goten

Noch heute beziehen sich einige Ortsnamen in Mitteldeutschland auf die Goten, nach meiner Auffassung werden sie allerdings fälschlicherweise als „slawisch“ missdeutet, wie etwa Cottbus (Chotibuz = Gotenansiedlung), verwandt sind auch die Namen Köttlitz, Kotzeband, Kotschka, die sprachlich auf ihre Gründer verweisen, wie auch Berlin-Gatow, dass 1220 noch „Gothow“ hieß. Gatow bei Schwedt (1347: Gotow) und Gottow bei Teltow bedeuten etwa „Goten-Aue“.

Der gotische Anführer Radagaisus (gest. 406) hatte ein gotisches Heer von etwa 20.000 Mann (mit Begleitern schätzt man 100.000 Personen) aus der Hunnenherrschaft befreit und nach Oberitalien geführt, auch Vandalii gehörten dazu. Er unterlag schließlich gegen Westrom. Auch wenn viele seiner Leute versklavt wurden, galt er als Beispiel für Mut und Hoffnung. Die Bedeutung Radagaisus (Radegeis, „Gast im Rat“) führte dazu, daß im Gebiet der angeblich „slawischen“ Wenden (Vandalii) fünf Orte seinen Namen tragen: Radegast, Ortsteil von Bleckede in Niedersachsen; Radegast, Ortsteil von Krembz in Mecklenburg, Radegast, Ortsteil von Satow in Mecklenburg, Radegast im Landkreis Stargard in Pommern; Radegast Ortsteil von Dahlen in Sachsen.

Über das Leben unserer Vorfahren existieren zahlreiche Quellen, die aber öffentlich kaum thematisiert werden. Der in Marseille lebende Bischof Salvianus (De gubernatione Dei 7) schrieb um das Jahr 450 über die Goten: „Wo Goten herrschen, ist niemand unzüchtig, außer den Römern. Wo aber Vandalii herrschen, sind selbst die Römer keusch geworden.“

Lang, lang ist das her.

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