#Free Prinz Heinrich XIII.!

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Am 7. Dezember 2022, vor knapp vier Jahren, als noch die Ampel-Regierung unter Olaf Scholz im Amt war, kam es zu einer polizeilichen Aktion, die vom damaligen FDP-Justizminister als „Anti-Terror-Einsatz“ bezeichnet wurde: 22 mutmaßliche Mitglieder und drei mutmaßliche Unterstützer der sogenannten „Patriotischen Union“ wurden festgenommen, denen man die Planung eines staatlichen Umsturzes vorwarf.

Kopf dieser Gruppe war der Unternehmer und Diplomingenieur Heinrich XIII. Prinz Reuß, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt – normalerweise darf eine solche U-Haft maximal sechs Monate dauern. Schnell wurde klar, wie lächerlich diese Razzia angesichts viel präsenterer und realer organisierter wie unorganisierter Kriminalität in der Bundesrepublik ist: Die Gruppe um Prinz Heinrich wäre niemals in der Lage gewesen, einen Putsch oder Staatsstreich durchzuführen, weder hinsichtlich der Anzahl noch hinsichtlich der Kampfkraft der Beteiligten. Es hatte schon damals den Anschein einer Farce, eines Ablenkungsmanövers oder, besser gesagt, einer gelebten Anarchotyrannei des Staates: Während die Bundesrepublik angesichts solcher Nicht-Bedrohungen mit voller Härte vorgeht, verschließt man – ob unbewusst oder bewusst, sei einmal dahingestellt, aber vermutlich Letzteres – vor tatsächlichen Bedrohungen der staatlichen wie öffentlichen Ordnung die Augen.

Nach mittlerweile vier Jahren interviewte Roland Tichy, Chef des liberalkonservativen Medienoutlets „Tichys Einblick“, 90 Minuten lang den angeblichen Rädelsführer der Putschisten, und es wird deutlich, wie recht die Kritiker dieser Farce hatten: Der Mann ist wahrhaftig keine Bedrohung.

Was sagt also Prinz Heinrich XIII. selbst über diese Verschwörung? Kurz gesagt: Er war nie Teil davon, und es gab auch nie eine! Er behauptet in dem Gespräch, dass er auf seinem Schloss in Thüringen regelmäßig Veranstaltungen abgehalten habe, mit denen er selbst allerdings wenig zu tun gehabt habe:

„Er habe Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, für Speisen und Getränke gesorgt und Menschen zusammengebracht. Das sei für ihn nichts Ungewöhnliches gewesen. Bereits früher habe er sein Haus für derartige Gesprächsrunden und Zusammenkünfte geöffnet.“

So viel dazu: Gewaltsame Aktionen zur Stürzung sind laut seiner Aussage nie geplant worden. Es gab auch kein Waffenarsenal auf dem Gut des Prinzen, lediglich ein Luftgewehr, mit dem auf Zielscheiben geschossen wurde – zum Vergnügen der Kinder, so der Prinz. Doch die Sache wird noch abstruser: Heinrich XIII. habe sich von selbstbewussten Personen um den Finger wickeln lassen, die ihn glauben machten, ein mächtiges Bündnis wolle die bestehenden politischen Verhältnisse umwälzen – diese sogenannte „Erdallianz“ werde bald eingreifen, und es wurde in den Runden besprochen, wie man darauf reagieren solle.

Dass das ein Hirngespinst war, habe er nicht gewusst. Weiterhin habe er einem weiteren Angeklagten im 2024 aufgenommenen Reuß-Prozess 50.000 Euro zur Verfügung gestellt, die dazu hätten benutzt werden sollen, entführte Kinder aus unterirdischen Gefängnissen zu befreien – auch hier sei er auf einen Betrug hereingefallen. Es zeichnet sich im Verlaufe von Tichys Interview das Bild eines Mannes, der sich, trotz seiner Intelligenz und seines „kaufmännischen Instinkts“, von Betrügern einlullen ließ.

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Ein wirklich merkwürdiger Fall: Wir haben es also mit einer Gruppe von – mit Verlaub – Spinnern zu tun, die tatsächlich glauben, eine im völlig Geheimen agierende „Erdallianz“ würde die politische Weltordnung mir nichts, dir nichts aus den Angeln heben. Dass man überhaupt darauf hereinfallen oder dieser Erzählung Glauben schenken konnte, ist schon absurd und peinlich genug, aber dass dann die Exekutivgewalt der Bundesrepublik ernsthaft auf die Idee kommen könnte, dieser Haufen sei eine Gefahr für die Staatsmacht, ist umso lächerlicher.

Der ganze Fall um Heinrich XIII. zeigt vielmehr auf, dass man auf Seiten der damaligen Bundesregierung eher bereit war, harmlose Verschwörungstheoretiker hochzunehmen, als sich wirklicher Bedrohungen anzunehmen. Das Ganze wirkt wie ein Exempel, das statuiert werden soll: Getreu dem Motto „Bestrafe einen, erziehe hundert“ soll möglichen weiteren dissidenten Gruppen – auch mehr oder weniger uns – Angst gemacht werden. Dafür sprechen auch die Umstände der Haft und des Prozesses: Der Prinz wird seit vier Jahren statt der üblichen sechs Monate in U-Haft gehalten, und der Prozess wurde erst zwei Jahre nach seiner Inhaftierung begonnen und dauert bis heute an.

Das sind selbst für BRD-Verhältnisse keine normalen Bedingungen, man kann hier durchaus eine wohlwollende Verzögerung von Prozess und Haft vermuten, also reine Schikane – als Ausdruck der anarchotyrannischen Bedingungen, unter denen die (vermeintlichen) Feinde der politischen Elite zu leben haben.


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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Heinrich XIII. Prinz Reuß. Ein politischer Gefangener. Einer von vielen.
    Und die Liste im angeblich demokratischen BRD-Land wird immer länger 🙁

  2. Der Prinz und seine Idioten-Bande haben ihren Verfolgern leider auch jede Menge Stoff geliefert. Tichy hat schon vor Jahren die ihm zugänglichen Akten ausgewertet. In den Gruppen-Chats soll von einer (Phantom-) Armee die Rede gewesen sein und sogar von Außerirdischen, die eingreifen würden, wenn die Rollator-Gang sich erst mal Richtung Reichstag in Bewegung setzen würde. Ein ehemaliger Berufsoffizier gehörte auch zu den Verwirrten.

    Der Staat stand zu dieser Zeit noch unter dem Eindruck der Corona-Maßnahmen-Proteste und des Reichsbürger-Phänomens, die beide zur Landesgefährdung hochgejazzt wurden. Der Prinz war dann derjenige, der sich medienwirksam zum harten Durchgreifen anbot.

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