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Der Fall von Afghanistan – Das war’s mit 20 Jahren Bundeswehreinsatz

15. August 2021

Das war es jetzt also mit Afghanistan. Die Taliban haben wieder die Macht, die Hauptstadt Kabul ist gefallen. Auf den Bildern der Liveberichterstattung sieht man nur wenige Rauchsäulen über der Stadt aufsteigen. Präsident Aschraf Ghani ist geflohen, die afghanische Armee, auf dem Papier immerhin rund 300.000 Mann, streckte an den meisten Orten ihre Waffen.

Den Islamisten fielen Rüstungsgüter im Wert von mehreren Milliarden Dollar in die Hände- ein letztes “Fuck you“ in Richtung der westlichen Steuerzahler, die dieses Abenteuer zwei Jahrzehnte finanziert haben.

War das unser Krieg?

20 Jahre Krieg in Afghanistan, das bedeutete für die deutsche Heimatfront: 20 Jahre Desinteresse. 20 Jahre Verständnislosigkeit in weiten Teilen der Bevölkerung. 20 Jahre vergebenes Warten auf den Wahlkampfslogan “Holt unsere Jungs zurück“. 20 Jahre Mandatsverlängerung für einen Kriegseinsatz, der von der rot-grünen Regierung unter Bundeskanzler Schröder als Friedensmission beschlossen wurde.

“Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, prahlte seinerzeit Verteidigungsminister Peter Struck. Er sollte das Jahr 2015 nicht mehr erleben – den Auftakt zur Masseneinwanderung sogenannter “Flüchtlinge”. Während deutsche Soldaten in Masar-e-Scharif ausharrten, übertraten zigtausende Afghanen im wehrfähigen Alter die Grenze zur Bundesrepublik, um deren Sicherheit es seit diesem Schicksalsjahr nicht mehr ganz so gut bestellt ist.

Der Krieg ohne klare Fronten und klar erkennbare Kombattanten ist längst in Deutschland angekommen. Wieso also patroullierten verstaubte Panzerwagen über die holprigen Pisten Nordafghanistans, wer zum Teufel wurde dort vor wem verteidigt? Wieso hat sich die Schröder-Regierung 2001 auf den Krieg gegen den Terror, diesem Kampf gegen die Köpfe der Hydra, eingelassen? Um Terror zu bekämpfen muss man schon lange nicht mehr nach Afghanistan. Islamischer Terrorismus hat längst Europa erreicht.

Krieg. Es heißt Krieg.

Brunnen- und Mädchenschulenbau, das war das Narrativ eines Einsatzes, der von Politik und Medien nur ungern als das bezeichnet wurde, was er eigentlich war: Krieg. Groß war die Empörung, als ein deutscher Kommandeur 2009 in der Nähe von Kundus einige von Terroristen entführte Tanklastwagen bombardieren ließ. Was gefielen sich die linken Moralpropheten in ihrer Rolle als schnappatmige Empörer und Verteidiger des Völkerrechts.

Dabei war dieser als “Kundus-Affäre“ titulierter Vorfall einer der ganz seltenen, aber dringend notwendigen Vorführungen der berühmten roten Linie: “Wenn ihr muckt, dann gibt es Ärger.“ In dem kaum überschaubaren Gewirr aus regionalen Dialekten war und bleibt dies die einzige, universelle Sprache, die in Afghanistan von jedem verstanden wird.

Aber so eine Sprache wird hierzulande nicht mehr gesprochen. Dementsprechend war die Darstellung des Afghanistankrieges in deutschen Medien immer die Darstellung von Schwäche, Trauma, Verbrechen und Schuldgefühl. Der Veteran als unverstandende Zeitbombe, als jemand der sich bei heimatlichen Grillpartys übergibt, weil er den Geruch von verbranntem Fleisch nicht erträgt.

Nichts ist vorbei

Überhaupt war der Umgang mit den knapp 100.000 (!) Afghanistan-Veteranen von Anfang an verkrampft. Das “Eiserne Kreuz“ schmückt zwar als Hoheitsabzeichen deutsche Fahrzeuge, als Auszeichnung für Tapferkeit kam es aber nicht in Frage. Wegen “unserer Vergangenheit“, was auch sonst. Es gab keine Verabschiedungen oder Empfänge für die Soldaten, nicht einmal für die letzten Heimkehrer. Es gab keine öffentlichen Würdigungen von Tapferkeit, keine medienwirksame Auszeichnung von Verwundeten. Alles was mit Bundeswehr und Afghanistan zu tun hatte, war von Anfang bis Ende eine kaum zu ertragende Farce.

Aber das alles steht auch sinnbildlich für eine linke Politik, die nicht erst seit Merkel dieses Land in ihrem eisernen Griff hält. Kriegseinsätze werden einfach mal so eben beschlossen, mit betretener Miene wird dann vor den laufenden Kameras irgendwas von “deutscher Verantwortung“ gefaselt. Die besteht dann zunächst darin “Strukturen vor Ort zu stärken“, also deutsches Steuergeld in korrupten Sümpfen zu versenken, anschließend dann in der Evakuierung und Alimentierung der afghanischen Helfer – einem sehr dehnbaren Begriff, wie wir in den nächsten Monaten noch erfahren werden, aber das nur am Rande.

Jetzt werden also die letzten deutschen Mitarbeiter aus Kabul geflogen, zumindest jene, die rechtzeitig den Flughafen erreichen konnten. Das alles hätte längst passiert sein können, überhaupt hätte unter der ganzen Sache schon vor Jahren ein Schlussstrich gezogen werden können. Deutsche Soldaten hätten dann nicht am Hindukusch, sondern an Europas Grenze unsere Sicherheit verteidigt.

Das alles geschah nicht. In Berlin hoffte man wohl bis zum Schluss auf ein Wunder. Was bleibt also von 20 Jahren Bundeswehreinsatz in Afghanistan? Ein bisschen aufgewirbelter Staub auf Kabuls Landebahn. Särge. Ein paar abendfüllende Filme. Die Show ist vorbei. Der Krieg geht weiter.

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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